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Dr. Claudia Lichte begutachtet in der Kunstsprechstunde eine Gutenberg-Figur aus Holz.

 

Foto: Michaela Schneider

 

Gutenberg, faltige Pantoffeln und ein Holzwurm
Kunstsprechstunde
Experten des Mainfränkische Museums
begutachten auf Wunsch Kunstwerke in Privatbesitz – Spezialtermine im Jubiläumsjahr

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Dr. Claudia Lichtes Expertenblick wandert kritisch vom Kopf bis zu den Schuhspitzen der Skulptur auf ihrem Besprechungstisch. Deren Besitzer – ein 76-jähriger Wahl-Würzburger, der ungenannt bleibt will – steht angespannt daneben. Den geschnitzten Gutenberg habe er vor 20, 25 Jahren von einem befreundeten Ehepaar übernommen, erzählt er. Der Bart, die Machart – erinnere das nicht vielleicht an die Riemenschneiderschule, will er von Dr. Claudia Lichte wissen. Die Leiterin des Mainfränkischen Museums verneint rasch, die Figur sei viel jünger. Ein bisschen enttäuscht wirkt ihr Besitzer zunächst. Doch nach 30 Minuten Kunstsprechstunde ist er trotzdem sehr zufrieden, hat er doch so manches über seinen Kunstschatz erfahren.

 

Immer am zweiten Dienstag im Monat bietet das Mainfränkische Museum Kunstsprechstunden für Bürger an, ähnlich der Fernsehsendung „Kunst & Krempel“.  Nach Voranmeldung entscheidet das Museumsteam, welcher Experte aus den eigenen Reihen das jeweilige Objekt begutachten wird. Im Jubiläumsjahr zum 100. Museumsgeburtstag kommen jeweils sonntags um 14 Uhr Spezialsprechstunden hinzu. Bei den nächsten Terminen wird es der Reihe nach um mittelalterliche Skulpturen, Trachten, Graphiken, Archäologische Funde und Gemälde gehen.

 

Aber zurück zur Skulptur in Dr. Lichtes Büro. „In einer Sache haben sie recht“, sagt die Museumschefin zu deren Besitzer. Auch wenn sie aus dem 19. Jahrhundert stamme, so gebe die Figur in der Tat vor, mittelalterlich zu sein. Detailgenau erklärt die Museumsleiterin nun, woran sie deren Alter dennoch erkenne: Schnittspuren am Holz wurden belassen, im Mittelalter wären sie indes ganz fein geschliffen worden. Der Herr trage pantoffelähnliche Schuhe, die leichte Falten werfen – zu Gutenbergs Zeit jedoch trugen die Menschen faltenfreie Holzschuhe. Und gerade auch der Sockel, auf dem die Figur sonst im Wohnzimmer seiner Besitzer steht, spreche mit flatterndem Schriftband klar die Sprache des 19. Jahrhunderts.

 

Dass es sich bei dem Herrn tatsächlich um den Erfinder des Buchdrucks, um Johannes Gensfleisch (um 1400 – 1468), genannt Gutenberg, handelt, bezweifelt Dr. Lichte nicht. Seine Kopfbedeckung deute auf einen gebildeten Herrn hin, der verzierte Mantel auf einen nicht unvermögenden Besitzer. Und: Auf dem Sockel flattert nicht nur ein Band mit der Aufschrift „Gott grüß die Kunst“, auch sind dort auf Gold ein Buch und eine Druckerpresse zu sehen. Lichte empfiehlt in dem Zusammenhang, Figur und Konsole unter keinem Umständen einzeln zu verkaufen – die offensichtlich zusammenpassende Kombination sei selten und wertsteigernd.

 

Dann aber wandert Dr. Lichte gedanklich doch noch einmal zurück zu Tilmann Riemenschneider. Denn: Der Gutenberg des 19. Jahrhunderts erinnert in seiner Machart tatsächlich an die Schnitzwerke des mittelalterlichen Bildhauers aus Würzburg. Das ermöglicht der Museumsleiterin nun eine noch genauere Datierung der Gutenberg-Skulptur, denn: Tilmann Riemenschneiders Grabstein sei erst 1831 wiederentdeckt worden. „Dann machte er richtig Furore“, sagt Lichte und schmunzelt. Etliche Künstler nahmen nun seine Skulpturen als Vorbild – und auch für den Erschaffer der Gutenberg-Skulptur könnte ein Riemenschneiderwerk Pate gestanden haben.

 

Was sein Gutenberg in etwa wert sei, will der 76-jährige Besitzer wissen. Die Frage allerdings lässt Dr. Lichte unbeantwortet. „Schätzungen machen wir nicht, als Museum wollen wir uns aus dem Kunstmarkt heraushalten“, betont sie.

 

Und dann wird es doch noch einmal richtig spannend in der Kunstsprechstunde. Auf der Suche nach einer Signatur stößt Lichte auf einen Holzeinsatz im Fuß der Skulptur. Ein Geheimfach vielleicht? Vorsichtig klopft die Expertin das Holz ab, kommt dann aber zu dem Schluss: Die Figur wurde wohl aus mehreren Blöcken zusammengesetzt. Doch kein Geheimfach also. Dafür stößt sie aber auf ein anderes, eher unliebsames Geheimnis der Gutenberg-Skulptur, denn plötzlich rieselt Holzstaub auf den Tisch. Jetzt gibt die Kunstexpertin gleich noch Tipps zur Holzwurm-Bekämpfung. Spätestens nun hat sich der Besuch in der Kunstsprechstunde des Mainfränkischen Museums für den Gutenberg-Besitzer nicht nur ideell, sondern auch ganz praktisch gelohnt.

Infokasten: Spezial-Kunstsprechstunden im Jubiläumsjahr

 

- 23. Juni: Trachten, Christiane Landgraf

- 30. Juni: Graphik, Dr. Frauke van der Wall

- 7. Juli: Archäologische Funde, Dr. Eva Zahn-Biemüller/Dr. Helge Zöller

- 14. Juli: Gemälde, Dr. Tilmann Kosatz

 

Die Spezial-Kunstsprechstunden beginnen jeweils um 14 Uhr, Anmeldung im Mainfränkischen Museum unter Telefon 0931/20594-0. Zudem finden regelmäßig – auch außerhalb des Jubiläumsjahrs  immer am zweiten Dienstag im Monat um 14 Uhr allgemeine Kunstsprechstunden statt. Weitere Informationen auch im Internet unter www. mainfraenkisches-museum.de

Der Artikel ist unter anderem im Fränkischen Sonntag erschienen.