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„Auf einmal verändert sich alles“
 Weltkrebstag  Eine Psychoonkologin spricht über das Gefühlschaos, dem Patienten
nach der lebensbedrohlichen Diagnose ausgesetzt sind und stellt die Angebote der Krebsberatungsstelle vor


Von Michaela Schneider

Würzburg Jeder dritte Mensch in Europa ist einmal im Laufe seines Lebens mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Damit verändert sich von einer Sekunde auf die andere alles.  Am 4. Februar ist Weltkrebstag. Ins Leben gerufen wurde er federführend von der „Union international contre le cancer“, um Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Ein Interview zum Weltkrebstag mit Evelyn Flohr-Schmitt, Psychoonkologin bei der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Würzburg der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V.. Deren Einzugsgebiet erstreckt sich über ganz Unterfranken. Die Expertin erzählt vom Gefühlschaos, dem Krebspatienten  vielfach ausgeliefert sind und von den Angeboten der Krebsberatungsstelle.


Sie sind Psychoonkologin. Was genau ist das eigentlich?

Evelyn Flohr-Schmitt: Die Psychoonkologie befasst sich mit den psychischen, sozialen und seelisch-spirituellen Aspekten einer Krebserkrankung. Psychoonkologen unterstützen Patienten bei der Krankheitsverarbeitung und der Anpassung an die neue Lebenssituation. Zudem bin ich Diplom-Sozialpädagogin und Familientherapeutin.


Was geht in einem Menschen vor, wenn ein Arzt Krebs diagnostiziert?

Flohr-Schmitt: Zunächst einmal ist er meistens einer emotionale Überflutung und einem Gefühlschaos ausgesetzt. Auf einmal verändert sich alles. Krebs ist eine lebensbedrohliche Diagnose, auch wenn viele Krebsarten heute heilbar sind. Die Bedrohung, das Leben könne bald beendet sein, löst vielfach blanke Hilflosigkeit aus. Hinzu kommt die Ungewissheit, in welcher Form sich das Leben verändern wird. Was bedeutet die Krankheit für die Familie? Kann ich später wieder in meinem alten Beruf arbeiten? Die Angst nagt zudem, einem medizinischen System und Terminkalender voller Operationen, Chemos und Untersuchungen ausgeliefert zu sein und selbst nicht mehr planen zu können. Wie stark, wird in Zukunft die Lebensqualität eingeschränkt sein? Und auch später, wenn Patienten medizinisch geheilt sind, bleibt die Angst vor Rezidiven und Metastasen. Nachsorgeuntersuchungen werden oft schon Wochen vorher zur reinsten Tortur.


Wie kann die Krebsberatungsstelle dabei unterstützen?

Flohr-Schmitt: Wir bieten psychosoziale Beratungsgespräche für Patienten und Angehörige an, diese verlaufen sehr individuell. Dabei schauen wir: Wo es holpert, was den Patienten und ihren Familien besonders wichtig ist und wie sich diese subjektiven Ideen umsetzen lassen. Auch erarbeiten wir zum Beispiel mit Blick auf die Nachsorge gemeinsam Angstbewältigungsstrategien. Wann Patienten oder Angehörige Kontakt mit uns aufnehmen, ist dabei ganz unterschiedlich. In manchen Fällen geschieht das gleich nach der Diagnose, andere Patienten kommen zu uns während der Chemotherapie bei starken Nebenwirkungen. Wieder andere suchen das Gespräch nach der Reha, wenn sie erkennen: Den Alltag in alter Form gibt es nicht mehr. Bei allem Leid kann die Krankheit auch Vorteile bringen, denn die Patienten haben während der Therapie die Zeit herauszufinden, was ihnen wirklich gut tut. Was kann ich, was will ich - und was will ich nicht mehr? Nein sagen lernen ist ein wichtiges Thema.


Welche Angebote kommen - über die Einzelgespräche hinaus – noch hinzu?

Flohr-Schmitt: Wir vermitteln in Selbsthilfegruppen und bieten angeleitete Veranstaltungen und Kurse an wie kunsttherapeutisches Malen, Entspannungstechniken, Musiktherapie oder Sport. Hinzu kommen Vorträge zum Beispiel zu ganzheitlichen Therapieformen oder rechtlichen Aspekten wie der Patientenverfügung und auch medizinische Fragestunden.  Und: Wir bieten Präventionsberatung an. Diese wird vor allem vom Menschen genutzt, deren Familien in Sachen Krebs vorbelastet sind.    


Vielfach wirken Angehörige nach der Diagnose Krebs nach außen hin betroffener als die Patienten selbst. Wie erklären Sie das?

Flohr-Schmitt: Das ist eine natürliche traumatische Schutzreaktion. Die Patienten lassen die Emotion nicht an sich heran und stellen sich auf die Behandlung ein. Auch bleibt Ihnen zwischen Arztterminen und Untersuchungen zunächst einmal gar nicht so viel Zeit zum Nachdenken. Die Angehörigen indes haben diese Zeit, fühlen sich hilflos und meinen, Sie könnten nichts tun. Das stimmt aber so nicht ganz. Es kann zum Beispiel gut sein, den „Außenminister“ zu machen und Besuche zu regeln.


Sie bieten auch Paarberatung an. Was bedeutet die Diagnose Krebs für eine Partnerschaft?

Flohr-Schmitt: Oft schonen sich die Partner gegenseitig sehr. Hier hinterfragen wir zum Beispiel, ob das wirklich gut ist. Auch ist oft eine neue Rollenverteilung nötig, etwa, wenn sich der Mann plötzlich um Kinder und Haushalt kümmern muss. Hilfreich kann es zum Beispiel sein, sich andernorts Hilfe zu holen. Freunde könnten gelegentlich die Kinderbetreuung oder Einkaufsfahrten übernehmen.


Wie sollte man außerhalb des engen Freundeskreises mit der Diagnose Krebs umgehen?

Flohr-Schmitt: Das ist eine sehr individuelle Entscheidung. Patienten sollten für sich sortieren, mit wem sie über die Krankheit sprechen möchten. Viele denken, sie müssen das Rad neu erfinden. Oft ist es aber empfehlenswert, einfach zu schauen: Was hat bisher gut funktioniert und mit wem habe ich mich auch früher gut gefühlt? Sehr wichtig ist, klar zu sagen, was man will und braucht. Auf einen Patienten prasseln oft von außen etliche Empfehlungen ein, die schnell überfordern können.


Womit wir erneut beim Thema Selbstbestimmung wären. Wie sieht es denn in medizinischer Hinsicht aus: Kann ein Patient auch hier selbstbestimmt entscheiden?

Flohr-Schmitt: Natürlich klären Ärzte sehr deutlich auf über mögliche Folgen. Aber Patienten entscheiden zunehmend mit in einer Therapie. Ich beobachte: Vor allem Frauen wollen eine ärztliche Beratung auf Augenhöhe und als mündige Patienten wahrgenommen werden. Sie erwarten, dass Möglichkeiten und Nebenwirkungen benannt werden. Wichtig ist meiner Ansicht nach, sich selbst Zeit zu nehmen, ehe man eine Entscheidung trifft. Denn: Auf einen einzelnen Tag kommt es in den meisten Fällen nicht an.

Infokasten: Psychosoziale Krebsberatung in Unterfranken


Krebsberatung in Unterfranken: Das Einzugsgebiet der Psychosozialen Krebsberatungsstelle in Würzburg, Ludwigstraße 22/II, erstreckt sich über ganz Unterfranken. Terminvereinbarungen sowie telefonische Beratungsgespräche sind unter der Nummer 0931/280650 möglich.  Über die Internetseite www.bayerische-krebsgesellschaft.de gelangt man auch zum Webauftritt der Krebsberatungsstelle in Würzburg.


Vortrag: Am 12. Februar um 19 Uhr wird der Diplom-Psychologe Dr. Jürgen Stepien aus Scheidegg im Allgäu im Matthias-Ehrenfried-Haus Würzburg (Bahnhofstraße 4) einen Vortrag halten zum Thema „Rendezvous mit dem Leben – mit Achtsamkeit Krise und Krankheit begegnen“.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Marianne Schmitt (links)und Evelyn-Flohr-Schmitt betreuen als Psychoonkologinnen gemeinsam die Psychosoziale Krebsberatungsstelle Würzburg.


Foto: Michaela Schneider


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