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Ordnung begegnet spielerischer Lebendigkeit
Konkrete Kunst Sonderausstellung „Norbert Thomas. Kein Zufall“  im Museum im Kulturspeicher in
Würzburg – Der Künstler arbeitet seit vier Jahrzehnten mit seinem System des „gelenkten Zufalls“


Michaela Schneider

Würzburg Arbeitet ein konkreter Künstler streng mit Symmetrien, Geometrien, Mathematik, so lassen sich seine Bilder nicht selten rasch ablesen. Nicht so bei Norbert Thomas. Der gebürtige Frankfurter kombiniert System mit Zufall, hat dafür ein eigenes Verfahren entwickelt. Dieses inspiriert ihn selbst noch nach vier Jahrzehnten zu immer neuen Ideen, zur neuen Gestaltung der Relation von Form und Farbe auf Leinwand, in Reliefs und Plastiken. Ordnung trifft auf spielerische Lebendigkeit – und spiegelt letztlich zwei wesentliche Bedürfnisse der Menschen. „Norbert Thomas. Kein Zufall“ ist eine Sonderausstellung im Museum im Kulturspeicher in Würzburg bis einschließlich 21. August betitelt.  Entstanden ist sie in Kooperation mit der Von der Heydt-Kunsthalle Wuppertal.

Als „ganz konkret und doch vielleicht anders“ beschreibt Kulturspeicherleiterin Dr. Marlene Lauter Norbert Thomas` Werk. Denn gegenständlich tätig war er nie, ging sein Künstlerleben lang der Frage nach: Was passiert auf einer Fläche ohne Abbild? Anders aber ist seine Herangehensweise. Denn um Bildstrukturen weder zu offensichtlich noch willkürlich anzuordnen, bedient es sich des „gelenkten Zufalls“. Dazu nutzt er Zahlenkärtchen, die er zufällig zieht. Den einzelnen Karten ist eine bestimmte Gestaltungsvorschrift zugeordnet. Das kann, je nachdem, mit welchem System der Künstler gerade arbeitet, zum Beispiel der Zufall als ein Parameter für den Winkel, die Dicke einer Linie, ihre Richtung, eine Farbe sein.  In anderen Werken geht es um die Drehung von Quadrateckpunkten oder die Addition von Strecken. Als Ausgangspunkt dienen immer wieder Quadratraster.


„Es entstehen unglaubliche Formen, die man so wohl nie denken, nie malen würde“, ist Thomas selbst nach wie vor fasziniert, bezeichnet nicht die Umsetzung der Werke sondern die Entwicklung seiner Systeme als den eigentlichen kreativen Akt. Eine Besonderheit und dem Künstler sehr wichtig: Sämtliche Bilder sind – anders als bei manchem anderen konkreten Künstler – in sich abgeschlossen, ließen sich nicht weiterzeichnen. Auch als Ausstellungsbesucher fasziniert letztlich nicht allein der ästhetische Akt der Kunstbetrachtung, sondern gerade auch die Logik hinter den Werken, konstruktive Geometrie lädt zum Nachvollziehen, zum Durchdenken ein.


Faszinierend sind vor allem jene Arbeiten, bei denen Thomas Systeme ins Dreidimensionale erweitert. Das kann eine Plastik sein, die vielleicht auf dem Boden steht, vielleicht aus der Wand erscheint, wieder in ihr verschwindet. Oder aber auch eine herkömmliche Leinwand, die dreigeteilt wird. Zwei Teile hängen weiterhin klassisch. Der Mittelteil wurde gedanklich mittig einmal gefaltet und hängt nun im rechten Winkel zu den beiden anderen Elementen.


Übrigens hat Thomas sowohl für die Ausstellung in Wuppertal, als auch für Würzburg jeweils ein eigenes Gemälde geschaffen. Anders, als seine meisten anderen Werke, sind diese nicht namenlos, sondern nach der der jeweiligen Stadt betitelt.  

Der Künstler Norbert Thomas erklärt, wie sich in seinem Werk System und Zufall begegnen.


Fotos: Michaela Schneider


Der Artikel ist unter anderem in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

Infokasten: Zur Person Norbert Thomas


Seinen künstlerischen Weg begann der 1947 in Frankfurt am Main geborene Künstler Norbert Thomas Ende der 1960er Jahre. Bis 1974 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste und Gesamthochschule Kassel. Zwischen 1987 und 1991 hatte er zudem eine Professur für Gestaltungslehre an der Fachhochschule Bielefeld inne, seit 1991 lehrt er an der Bergischen Universität Wuppertal. Norbert Thomas lebt und arbeitet heute in Essen, seine Werke waren in vier Jahrzehnten weltweit in Ausstellungen zu sehen.

Infokasten: Ausstellung „Norbert Thomas. Kein Zufall“


Die Ausstellung „Norbert Thomas. Kein Zufall“ kann bis zum 21. August während der Öffnungszeiten des Museums im Kulturspeicher besichtigt werden: Dienstag, 13 bis 18 Uhr, Mittwoch, 11 bis 18 Uhr, Donnerstag, 11 bis 19 Uhr, Freitag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr. Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung finden immer sonntags um 11.15 Uhr statt. Zur Ausstellung ist ein Katalog mit 164 Seiten und zahlreichen farbigen Abbildungen erschienen.