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Die Krankheit wegschminken
In kostenlosen Kosmetikseminaren zeigen Expertinnen Krebspatientinnen, wie sie
Hautreizungen sowie fehlende  Augenbrauen und Wimpern kaschieren und sich wieder schön fühlen können


Von Michaela Schneider

Würzburg/Unterfranken „Die Haare rasiert sich auch manche gesunde Frau. Aber als mir die Wimpern ausfielen, sah ich krank aus“, sagt Gundula.  Anlass für sie, sich zu einem Kosmetikseminar für Krebspatientinnen anzumelden. Die Diagnose Krebs löst bei fast allen Menschen heftige Emotionen aus – von Schockempfinden über depressive Verstimmungen bis hin zur Todesangst. Hinzu kommen wie bei Gundula Ängste mit Blick auf drastische körperliche Veränderungen, denn: Auf der einen Seite bieten Chemo- und Strahlentherapie zwar die Chance auf Heilung, diese liegt heute bei mehr als 50 Prozent. Auf der anderen Seite drohen Haarausfall, der Verlust von Augenbrauen und Wimpern sowie Hautirritationen. Bundesweit organisiert die gemeinnützige Organisation DKMS LIFE deshalb kostenfreie Kosmetikseminare für Krebspatientinnen in Therapie. Seit einem Jahr gibt es das Angebot auch zentral im Krebsbehandlungs- und Krebsforschungszentrum  „Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken“ am Universitätsklinikum Würzburg. Ganz neu im Angebot sind in Würzburg zudem Kosmetikseminare für Jugendliche und junge Frauen bis 22 Jahre.


Das Kosmetikseminar leitet diesmal Andrea Mager. „Die Patientinnen wirken nach dem Kurs glücklich und sagen oft: Jetzt fühle ich mich wieder als Frau“, sagt sie. Motivation genug für die selbstständige Fachkosmetikerin, sich rundum ehrenamtlich im Rahmen des Programms „look good, feel better“ (zu Deutsch: „Gut aussehen, sich besser fühlen“) zu engagieren. Angeboten werden die kostenfreien Kurse mittlerweile in mehr als 250 Krankenhäusern, mehr als 100000 Krebspatientinnen haben bis dato daran teilgenommen. Nachweislich entwickeln bis zu 30 Prozent der Krebspatienten zusätzliche psychische Erkrankungen wie Ängste oder Depressionen.  Ziel der Seminare ist es daher, den Patientinnen mit Kosmetiktipps zu einer positiven Lebenseinstellung zu verhelfen. Zahlreiche Firmen aus der Kosmetikbranche unterstützen das Programm und stellen jeder Teilnehmerin eine Tasche mit hochwertigen Kosmetikprodukten zur Verfügung – vom reinigenden Gesichtswasser über Pflegeprodukte bis hin zu Lippenstift und Wimperntusche.


Anhand dieser Produkte erklärt Andrea Mager nun Stück für Stück die einzelnen Pflege- und Schminkschritte. Sie betont: „Es geht nicht darum, sich anzumalen, sondern sich wohl zu fühlen und wieder frisch auszusehen.“ Wie das geht, beschreibt sie zunächst, anschließend pflegen und schminken sich die zehn Kursteilnehmerinnen selbst. Wenn nötig, sind Andrea Mager und ihre Hospitantin Brigitte Roßhirt zur Stelle, beraten individuell, helfen bei den verschiedenen Handgriffen.  Denn während die einen Teilnehmerinnen sich täglich schminken und sehr sicher den Lidstrich ziehen oder die Wimpern tuschen, hat sich Teilnehmerin Hanna zuvor zum Beispiel noch nie geschminkt. Nach einer Gesichtsoperation ist ihr Mund leicht schief. „Ich habe daheim versucht, die Augen zu schminken, um vom Mund abzulenken. Aber ich wusste nicht wie“, erzählt sie.


Hanna ist kein Einzelfall – nicht selten kommen gerade ältere Patientinnen in dem Kosmetikseminar erstmals mit Make-up & Co. in Kontakt. Anfangs noch recht unsicher, greift Hanna bald schon recht zielsicher zu den Kosmetikprodukten. „Die Atmosphäre ist so angenehm, so freundschaftlich hier. Es ist toll, wie liebevoll sich die Kosmetikerinnen um jeden Einzelnen kümmern“, sagt sie. Zur entspannten Atmosphäre trägt auch bei, dass Blumen und Süßigkeiten, Kaffee und kalte Getränke auf dem Tisch stehen. Dazu Kärtchen mit den Vornamen der Patientinnen, diese duzen sich sofort. Bald schon geben sie sich gegenseitig Schminktipps, tauschen Make-up aus und Lippenstift, wenn die Farbe in der gespendeten Kosmetiktasche nicht zum Hautton passt. Und sie sprechen ganz offen über ihre persönlichen Erfahrungen mit Chemo- oder Strahlentherapie über Nebenwirkungen und über die Reaktionen der Umwelt, etwa, nachdem die ersten Haare ausfielen. Die meisten der zehn Patientinnen tragen eine Perücke, eine Teilnehmerin hat ein Tuch um den Kopf gebunden, eine andere hat sich für einen Kurzhaarschnitt entschieden, da die ersten Haare wieder nachwachsen.


Diese Gruppendynamik beobachtet Dr. Elisabeth Jentschke, Psychoonkologin im CCC Comprehensive Cancer Center Mainfranken, bei Kursangeboten wie den Kosmetikseminaren aber zum Beispiel auch in Selbsthilfegruppen. So falle es in einer Yogastunde für Krebserkrankte im geschützten Rahmen weitaus leichter als in der Öffentlichkeit, einmal die Perücke abzunehmen. Tatsächlich spielt die Angst vor körperlichen Veränderungen gerade auch in der Psychoonkologischen Betreuung eine  große Rolle. Da besteht etwa die Angst, die Umwelt könne die Krankheit sehen, noch ehe körperliche Veränderungen einsetzen oder der Partner werde sich zurückziehen. Jentschke erzählt von Frauen, die die eigene Brust nach einer Operation nicht mehr anfassen, nicht mehr in den Spiegel schauen können oder täglich beim Aufwachen weinen, wenn nachts wieder Haare ausgefallen sind und im Bett liegen. „Diese  Frauen müssen lernen, den eigenen Körper und sich selbst wieder anzunehmen“, sagt die Psychologin. In der Therapie werde hierüber gesprochen, aber zum Beispiel auch ganz praktisch geübt, eine Narbe anzufassen oder in den Spiegel zu schauen. Und auch die Kosmetikseminare hält Jentschke für einen wichtigen Beitrag. „Eine Patientin sagte mir nach dem vergangenen Kurs, sie habe dort erst  erfahren dass sie sich trotz Krankheit schminken und schön aussehen dürfe“, so die Psychoonkologin. Gerade hier spielt das Gruppenerlebnis eine zentrale Rolle.


Wie aber sehen die einzelnen Pflege- und Schminkschritte in der Praxis aus? Besonders wichtig ist vorneweg bei Krebspatientinnen zunächst einmal laut Mager die Gesichtsreinigung – am besten zunächst mit Reinigungsmilch, dann mit Gesichtswasser oder auch klarem Wasser. Denn: Werden Medikamente eingenommen, scheidet die Haut verstärkt Stoffwechselschlaken aus – diese werden bei der Reinigung neben Schmutzpartikeln oder auch Keimen entfernt.  Als nächstes folgt eine entsprechende Hauptpflege. Wichtiger noch als die Tagespflege selbst ist es laut Mager, darunter Sonnencreme aufzutragen – unbedingt mit Lichtschutzfaktor 50, so ihre Empfehlung. Denn: Sowohl durch Medikamente als auch durch die Chemotherapie ist die Haut extrem gestresst.  Die Pflegecreme im nächsten Schritt sollte auf empfindliche Haut abgestimmt sein und sorgt nicht nur für Feuchtigkeit, sondern erleichtert es auch, Make-up gleichmäßig aufzutragen.


Leiden Krebspatientinnen unter Hautirritationen, Hautverfärbungen oder auch Augenringen, können diese mit einem Concealer noch unter dem Make-up ausgeglichen werden. Sowohl bei solchen und ähnlichen Abdeckprodukten als auch im Folgenden beim Make-up empfiehlt Mager, einen helleren Ton zu wählen. „Die meisten Menschen wollen braun aussehen, aber dunkel lässt älter wirken“, erklärt die Fachkosmetikerin. Weiter empfiehlt sie Patientinnen mit geröteter Gesichtshaut ein Makeup mit Grünanteil. Transparentes Gesichtspuder fixiert und mattiert das Make-up – aufgetragen wird Puder von oben nach unten, sonst richten sich die Härchen im Gesicht auf.  Rouge verleiht – gerade wenn Patientinnen sehr blass sind, ein frischeres, gesünderes Aussehen. Aufgetragen wird es am besten mit einem Rougepinsel unterhalb der Wangenknochen vom Haaransatz weg Richtung Nase oder Kinn. Mit einem Augenkonturenstift können nicht nur die Augen betont, sondern auch fehlende Wimpern optisch ersetzt werden. Dafür werden am oberen Lidrand kleine Punkte aufgetragen. Auch lassen diese – zwischen den Wimpern platziert – selbige dichter aussehen. Zusätzlich sorgt farbiger Lidschatten und, falls noch Wimpern vorhanden sind, Wimperntusche für ausdrucksvolle Augen.  


Sehr wichtig für den Gesichtsausdruck ist der Verlauf der Augenbrauen. Fehlen diese, können Krebspatientinnen für eine schöne Form zu folgendem Hilfsmittel greifen:  Vom Nasenflügel weg wird gedanklich eine gerade Linie Richtung innerem Augenwinkel geführt und verlängert. Hier beginnt die Braue. Sie endet an der verlängerten Linie zwischen Nasenflügel und äußerem Augenwinkel. Die Braue sollte zwei Drittel ansteigen und ein Drittel abfallen. Sind die drei Basispunkte gesetzt, werden sie mit kleinen Strichen verbunden – und zwar innen etwas fülliger und nach außen fein auslaufend. Im letzten Schritt werden die Lippen betont. Mit Lippenkonturenstift können Unregelmäßigkeiten ausgeglichen und korrigiert werden – etwa auch nach einer Gesichtsoperation wie bei Patientin Hanna. Der Lippenstift sollte anschließend auf die Farbnuance des Rouges abgestimmt sein.


Am Ende des Kosmetikseminars im Comprehensive Cancer Center blicken die zehn Teilnehmerinnen in ihr Spiegelbild und begutachten sich gegenseitig. Ein Stück weit scheinen sie die Krankheit für den Moment vergessen zu haben. Selbst Hanna, die sich zuvor noch nie geschminkt hat, wirkt voller Tatendrang. Ob es nicht ein bisschen zu viel Farbe sei, will sie von ihrer Tischnachbarin wissen. Die verneint und Hanna strahlt. Ob sie sich alle Tipps merken konnte, nun, das wisse sie nicht. Aber das Schminken üben, will sie daheim auf jeden Fall.


Fachkosmetikerin Andrea Mager (hinten) und – hübsch geschminkt - eine Teilnehmerin des Kosmetikseminars.   


Foto: Michaela Schneider

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Kosmetikseminare für Krebspatientinnen in Unterfranken


Kostenlose Kosmetikseminare der Gesellschaft DKMS LIFE werden in Würzburg an der Missionsärztlichen Klinik sowie im Comprehensive Cancer Center Mainfranken auf dem Gelände des Universitätsklinikums angeboten. Auch in Aschaffenburg  finden sowohl am Klinikum als auch  im Schulungszentrum DRS Klausmann  Kosmetikseminare statt. Die Termine stehen im Internet unter http://www.dkms-life.de/programme-seminare/kosmetik-seminar/

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