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Emy Roeders „Korbträgerin“ entstand in der Villa Romana zwischen 1935 und 1945 in Florenz.


Emy Roeders „Ziegenbock“.


Aus Federn gefertigt: Barbara Theins Porträt von König Max I. Joseph von Bayern.


Stillleben der Bamberger Künstlerin Catharina Treu. Pfirsiche galten als Symbol der Weiblichkeit.


Fotos: Michaela Schneider

Kunst – nicht nur eine Männerdomäne
Sonderführung dreht sich um Malerinnen und Bildhauerinnen im Martin-von-Wagner-Museum


Von Michaela Schneider

Würzburg Weit mehr als 5000 Künstler sind in Reclams Künstlerlexikon gelistet. Was aber würde passieren, wenn man wie die Berliner Malerin Sibylle Zeh alle Männernamen mit weißer Farbe übermalte? Übrig blieben nicht einmal 200 Frauen. Tatsächlich wurde die Kunstszene über Jahrhunderte von Männern geprägt. In bestimmten Zeiten und Gesellschaften wurde den Frauen gar jede künstlerische Fähigkeit komplett abgesprochen. Um die Frage „Kunst – eine Männerdomäne?“ wird es am kommenden Sonntag um Künstlerinnen in der Gemäldegalerie des Martin-von-Wagner-Museums in Würzburg gehen.


Traurige Realität bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war: Frauen waren von der akademische Ausbildung zum Künstler ausgeschlossen. Eine Lehre durchlaufen konnten sie allenfalls in einem Kloster, in Adelskreisen oder in der väterlichen Werkstatt. Die Gesellschaft schrieb der Frau noch bis zum 1. Weltkrieg die Rolle der den Mann schmückenden Ehefrau und Mutter zu. Höhere Töchter lernten zwar Klavierspiel und Gesang, Stickerei und Malerei – jedoch allein, um auf das Leben als bürgerliche Ehefrau vorbereitet zu werden. Außerhalb des häuslichen Umfelds konnten sich Frauen nur sehr vereinzelt künstlerisch entfalten.  


Trotzdem findet sich in der Gemäldegalerie des Martin-von-Wagner-Museums zumindest eine Hand voll Künstlerinnen. Die vielleicht interessanteste unter den Damen dürfte die Bambergerin Catharina Treu (1743 – 1811) sein. Sie entstammt der Künstlerfamilie Treu. Wie ihre Brüder und die Schwester hatte sie das Handwerk beim Vater, Joseph Marquard Treu, erlernt. Bekannt wurde Catharina vor allem für ihre prunkvollen Stillleben. Und: Sie durchlief eine für ihre Zeit ungewöhnliche Karriere. Catharina Treu schaffte es bis zur Titularprofessorin der Kunstakademie in Düsseldorf und Hofmalerin des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz. Auf Treus Gemälde im Martin-von-Wagner-Museum ist auf den ersten Blick ein Korb mit frischem Obst zu sehen. Spannend ist es, in die Symbolik einzutauchen. Zu sehen sind unter anderem Pfirsiche – und die galten seinerzeit als Symbol für Weiblichkeit.


Staunen erzeugt vielfach das Werk einer weiteren Künstlerin im Martin-von-Wagner-Museum. Unter Leitung des Würzburger Minoriten und Naturforschers Josef Bonavita Blank (1740 – 1827) hatte die gebürtige Schweinfurterin Barbara Thein ein Bildnis Max I. Joseph von Bayern gefertig. Das Werk besteht komplett aus Federn, unter anderem von Papageien und Perlhühnern. In der Fachsprache spricht man bei dieser Technik von musivischen Bildern. Dabei wird statt mit herkömmlicher Farbe mit Naturprodukten wie Moosen, Blumen, Flechten, Holz oder zum Beispiel auch Vogelfedern gearbeitet.  Bonavita gilt als Begründer der Technik, Barbara Thein war seine Gehilfin. Übrigens besitzt das Martin-von-Wagner-Museum seit dem Jahr 20111 zudem ein Doppelporträt, das die Schwestern Barbara und Katharina Thein  umgeben von Naturmaterialen wie Steinen und Mineralien sowie ausgestopften Vögeln zeigt.


Schließlich der Blick auf eine jüngere Vertreterin im Künstlerinnen-Reigen des Martin-von-Wagner-Museums: auf die Würzburgerin Emy Roeder (1890 – 1971). Gleich drei Objekte sind in der Gemäldegalerie zu sehen: ein Porträtkopf des Künstlers Hans Purrmann, ein Ziegenbock aus Bronze in Reliefoptik und die Skulptur „Korbträgerin“. Als Bildhauerin hatte sich Emy Roeder seinerzeit in einen weit gehend männlich besetzten Bereich der Kunst gewagt. Längst zählt sie zu den führenden Künstlern des bildhauerischen Expressionismus, ihr Name fehlt heute in kaum einer Ausstellung zur deutschen Plastik des 20. Jahrhunderts. Wer sich intensiver mit Emy Roeder beschäftigen möchte, wird übrigens in einem weiteren Würzburger Museum überaus fündig: Noch zu Lebzeiten hatte die Künstlerin ihrer Heimatstadt Würzburg den künstlerischen Nachlass vermacht. Er umfasst um die 70 Skulpturen und Gipsmodelle, mehr als 100 Zeichnungen, Briefe und Werke befreundeter Künstler. Verwaltet wird er vom Museum im Kulturspeicher, dieses hat ihr dauerhaft einen eigenen Ausstellungsraum eingerichtet.

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Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Sonderführungen im Martin-von-Wagner-Museum


Immer sonntags um 11 Uhr bietet die Museumsinitiative des Martin-von-Wagner-Museums in Würzburg Sonderführungen durch Gemäldegalerie oder Antikensammlung an. Am 19. Januar findet Die Führung „Kunst, eine Männerdomäne? Künstlerinnen im Martin-von-Wagner-Museum statt“. Organisiert wird sie von Katja Reinhart, Studentin der Museologie und Kunstgeschichte.  Details zu weiteren Sonderführungen: http://www.museum.uni-wuerzburg.de/veranstalt.html