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Von Michaela Schneider

 

Es wirkt, als seien Sie noch am Arbeiten – jene Pinsel, die sich gleich einem Schwarm auf der Leinwand versammelt haben. Unregelmäßig angeordnet verströmen Sie Dynamik, scheinen ihre schwarzen und dunkelblauen Farbspuren weiterzuziehen. Erst noch auf der Leinwand, später vielleicht über die ganze Wandfläche? Der Gedanke an Goethes Zauberlehrling drängt sich beim Betrachten des Kunstwerks auf – an jene Geister, die hier der Maler Arman rief und die nun seinem Handwerkszeug ein Eigenleben einhauchen. Das markante Werk ist eines von rund 80 Objekten, die ab dem heutigen Samstag im Museum im Kulturspeicher in Würzburg zu sehen sind. „Aufbruch – Malerei und realer Raum“ ist die Sonderausstellung betitelt, die  nach Bochum, Kaiserlautern und Berlin jetzt auch in Würzburg Station einlegt. „Wer Spaß hat an Farbe und Raum, findet hier reiche Beute“, verspricht Museumsdirektorin Dr. Marlene Lauter. Nachgespürt werde der Frage, was aus dem Bild im 20. Jahrhundert geworden sei.

 

So unterschiedlich die rund 80 Bilder und Objekte von 48 zeitgenössischen Künstlern sind, haben Sie doch eines gemein: Sie öffnen sich, verlassen ihre herkömmlichen Umrahmungen sowie die Zentralperspektive und treten mit ihrer Umgebung, mit dem Raum in Kontakt. Durch optische Akzente, eingearbeitete Objekte, spannende Formen und auch völlig unerwartete Ansätze.  Zu sehen sind Klassiker der Malerei aus Europa und Nordamerika, aber auch nicht weniger interessante Werke junger, unbekannter Künstler. Dabei gliedert sich die Ausstellung in vier Kapitel: „expressive Transformationen“, „Dynamik konstruktiver Einheiten“, „Leere und Fülle - Verwandlungen der Substanz“ sowie „Malerei im realen Raum“.

 

Vertreter der „expressiven Transformation“ akzeptieren das Bild an sich nicht länger als eine Einheit – die Werke von Künstlern wie Lucio Fontana, Gerhard Hoehme oder Emil Schumacher ziehen den Blick erst an und führen ihn dann über die Grenzen hinaus. Ganz markant veranschaulicht dies beispielsweise ein Werk von Günter Fruhtrunk. Die klaren, diagonalen Linien in Schwarz-Weiß scheinen sich beim längeren Betrachten auf der Wand hinterm Bild fortzusetzen. Die „Dynamik konstruktiver Einheiten“ spricht beispielsweise aus Francois Morellets Werk „3 Carret“. Das Quadrat ist dabei Ausgangsfigur, wie der französische Titel ausdrückt. Das Verwirrende dabei: Das Bild besteht aus zwei ungleichmäßigen weißen Leinwänden mit schwarzen Linien, die der Betrachter automatisch in Gedanken zu drei Quadraten zusammensetzen oder verbinden möchte. Aber: Alles Täuschung, die Idee geht nicht auf. Man sieht mehr, als tatsächlich ist. Der Ausstellungsbereich „Leere und Fülle“ lebt vom Kontrast: Ein minimalistisches Werk wie Gotthard Graubners Lichthauch verweigert jede Form, leichtes Gelb geht fast unbemerkt in Weiß über. Dem gegenüber schmerzt Kuno Gonschiors „Rundkonvex Rot-Grün-Violett“ bei zu langem Hinschauen regelrecht durch ein Zuviel an Fülle. Ein humorvolles Beispiel für „Malerei im realen Raum“ ist Erich Reuschs namenloses Werk. Das ursprüngliche Bild ist hier verschwunden, die Rückseite des Keilrahmens wird selbst zum Kunstobjekt.

 

Was ist Kunst? Über diese Frage lässt sich bekanntlich streiten – und auch an manchem Werk in der Sonderausstellung im Kulturspeicher werden sich die Geister scheiden. Zum Beispiel an den weißen Vierkantensockeln des Wahlberliners Joachim Grommek. Er simuliert täuschend echt das Banale, erweckt mit zielsicherer Maltechnik den Eindruck als sei der weiße Anstrich um ein platziertes Objekt ausgespart worden. Beim ersten Blick Kopfschütteln, beim zweiten Blick Verwirrung, beim dritten Blick Überraschung. Doch nicht jedes Objekt in der Sonderausstellung „Aufbruch – Malerei und realer Raum“ kann und muss gefallen. Ein Besuch rentiert sich auf jeden Fall, Gäste im Kulturspeicher werden belohnt mit: Farben- und Formenreichtum, neue Ideen und Denkansätzen, Spannung und einer immensen Dynamik. Und Werken in einer für den Kulturspeicher ungewohnten Dimension. Überraschungen sind garantiert, eine Führung ist empfehlenswert.

 

 

Infokasten: „Aufbruch – Malerei und realer Raum“ in Würzburg

Die Sonderausstellung „Aufbruch – Malerei und realer Raum“ ist eine Kooperation der Situation Kunst in Bochum, dem Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern, der Akademie der Künste in Berlin, der Kunsthalle Rostock sowie dem Museum im Kulturspeicher Würzburg. In Unterfranken macht sie nun Station bis einschließlich 23. September. Geöffnet ist das Museum im Kulturspeicher Dienstag von 13 bis 18 Uhr, Mittwoch von 11 bis 18 Uhr, Donnerstag von 11 bis 19 Uhr und Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. An Mariä Himmelfahrt, 15. August, ist das Museum geöffnet. Führungen zur Ausstellung: jeweils sonntags um 11.15 Uhr sowie an Mariä Himmelfahrt um 15 Uhr. Gruppenführungen auf Anfrage.

 

Der Artikel ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Bilder treten mit Raum in Kontakt

 

Kulturspeicher: Sonderausstellung in Würzburg geht der Frage nach, was aus dem
Bild des 20. Jahrhunderts geworden ist – Zu sehen sind rund 80 Werke von insgesamt 48 Künstlern

Verlässt gewohnte Bildformen: Mary Heilmann mit ihrem Werk „Too long (at the Fair“).            Foto: Michaela Schneider

Alfredo Álvarez Plágaros gibt in seinen Werken die Idee einer Einheit auf.

        Foto: Michaela Schneider

Schmerzt fast beim längeren Hinschauen: Kuno Gonschiors „Rundkonvex Rot-Grün-Violett“.

Foto: Michaela Schneider

„Es gibt keine Kunst, die sich von selbst erklärt“, sagt Museumsdirektorin Dr. Marlene Lauter. Hier: vor Neil Williams Werk „Lime Ridge“.

Foto: Michaela Schneider

Verlassen die Zweidimensionalität: Elisabeth Varys Werke.

        Foto: Michaela Schneider