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Mörder, Halunken und die schöne Helena
  Verbrechen verkauften sich schon in den Medien des Mittelalters gut – Universitätsbibliothek
Würzburg gewährt Einblicke in alte Handschriften sowie Propagandaliteratur des 20. Jahrhunderts


Von Michaela Schneider

Würzburg Mord, Totschlag und Verbrechen verkaufen sich nicht erst heute gut. Das zeigt ein Blick in die historischen Sonderbestände der Universitätsbibliothek in Würzburg. Beispiel Frieschronik. Diese gilt als eine der wichtigsten Quellen für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte der Stadt und des Hochstifts Würzburg. In den Sonderbeständen liegen gleich zwei illuminierte Abschriften des 16. Jahrhunderts. „60 bis 70 Prozent drehen sich in der Chronik um Krieg, Gewalt, Mord und Verbrechen“, sagt Dr. Hans-Günter Schmidt, Leiter der Abteilung Handschriften und alte Drucke. Und um Gewalt geht es zum Beispiel auch im „Trojanerkrieg“ des Konrad von Würzburg. Der Lyriker des Hochmittelalters allerdings ergänzte jede Menge Mord und Totschlag noch um den populären Aspekt der Liebe zwischen Paris und Helena. „Sex sells“,sagt man heute.


Zunächst ein Blick auf einen Mord im Jahr 1204. Die Herren von Ravensburg ermorden Bischof Konrad von Querfurt auf dessen Weg zum Dom. Auslöser: Territorialstreitigkeiten. Die Verbrecher gehen dabei alles andere als zimperlich vor, wie eine Illustration in der Frieschronik zeigt. Ehe die Mörder zum tödlichen Stoß ausholen, schlagen sie dem Kirchenmann die linke Hand ab. Die nämlich hatte er einst zum Lehenseid gehoben. Spannend ist im Folgenden laut Hans-Günter Schmidt vor allem, wie es mit den Verbrechern weitergeht: Die Reichsacht wird verhängt und in aller Öffentlichkeit ein großes Strafgericht abgehalten. Ein zweites Bild zeigt die Herren von Ravensburg bis auf die Unterhosen entkleidet vor dem Dom. In den Händen halten sie Ruten und Fackeln, wohl als Symbole für die optionalen Strafen Prügeln und Verbrennen. Doch nichts dergleichen geschieht, denn: Nach der öffentlichen Demütigung und politischen Verhandlungen ist die Schuld der adeligen Herren gesühnt. „Sühne hatte damals weniger mit innerlicher Reue zu tun, sondern war ein sozialer Akt in der Gesellschaft“, verdeutlicht Schmidt. Schränkt jedoch ein: „Natürlich nur, wenn es um Adelige ging. Ein bischofmordender Bauer wäre zweifelsohne getötet worden.“


Ein zweites Beispiel aus der Frieschronik: Ein Bischofsgünstling namens Hase bespitzelt im Auftrag Johannes II. von Grumbach den Würzburger Stadtrat. Zwischenzeitlich fliegt er auf. Als der Bischof 1466 stirbt, zerren Stadträte den einstigen Günstling auf die alte Mainbrücke und ertränken ihn im Fluss.. Und auch ein Jahrhundert zuvor genügte Geld, um das eigene Hemd rein zu waschen. Wir schreiben das Jahr 1349, in Deutschland wütet die Pest. Die Bürger suchen einen Sündenbock. Dies führt – wie andernorts auch - zu grauenhaften Morden an Würzburgs Juden. Der Bischof ist erbost, und zwar vor allem, weil damit eine wichtige Geldquelle versiegt, denn die Juden wurden hoch besteuert. Er erhält den verlassenen Besitz der ermordeten Juden, auf den Fundamenten der Synagoge. Mit Stiftungen der Bürger wird die Marienkapelle am Würzburger Markplatz errichtet.


Wie ein Krimi liest sich auch ein Verbrechen im Jahr 1413. Würzburg erster Universitätsdirektor Johannes Zantfurth wird aus bis heute ungeklärter Ursache von seinem eigenen Diener erstochen. Auf einer Illustration sieht man, wie parallel zum Mord Studenten entsetzt flüchten, denn: In der Frieschronik wird mit dem Verbrechen das Ende der ersten Universität in Verbindung gebracht. Das stimme so nicht ganz, Geldmangel dürfte eine größere Rolle gespielt haben, sagt Hans-Günter Schmidt. Aber: Tatsächlich ist nach Zantfurths Tod kein neuer Universitätsrektor mehr belegt – ob aus Furcht oder finanziellen Gründen, sei dahin gestellt.


Mit einer weiteren Handschrift rund ums Thema Gewalt und Verbrechen hat sich Bibliotheksmitarbeiterin Kerstin Kornhoff beschäftigt. Jetzt allerdings kommt noch die Liebe hinzu. Die Rede ist vom „Trojanerkrieg“ des Lyrikers Konrad von Würzburg. Zwar geht es darin um die antiken Ereignisse rund um Troja, die schöne Helena und Paris. Transportiert wurde die Handlung aber ins 15. Jahrhundert. Helena trägt auf den großformatigen Illustrationen höfische Kleider, statt antiker Helden kämpfen Ritter in mittelalterlichen Rüstungen. Zu jener Zeit wurden Handschriften bereits für den vielfachen Verkauf gefertigt. Und so ist die Handschrift nicht nur reich bebildert, sondern auch inhaltlich den Bedürfnissen der Masse angepasst. Anschaulich und ausufernd wird Helena als schönste Frau der Antike beschrieben. Liebe und Eifersucht, Verbrechen und Mord zogen schon damals.


Geschrieben wird, was entweder die Machthaber oder aber das Gros der Masse lesen wollen. Dafür unternimmt Hans-Günter Schmidt auch noch einen Abstecher in die Zeit des ersten Weltkriegs. „In den Medien damals steckte schon viel vom dem Gift, das die Nationalsozialisten später ausschlachteten“, sagt er. Als Propagandabeispiel zieht er die Schlacht bei Flers-Courcelette und Geschichtsbücher aus der Zeit der Weimarer Republik heran. Eingesetzt war bei Flers auch das 9. Würzburger Infanterieregiment. Es verliert über 1500 Mann, etliche Soldaten geraten in Kriegsgefangenschaft. „Geschildert aber wird die Schlacht wie ein Bubenabteuer“, sagt Schmidt. Ästhetisierte Bilder ähneln eher einem Silvesterfeuerwerk als einer Kriegsschlacht.  


„Die Frage war und bleibt: Gibt es Objektivität in der Geschichtsschreibung?“, stellt Kornhoff in den Raum. Diese sei letztlich immer geprägt von der Sichtweise dessen, der sie wiedergibt. Das war schon im Mittelalter so. Und auch der Irak-Krieg im Jahr 2003 wurde, wie man heute weiß, medial inszeniert.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Einblicke in den Trojanerkrieg des Konrad von Würzburg und zwei Ausgaben der Frieschronik in der Universitätsbibliothek

Fotos: Michaela Schneider


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