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Elena  Ungeheuer, Begründerin des Ateliers Klangforschung an der Würzburger Universität.

 

Foto: Michaela Schneider

 

Dem Klang auf der Spur
Universität
Im Würzburger Atelier Klangforschung trifft Kunst auf Wissenschaft

 

Von Michaela Schneider

Würzburg „Klingt wie eine Flöte“: Wer früher Klang beschreiben wollte, griff am ehesten zum Vergleich.  Inzwischen hat sich das Musikdenken verändert, Musikforscher fragen: Warum klingt etwas wie eine Flöte? Und noch wichtiger: Wie eigentlich klingt eine Flöte? Was die Würzburger Professorin Elena Ungeheuer mit dem Flötenbeispiel klar machen will, ist: Früher war „Klang“ die vertraute Eigenschaft eines Musikinstruments – und wurde in der Regel nicht weiter hinterfragt. Dank neuer Möglichkeiten in der elektronischen Musik ist man jedoch inzwischen seit mehr als einem halben Jahrhundert dabei, Klang neu zu entdecken. Das ist die Basis für die Arbeit im Atelier Klangforschung am Institut für Musikforschung der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg.

 

Seine offizielle Eröffnung feiert die Einrichtung am Campus Hubland-Nord in der ersten Juliwoche. Schon seit Mitte Mai findet dort in einer ehemaligen amerikanischen Generalsvilla ganz geregelter Vorlesungs- und Seminarbetrieb statt. Forschungsprojekte werden über Drittmittel gefördert. Die generelle Idee hinter dem Atelier Klangforschung: Akademische Wissenschaft und Künstler treffen aufeinander. „Wir müssen mit Künstlern zusammenarbeiten, wenn wir die Musik der Gegenwart erforschen wollen“, betont die Atelierbegründerin Elena Ungeheuer.

 

Jedes Semester wird deshalb mindestens ein Künstler zur Forschungsresidenz nach Würzburg eingeladen, im Juli wird dies der Komponist Felix Leuschner sein. Den Künstlern stehen vor Ort modernste Technik wie zum Beispiel ein achtkanaliges Studio oder ein mobiles System kleiner Lautsprecher in verschiedenen Räumen zur Verfügung. Studenten und Wissenschaftler können Kunst und Arbeitsprozesse live miterleben, begleiten und erforschen. Komponisten sind eingeladen, gemeinsam mit den Wissenschaftlern Forschungsfragen zu erörtern. Das Veranstaltungsspektrum im Zuge der Künstlerresidenzen reicht von Hörexperimenten und Künstlerinstallationen über Diskussionsrunden, Workshops und „Klangspaziergänge“ bis hin zu öffentlichen Konzerten oder auch groß angelegten Forschungsprojekten.

 

Den Auftakt im Künstlerresidenz-Reigen machte übrigens Gerriet K. Sharma bereits im Vorjahr.  Er hatte die Räume in einem ehemaligen Offiziershaus auf ihre akustischen Eigenschaften hin unter anderem mit Kontaktmikrofonen erforscht, noch ehe das Atelier Klangforschung hier einzog. Das Resultat: eine eigene Komposition.

 

Mittlerweile fördert die Stadt Würzburg die vom Atelier Klangforschung eingeladenen Komponisten und betrachtet sie laut Ungeheuer als ihre Stadtkünstler. Der Gedanke der Zusammenarbeit: Inspiration für  Würzburgs Kulturszene durch neueste Entwicklungen im Bereich zeitgenössischen Komponierens. Die Professorin könnte sich die Bischofsstadt zudem sehr gut vorstellen als einen Vernetzungsort für Kirchenmusik und moderne Kompositionen.

 

Worum aber eigentlich geht es, wenn die Rede von der „Musik der Gegenwart“ ist? Der Beginn liegt laut der Musikwissenschaftlerin in den 1950er Jahren, damals entstand das erste elektronische Studio in Deutschland im Kölner Funkhaus. Jetzt eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten, Klang neu zu entdecken. Das Erstaunliche dabei ist laut Ungeheuer: Über Klang reden derzeit viele, von den Literaturwissenschaftlern bis hin zu den Sprachforscher. Musikwissenschaftler indes sind kaum dabei. Warum dies der Fall sei? Hier hat die Professorin einen anschaulichen Vergleich parat: Auch ein Bäcker rede in der Regel nicht übers Mehl, sondern backe Brot.  Musikwissenschaftler seien es nicht gewöhnt, über das Selbstverständliche zu reden. Aber: „Klang ist so trivial wie hochkomplex“, betont Ungeheuer. Und damit allemal einen eigenen Forschungsbereich wert.

 

Was aber eigentlich versteht der Musikwissenschaftler unter Klang? „Klang ist unglaublich vielseitig. Klang verändert sich mit der Zeit. Es ist schwierig, den Erscheinungsreichtum von Klang verbal zu fassen“, so die Professorin. Und auch anders herum, auf dem Weg von einer Klangidee bis hin zu einem hörbaren Ereignis, falle die Kommunikation schwer. „Verlangt ein Komponist vom Soundtechniker, mach mir einen blauen Klang, weiß der nicht wirklich, was zu tun ist “, verdeutlicht Ungeheuer.

 

Mehr und mehr werden Klangprozesse erforscht, denn: Mit Klängen wird gebaut, gestaltet und inszeniert - an einem bestimmten Ort oder im Rahmen bestimmter Zeitarchitekturen. Heutige Komponisten machen zunehmend Musik für spezielle Räume und erforschen, wie sich der Klang hier bewegt. So geschehen auch im vergangenen Jahr in der Residenz: Gerriet K. Sharma hatte mit Unterstützung des Ateliers Klangforschung ein Werk speziell für den Toscanasaal eingerichtet. Dieses ist übrigens als Teil einer Trilogie am 3. Juli während der Eröffnungswoche des Ateliers Klangforschung erneut im Toscanasaal zu hören.

Infokasten: Eröffnungswoche im Atelier Klangforschung

 

“Klangräume innen und außen” lautet das Thema der Festwoche vom 1. bis 7. Juli zur Eröffnung des Ateliers Klangforschung in der Villa 23 am Campus Hubland-Nord in Würzburg mit zahlreichen öffentlichen Konzerten, täglichen Klangspaziergängen, Workshops und Podiumsdiskussionen zu zeitgenössischer Musik. Zu Gast in der Künstlerresidenz: der mehrfach ausgezeichnete Komponist Felix Leuschner. Teil der Residenz ist ein kammermusikalisches Konzert mit seinen Werken unter dem Titel „Schattenmusik“. Eigens hierfür hat Felix Leuschner mehrere Stücke komponiert. Der Eintritt zu sämtlichen Veranstaltungen ist frei. Der  Festakt zur Eröffnung des Ateliers Klangforschung beginnt am 3. Juli um 11 Uhr.  Mit einer offenen Feier am 6. Juli ab 13 Uhr unter dem Motto “open house” in lockerer Atmosphäre endet die Festwoche am 6. Juli. Programmdetails im Internet unter www.musikwissenschaft.uni-wuerzburg.de/atelier_klangforschung

Der Artikel ist unter anderem im  Main-Echo erschienen.