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Von Michaela Schneider

 

Würzburg Eigentlich weiß man nicht viel  über jene Männer, die einem Stern folgten, um dem neu geborenen König der Juden zu huldigen. Waren es Sterndeuter, Weise – oder aber Könige von fernen Kontinenten? Warum ist heute die Rede von drei Männern? Und was hat es mit dem Stern auf sich, dem sie folgten? Nur im Matthäus-Evangelium werden die „Magoi“ im Neuen Testament erwähnt – und gaben von Anfang an jede Menge Rätsel auf. Wörtlich heißt es hier: „Als nun Jesus geboren war, zu Bethlehem im Lande Juda in den Tagen des Königs Herodes, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sagten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Aufgehen gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen.“

 

Einer der sich intensiv mit den mysteriösen Magiern aus der Bibel beschäftigt hat, ist der Würzburger Stadtführer Rudi Held. Wie schon in den Vorjahren wird er auch heuer wieder am 6. Januar eine spezielle Führung am Dreikönigstag anbieten. „Die Heiligen Drei Könige in Kunst und Tradition – ein Gang durch die Epochen“ ist sie betitelt. Im Museum am Dom in Würzburg, im Dom selbst sowie in Neumünster wird er anhand verschiedener alter und junger Kunsterwerke unter anderem der Frage nachgehen, warum sich die Weisen aus dem Morgenland im Laufe der Jahrhunderte in drei heilige Könige „verwandelten“.

 

Von „Magoi“ schreibt Matthäus, Rudi Held bezeichnet „Sterndeuter“ als die wohl treffendste Übersetzung. „Dabei geht es aber nicht um die Frage, ob die Weisen nun einer Supernova, einem Stern oder einer Jupiter-Saturn-Konjunktion folgten. Es geht um die Frage: Was ist das für ein Kind?“, sagt er. Der Stern war ein antikes Motiv, besondere Personen und Könige hatten ihren „eigenen“ Stern – und so signalisierte der neu aufgegangene Stern einen neuen König. Dennoch interessant: Der Astronom Johannes Kepler  entdeckte 1603 eine  Sternkonjunktion aus dem Jahr 7 vor Christus, sie sah seiner Ansicht nach aus wie ein Sternenschweif. Nachdem man heute davon ausgeht, dass nicht das Jahr 0, sondern das Jahr sieben vor Christus Jesu tatsächliches Geburtsjahr war, war damals vielleicht wirklich ein außergewöhnliches Himmelsphänomen zu sehen.

 

Die ersten Darstellungen – dies sind Fresken aus römischen Katakomben aus dem 3. Jahrhundert – zeigen Magier, deren Zahl variiert. Erst ab dem 4. Jahrhundert näheren sich gewöhnlich drei Weise Maria und dem Kind. Die Idee geht dabei zurück auf Origines (ca. 185 – 253/54 nach Christus). Aus den drei Geschenken Gold, Weihrauch und Myrrhe schloss er auf drei Männer. Sie waren zu jener Zeit allerdings noch namenslos. Erst nach 560 erscheinen auf einem Mosaikbild in Ravenna erstmals die Namen Balthasar, Melchior und Caspar.  

 

Dass im Laufe der Zeit aus den Weisen im Volksverständnis Könige wurden, liegt laut Held einerseits wohl an den Reichtümern, die die Männer dem Messias brachten. Diese, wie auch eine derart lange Reise, so die Annahme, konnten sich nur Könige leisten. Hinzu kommen verschiedene alttestamentarische Prophezeiungen, Held verweist unter anderem auf Psalm 72, hier heißt es: „… Könige von Taschisch und von den Inseln bringen Geschenke, Könige von Saba und Scheba kommen mit Gaben.“  Interessant ist: Gefestigt hat sich das Bild der Könige nur in der Westkirche, in der Ostkirche blieben sie meist Weise und Sterndeuter. Hier spielte laut Held die Politik mit hinein: Friedrich Barbarossa war es, der 1162 in Mailand einmarschierte und die Gebeine der „Magoi“ raubte. 1164 überbrachte er sie als Geschenk dem Erzbischof von Köln, Rainhald von Dassel. Heute befinden sie sich im Dreikönigsschrein hinter dem Hochaltar des Kölner Doms. Für Barbarossa war es im Machtstreit mit der Kirche eine Form der Legitimation, dass die ersten, die Christus erkannten und zu Christen wurden, Könige waren. Heilige gesprochen wurden sie übrigens offiziell nie.

 

Und noch in weiterer Hinsicht wandelte sich das Bild der Weisen aus dem Morgenland in der Kunst: Die Heiligen Drei Könige wurden nun vielfach als die drei Lebensalter typisiert, auch im Museum am Dom zeigt eine Skulpturengruppe aus Kitzingen aus dem 14. Jahrhundert einen alten Mann mit Glatze und einen mit Bart. Die dritte Figur ging laut Held verloren, aber es ist davon auszugehen, dass diese einen Jüngling darstellte. Häufig werden die drei Könige zudem den damals bekannten Erdteilen Afrika, Asien und Europa zugeordnet. Wohl unter dem Eindruck der Kreuzzüge wird ab dem 13. Jahrhundert einer der Könige als Maure, bzw. Mohr, dargestellt.

 

Schließlich noch einmal zurück zu einem interessanten Detail früherer Darstellungen. Hier tragen die „Magoi“ eine spitze, nach vorn geneigte Kopfbedeckung: die phrygische Mütze. Sie zeigte, dass die Weisen aus Kleinasien, das heißt aus dem Osten, stammten. Zwar lösten, als die Weisen zu Königen wurden, meist goldene Kopfbedeckungen die phrygische Mütze ab. Doch verschaffte ihr die frühe christliche Ikonographie derartige Bekanntheit, dass ihr später nicht nur die Jakobinermütze im aufrührerischen Frankreich des 18. Jahrhunderts und die Kasperlemütze im Puppentheater ähnelten. Sogar die Comic-Schlümpfe des 20. Jahrhunderts tragen letztlich nichts anderes als phrygische Mützen.

 

Wie die „Magoi“ zu drei heiligen Königen wurden

Religion Der Würzburger Stadtführer Rudi Held beschäftigt sich mit den Sterndeutern aus dem Morgenland in Kunst und Tradition

 


Forschungsverbund setzt sich mit den Ursachen und Folgen für Mensch und Natur auseinander

          

Einer der ziemlich viel über die Heiligen Drei Könige weiß, ist der Würzburger Stadtführer Rudi Held – hier im Museum am Dom mit Sandsteinskulpturen von 1380, die die Anbetung der Könige zeigen.

Foto: Michaela Schneider

Sternsingen ist ein recht junger Brauch, entstanden in der Nachkriegszeit. Im Bild ziehen Sternsinger in Würzburg zur Aussendung in den Dom.   

 

Foto: Michaela Schneider

Otto Dix fertigte seine „Anbetung der Könige“ im Jahr 1948 in Mischtechnik auf Baumwollstoff.

 

Fotos: Michaela Schneider

Der Artikel ist unter anderem in Main-Echo erschienen.

Führung am Dreikönigstag

 

Die Führung „Die Heiligen Drei Könige in Kunst und Tradition“ mit Rudi Held beginnt am 6. Januar um 15 Uhr und dauert etwa 90 Minuten. Treffpunkt ist das Museum am Dom. Im Museum, in Neumünster sowie im Würzburger Dom wird es dabei um alte und neue Kunst, Traditionen und Brauchtum, Biblisches und Lithurgisches rund um die Heiligen Drei Könige gehen.

Adolf Hölzels abstrakte Anbetungsszene mit den drei Königen stammt aus dem Jahr 1920.         

Foto: Michaela Schneider