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„Von allen Arzneien die Schmackhafteste“

Medizin und Genuss Altersmediziner geht der Frage nach, ob Frankenwein
tatsächlich Krankenwein ist – Er blickt in die Geschichte und stellt einige neue Studien vor

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg „Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist." Mit dieser Aussage brachte der Arzt und Alchimist Paracelsus bereits im 16. Jahrhundert auf den Punkt, was für den Würzburger Altersmediziner Dr. Michael Schwab mit Blick auf des Franken liebstes Getränk bis heute gilt.  Der 53-jährige Chefarzt des Geriatriezentrums am Würzburger Bürgerspital erläutert, was seiner Ansicht nach dran ist am geflügelten Wort „Frankenwein ist Krankenwein“.  Dafür blickt er in die Vergangenheit, aber auch auf den aktuellen Stand der Wissenschaft.

 

Zuerst einmal unternimmt er einen Exkurs in die Geschichte – blickt zurück bis zu Hippokrates von Kos, der schon um 460 vor Christus Wein nutzte, um Patienten in der Genesungsphase wieder zu kräftigen. Plinius der Ältere vermerkte, Wein sei „von allen Arzneien die Schmackhafteste“. Der Schriftsteller Abraham a Sancta Clara nannte im 17. Jahrhundert „Gesundheit, froher Mut und ein Glas edlen Wein“ in einem Atemzug, bezeichnete ihn aber „ohne Manier getrunken“ als Gift. Und auch kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe war gerade dem Frankenwein zugeneigt, in einem überlieferten Zitat schreibt er: „Sende mir noch einige Würzburger, denn kein anderer will mir schmecken und ich bin verdrießlich, wenn mir mein gewohnter Liebestrank abgeht.“ Im 19. Jahrhundert und sogar noch Anfang des 20. Jahrhunderts war es in mancher Region üblich, zum Beispiel in Baden-Württemberg, dass Ärzte Wein auf Rezept verschrieben. Die Rede war dann unter anderem von Blutwein, Stärkungswein oder Kraftwein.

 

Heute indes spalten sich die Meinungen mit Blick aufs Sprichwort „Frankenwein ist Krankenwein“, sagt Schwab – die einen freuten sich darüber, die anderen betrachteten es sehr kritisch. Gerade als Altersmediziner liegt Schwab jedoch an einer umfassenden Definition des medizinischen Begriffs, es gehe in der Medizin darum, „Menschen zu befähigen, wieder am Leben teilzunehmen“, betont er. Als Geriater im Speziellen sei ihm das „lebenswerte Leben“ seiner Patienten wichtig.

 

Und da spielten für ihn auch Lebensfreude hinein und das Erlauben von Genuss. Der Mediziner fügt aber gleich an: „Massenkonsum schließt Genuss aus.“ Die Rezeptoren an der Zunge seien auf Veränderung angelegt. Wird die Sensorik überreizt, ist kein echtes Geschmackserlebnis mehr möglich. „Bewusster Verzicht kann den Genuss anschließend noch steigern“, fügt Schwab an. Und noch einen Aspekt hebt er hervor: Genuss bedeute auch, selbst auszusuchen und zu entscheiden, was einem gut tut. „Über Geschmack kann man nicht streiten, so der Chefarzt. Damit ist er angekommen bei der Frage, ob – wie immer wieder behauptet – tatsächlich Rotwein gesünder als Weißwein sei. In beiden steckten sekundäre Pflanzenstoffe, im Rotwein wohl - Untersuchungen zufolge - mehr als im Weißwein, die Pflanzenstoffe im Weißwein wirken aber wohl effektiver. Die Farbe des Weins spielt keine Rolle, sagt Schwab, er relativiert auch: Sekundäre Pflanzenstoffe seien zwar gesundheitsfördernd, die Menge in einem Glas Wein aber sei so oder so sehr gering.  Das Credo des Altersmediziners: Jeder sollte genau den Wein trinken, der ihm persönlich bekommt und schmeckt. Auch ob’s nun ein Italiener, Franzose oder Franke ist, bleibt demnach ganz dem Genießer überlassen.

 

Was aber sagt nun die harte Wissenschaft zum Weingenuss? Ist Alkohol aus medizinischer Sicht pauschal schädlich? Anlass für Schwab, sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen war im Jahr 1999 ein Artikel im „New England Journal of Medicine“, zumal auch in seiner eigenen Familie Weinbau betrieben wird. Bis dahin war man in der modernen Wissenschaft weitestgehend ausgegangen, dass die negativen Effekte beim Weingenuss überwiegen. In einer Studie, die im Magazin vorgestellt wurde, war nun das Schlaganfallrisiko zweier Gruppen verglichen worden: Männer die Alkohol trinken und Männer, die keinen Alkohol genießen. Zur Überraschung der Fachwelt belegte die Studie: Alkoholgenuss in Maßen kann das Schlaganfallrisiko senken. Anschaulich erläutert Schwab den Grund: „Die menschlichen Gefäße freuen sich, wenn sie mit Alkohol durchgespült werden.“ Heißt aus medizinischer Sicht: Der HDL-Wert (High Density Lipoprotein) erhöht sich, dieser gilt als Schutz vor Arteriosklerose und koronarer Herzkrankheit. Der LDL-Wert (Low Density Lipoprotein) indes wird gesenkt, er ist für den Transport der „schlechten“  Cholesterine zuständig. Wein dient als Blutplättchenaggregationshemmer, das heißt, er hemmt die Zusammenballung der Blutblättchen zum Blutpfropf. Alkohol hat fibrinolytische Effekte, er kann also Blutgerinsel auflösen und er hat antioxidative, sprich entgiftende Eigenschaften.

 

In weiteren, neuen Studien stellten Wissenschaftler laut Schwab auch fest: Das Alzheimerrisiko könne durch geringe Mengen Alkohol gesenkt werden und auch aufs Immunsystem hätten sie einen positiven Effekt. „Ein hartes Kriterium für Ärzte ist immer die Sterblichkeit“, ergänzt Schwab – und auch hier könne sich Studienergebnissen zufolge Alkohol wohl positiv auswirken. Zudem gibt es mit Blick aufs Krebsrisiko inzwischen neue Erkenntnisse: Zwar erhöht sich das Risiko bei einem Trinker, an Krebs zu erkranken, aber: Auf ganz bestimmte Tumorarten wirkt sich Alkoholkonsum wohl – im Sinne des Menschen – wiederum positiv aus. So fand eine Forscherin in Stockholm heraus, dass das Risiko, an Nierenkrebs zu erkranken um 40 Prozent sinkt bei einem monatlichen Alkoholgenuss von 620 Gramm. Die Ergebnisse weiterer Untersuchungen: Vermutlich durch den Mineralgehalt wird das Osteoporose-Risiko gesenkt; indem er Entzündungen hemmt, wirkt sich Alkohol positiv aufs Rheumarisiko aus.

 

Und auch in Sachen Geselligkeit und Alkohol gibt es eine Studie: Untersucht wurde, inwieweit soziale Kontakte in Lebensübergängen erhalten bleiben – also zum Beispiel, wenn ein Mensch in Rente geht. Geselliger war demnach, wer ab und an etwas trinkt.

 

Allerdings betont Dr. Michael Schwab: Bei allen Studien gehe es um den Genuss geringer Mengen Alkohol. Empfehlungen lauteten zwar: zwei Schoppen am Tag. Schwab sagt aber: Gerade Frauen vertrügen häufig weniger, wer sicher gehen wolle, sollte sich – egal ob männlich oder weiblich - auf höchstens einen Schoppen am Tag beschränken, dieser genüge, um die positiven Effekte für sich zu nutzen. Und: Im Sinne der Askese sei es ab und an durchaus sinnvoll, ganz zu verzichten.

 

Ist Frankenwein nun tatsächlich Krankenwein? Schwab will weder bejahen noch verneinen. Wichtig sei zum einen die Menge Alkohol, denn, wie schon Paracelsus erkannte, mache die Dosis das Gift. Zum anderen sei immer die individuelle Situation ausschlaggebend: Der Arzt verweist zum Beispiel auf Medikamente, die sich nicht mit Alkohol vertragen; betont, Alkohol dürfe nicht als Problemlöser dienen; und ergänzt, dass es Personen gebe, die suchtgefährdeter seien als andere. „Wein ist ein Heilmittel. Das heißt auch, dass er in mancher Situation nicht geeignet ist“, so der Altersmediziner.

Der Artikel ist in „Gesundheit - Das Magazin“ erschienen

Was ist dran an der Aussagen Frankenwein ist Krankenwein? Dieser Frage geht der Altersmediziner Dr. Michael Schwab nach.

 

Foto: Michaela Schneider