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Gut für den Darm und für einen „lieblichen Atem“
Medizinhistoriker erklärt, warum der  „Echte Kümmel“ zur Arzneipflanze des Jahres 2016 gewählt wurde


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn: den „Echten Kümmel“. Jetzt wurde „Carum carvi“, wie er auf Lateinisch heißt,  vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2016 gewählt. In dem Gremium sitzen Pharmazeuten, Apotheker, ein Philologe, ein Biologe und Historiker. Und einer der Entscheidungsträger ist auch der 62-jährige Medizinhistoriker Dr. Johannes Gottfried Mayer, Geschäftsführer der Würzburger Forschergruppe Klostermedizin.  


Ist der „Echte Kümmel“ gerade bei uns im Unterfränkischen nicht eher als Gewürz und weniger als Arzneipflanze bekannt?

Dr. Johannes Gottfried Mayer: Ja, Kümmel spielt in der fränkischen Küche eine große Rolle. Als ich einst nach Würzburg gezogen bin, sind mir gleich die Kümmelkipf mit sichtbarem Kümmel aufgefallen. In den 70er Jahren hat man hier kaum ein Brot ohne Kümmel bekommen. Typisch ist Kümmel auch in Sauerkraut und fast allen Kohlgerichten. Die Forschung geht davon aus, dass es sich beim Echten Kümmel um die älteste heimische Gewürzpflanze handelt. So gut wie alle anderen Gewürzpflanzen der Küche wurden – zumindest aus dem Mittelmeerraum – importiert. Kümmel-Überreste indes haben Archäologen bei uns in menschlichen Siedlungen der Steinzeit gefunden. Wobei wir natürlich nicht wissen, ob Kümmel damals als Gewürz oder auch schon als Arzneipflanze verwendet wurde.


Und seit wann wissen wir sicher, dass Echter Kümmel als Arzneipflanze diente?

Mayer: Der griechische Arzt Dioskurides schreibt im 1. Jahrhundert nach Christus, dass Kümmel dem Magen gut tut, dem Darm hilft und einen „süßen, lieblichen Atem“ bereitet. Zwar wissen wir nicht sicher, ob er tatsächlich unseren Kümmel meint. Doch ist dies gut möglich, denn Schwarz- und Kreuzkümmel wurden damals anders bezeichnet. Darüber hinaus wissen wir, dass Kümmel schon früh zur Konservierung von Lebensmitteln wie Kraut verwendet wurde. In Schriften der Medizinschule von Salerno als der wichtigsten mittelalterlichen Hochschule für Medizin heißt es, Kümmel stärke die Verdauungskraft, löse Blähungen und wirke appetitanregend. Und Hildegard von Bingen empfiehlt Kümmel zu schwer verdaulichen Speisen wie altem, hartem Käse.


Worauf genau ist die Wirkung des Echten Kümmels zurückzuführen?

Mayer: Der Kümmel ist ein Doldenblütler, wir verwenden die Früchte. In den Früchten befinden sich winzige Samen und Ölkammern. Dieses Öl wirkt antimikrobiell, so werden die Samen bis zur Keimung im folgenden Frühjahr konserviert, denn Pflanzen verfügen – anders als Säugetiere – über kein eigenes Immunsystem. Deshalb entwickeln sie andere „Kampfstoffe“ und diese machen wir Menschen uns dann zunutze. Die Frucht des Kümmels besteht zu drei bis sieben Prozent aus ätherischem Öl – und dieses wiederum zu 50 Prozent aus Carvon. Carvon werden die Hauptwirkungen des Kümmels zugeschrieben. Wissenschaftlich anerkannt ist, dass Kümmel bei Verdauungsbeschwerden wie leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, Blähungen und Völlegefühl wirkt. Mit der Hauptgrund, dass wir den Kümmel zur Arzneipflanze des Jahres 2016 gewählt haben, ist aber ein anderer: Wie man herausgefunden hat, kann Kümmel auch beim Reizdarmsyndrom eingesetzt werden.


Das Reizdarmsyndrom: Was genau ist das und was bewirkt Kümmel hier?

Mayer: Das so genannte Reizdarmsyndrom ist weit verbreitet und bezeichnet eine Gruppe funktioneller Darmerkrankungen. Symptome sind Schmerzen oder Blähungen im Bauchraum und  veränderter Stuhlgang ohne strukturelle oder biochemische Ursache. Vielleicht wird das Reizdarmsyndrom durch den zunehmenden Stress unserer Zeit ausgelöst und wohl auch durch zu spätes Essen. Kümmel wirkt selektiv auf das Wachstum pathogener Keime. Oder vereinfacht ausgedrückt: Er bekämpft die gestörte Darmflora, lässt aber die gesunde in Ruhe. Blähungen entstehen, weil sich im Darm Schaum bildet und Gase nicht entweichen können. Kümmelöl wirkt hier zudem schaumverhütend. Neben Kümmel helfen übrigens auch Menthol und Myrrhe beim Reizdarmsyndrom recht gut sowie Flohsamenschalen.


Wie nimmt man Kümmel als Arzneimittel ein?

Mayer: Man kann Kümmel bei Magenproblemen direkt kauen oder auch Tee aufbrühen. Dafür quetscht man im Mörser 1,5 Teelöffel Kümmelfrüchte leicht an, um das Öl freizusetzen. Die Früchte werden anschließend mit heißem Wasser übergossen. Dann sollte der Tee fünf Minuten ziehen – und zwar abgedeckt, denn ätherische Öle zeichnen sich vor allem durch ihre Flüchtigkeit aus. Deshalb sollte man den Tee nach dem Ziehen auch gleich trinken. Beim Reizdarmsyndrom muss man Kümmelöl konzentrierter zu sich nehmen, dafür gibt es magensaftresistente Kapseln, so dass das Öl erst direkt im Darm freigesetzt wird.        

Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Dr. Johannes Gottfried Mayer zeigt ein Bild des Echten Kümmels.



Foto: Michaela Schneider