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Von Michaela Schneider

 

Würzburg Mäntel, Hüte und Schuhe drapieren sich am Boden um ein dreidimensionales, gekipptes Eisenkreuz. Schwere Eisenträger erinnern an Bahngleise. Vergleichsbilder aus der nationalsozialistischen Vergangenheit drängen sich auf. „Bilder von Menschen, die ihre Kleider ablegen mussten, um Opfer zu werden“, umschreibt es Würzburgs Bau- und Kunstreferent Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen. Beim dem großflächigen Kunstwerk im Museum am Dom handelt es sich um eine Installation des in Italien lebenden griechischen Künstlers Jannis Kounellis. Insgesamt vier seiner Installationen sind bis zum 20. Januar 2013 in einer Sonderausstellung in Würzburg zu sehen.

 

Kounellis gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen griechischen Künstler und als Mitbegründer der italienischen Arte-Povera-Bewegung – zu Deutsch: arme Kunst. Ihre Ursprünge gehen zurück auf die 1960er Jahre. Damals reagierte eine Gruppe italienischer Künstler bei einer Gemeinschaftsausstellung in Genua auf die fortschreitende Technisierung. Statt Glanz und Chrom verwendeten sie Alltagsmaterialien wie zum Beispiel Steine und Erde. Bis heute zeigen die Werke der Arte Povera in der Regel räumliche Installationen aus alltäglichen Materialien.

 

Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen bezeichnet Kounellis beim Rundgang durch die Sonderausstellung im Museum am Dom als einen „Künstler, der für Weltkunst steht“, in nahezu allen großen Museen der Welt sei er mit seinen Werken präsent, auch stellte er mehrfach bei der Documenta in Kassel aus. Dabei sind seine Installationen gerade auch im öffentlichen Raum immer wieder auf Provokation ausgelegt, so etwa seine lebenden Pferde in der Galleria l’Attico in Rom oder ein haushoher Galgen neben dem Münster in Schwäbisch Gmünd.

 

Die Kounellis-Ausstellung in Würzburg fügt sich dabei in eine Serie zeitgenössischer italienischer Kunst im Museum am Dom ein. In dem Zusammenhang trat das Museumsteam direkt an den Künstler heran. Bei einer Ortsbesichtigung war dieser laut Lenssen vom kargen Ambiente der Räumlichkeiten derart angetan, dass er drei Installationen speziell für Würzburg in enger Beziehung zur Museumsarchitektur schuf.

 

Wie schon in früheren Kounellis-Werken spielt der Mantel auch in Würzburg eine zentrale Rolle. Für den Künstler steht er als Metapher für die Geschichte seines einstigen Trägers. Gläser, Säcke, Decken, Eisenträger, Kohle und Messer bilden weitere Materialien für die vier namenlosen Installationen. Mit der wiederkehrenden Kreuzform schlägt der Künstler den Bogen zum Ausstellungsort. „Auch unter dem Zeichen des Kreuzes wurden unzählige Menschen zu Opfern“, sagt Lenssen. Doch seien die Werke weniger Anklage als Klage. Kounellis zeichne in der Ausstellung ein Geschichtsbild von den Menschen her, die unter dem jeweiligen Machtanspruch leiden mussten, konkretisiert er. Eine der Installationen besteht aus einer Anhäufung von Kohlesäcken – auf den ersten Blick eine Idylle mit aus der Erde gewachsener Kohle, die den Menschen scheinbar Heimeligkeit schenkt. Doch das Leben kenne keine Idylle, interpretiert Lenssen – deshalb steckten in den einzelnen Säcken Messer.

 

Den Prozess der Installation begleitete gemeinsam mit Kurator Davide Sarchioni Michael Koller, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kunstreferat der Diözese Würzburg. Eine Woche war Jannis Kounellis selbst vor Ort, sieben Tage lang seien „die Dinge im Museum gewachsen“, erzählt Koller. Immer wieder sei der Künstler im Installationsprozess an ihn herangetreten mit den Worten „un`ultima domana“ – eine letzte Frage. Und Koller besorgte nach und nach schwere Stahlträger, Messer und mehr. Die Woche sei anstrengend gewesen, habe sich aber gelohnt. Am Ende des Installationsprozesses habe Kounellis selbst betont: Im Museum am Dom in Würzburg sei Dank der Räumlichkeiten eine seiner schönsten Ausstellungen überhaupt entstanden.

 

 

Von Menschen, die ihre Kleider ablegen mussten

Ausstellung Jannis Kounellis hat eigens fürs Museum am Dom in Würzburg Installationen
geschaffen – Mitbegründer der „Arte Povera“ gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler

 

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Mäntel, Hüte und Schuhe drapieren sich um ein dreidimensionales, gekipptes Eisenkreuz. Schwere Eisenträger erinnern an Bahngleise.

 

Fotos: Michaela Schneider

       

 

Die heimelige Idylle wärmender Kohle wird vom Messer zerstört.

Über die Ausstellung

 

Die Sonderausstellung „Jannis Kounellis im Museum am Dom“ in Würzburg ist bis zum 20. Januar 2013 jeweils von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr zu sehen. Führungen finden jeweils im 15 Uhr statt am 16. und 30. Dezember. An Heiligabend, dem ersten Weihnachtsfeiertag, Silvester und Neujahr ist das Museum am Dom geschlossen.

 

Zur Sonderausstellung ist ein Ausstellungskatalog erschienen: Koller, Michael und Lenssen, Jürgen (Hrsg.): Jannis Kounellis im Museum am Dom, 2012 Kunstreferat der Diözese Würzburg

Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.