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Dumpfe Gewalt und Fassungslosigkeit
Mainfranken Theater zeigt in der Sparte „Junges Theater“ unter der Regie von Philipp
Kugler die Dokumentation „Der Kick“ um den Mord am 16-jährigen Marinus Schöberl im Jahr 2002  


Von Michaela Schneider
Würzburg  „
Ich hatte solche Aggressionen, die mussten raus. Das hätte jeden treffen können“, sagt der 23-jährige Marco bei der Vernehmung.  Das Verbrechen im brandenburgischen Pozlow sorgt 2002 für fassungsloses Entsetzen in Deutschland. Mehrere Stunden lang quälen die Brüder Marco und Marcel (17 Jahre)sowie ihr Kumpan Sebastian (16 Jahre) Marinus Schöberl, richten ihn dann nach dem Vorbild des Bordsteinkicks aus dem Film "American History X" grausam hin und vergraben ihn in einer Jauchegrube. Erst Monate später wird die Leiche des 16-Jährigen gefunden.


Auf Basis von Gesprächsprotokollen und Vernehmungen dokumentieren die Autoren Andreas Veiel und Gesine Schmidt in einer Bühnenversion ein erschreckendes Szenario aus Ratlosigkeit und sinnloser Gewalt. Jetzt ist das Theaterstück „Der Kick“ in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters in der Sparte „Junges Theater“ in einer Inszenierung von Philipp Kugler zu sehen. Nach 75 verdichteten Minuten sind mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet, denn bewusst verzichten die Autoren auf Erklärungsversuche.


Kugler konzentriert sich auf eine sehr schlichte Inszenierung, die sich auf das Textmaterial konzentriert und keine Klischees bedient. Marianne Kittel und Alexander Hetterle schlüpfen in die Rollen der Täter, ihrer Eltern, der Dorfbewohner. Das Schauspielduo dokumentiert mehr als zu spielen, sorgt durch bewusste Konturlosigkeit für erschreckende Nähe zwischen Bühne und Publikum, denn: Was sich in Pozlow ereignete, hätte überall geschehen können. Auch vermitteln Kittel und Hetterle jene allseits prägende Fassungslosigkeit, die selbst die Täter anschließend empfinden. Später wird Marinus Schöberls Hinrichtung als rechtsradikale Gesinnungstat eingestuft. Doch beginnen die Ereignisse viel früher – Mobbing, Alkohol, Perspektivlosigkeit und gesellschaftliches Versagen sind im Spiel. Gewalt wird zur schleichenden Normalität, die Eskalation scheint eine reine Frage der Zeit. Erwachsene verschließen die Augen, „keiner wusste was, keiner weiß was“ redet sich der Vater von Marco und Marcel ein.


Es fließt auf der Kammerspiel-Bühne kein Blut, wird nicht geprügelt, bleibt weitgehend leise.  Das Bühnenbild von Anika Wieners beschränkt sich auf einen Verhörtisch, zwei Stühle, eine Lampe. Ebenso schlicht gehalten sind die Kostüme von Veronica-Silva Klug. Jeans und Alltagskleidung statt Springerstiefeln und Glatzen.  Auch Medien setzt Kugler sparsam ein: ein paar Projektionen etwa aus dem Grundgesetz, zwischen den einzelnen Gesprächsausschnitten dumpfes Herzklopfen, wenige Musikeinspielungen wie der sich in einen Hilferuf verwandelnde Beatles-Song „With a Little Help from My Friends“.


Theater darf schockieren. Was bei der Premiere jedoch vor allem nachhaltig für Entsetzen sorgt, ist, dass es sich bei „Der Kick“ eben nicht um Theaterfiktion, sondern reale Ereignisse und O-Ton-Aussagen handelt. Ein Theaterbesuch empfiehlt sich bei entsprechender Gewaltpräventionsarbeit im Unterricht vor allem auch für Schulklassen. Altersempfehlung des Mainfranken Theaters: ab 15 Jahre.


Dauer: 75 Minuten (ohne Pause); nächste Vorstellungen: 18  Uhr:  19.05./ 23.07.; 20 Uhr: 29.04./ 15.05./ 29.05./ 03.06./ 17.06./ 27.06

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Pädagogisches Angebot zum Thema Gewaltprävention


Das Mainfranken Theater kooperiert im Zuge des Theaterstücks „Der Kick“ mit dem Amt für Jugend und Familie des Landratsamtes Würzburg. Mit Stephan Junghans steht dem Mainfranken Theater hier ein Ansprechpartner für alle Belange im Bereich Gewaltprävention zur Verfügung. Wer möchte, kann direkt Kontakt zu ihm aufnehmen via Email unter s.junghans@lra-wuerzburg.de für Informationen und Hilfestellungen. Schulgruppen können außerdem Nachgespräche vereinbaren und das theaterpädagogische Material zum Theaterstück bestellen unter Telefon 0931/3908-223 oder per Email unter theater.paedagogik@stadt.wuerzburg.de