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Stadt der Masken

 

von Michaela Schneider

 

Masken, überall Masken. Rosa blätterte Seite für Seite ihres Fotobuchs um. Doch dabei registrierte sie die farbenfrohen Kostüme zwischen nebligen Kanälen kaum. Rosa sah auf den Bildern nur Francesco. Zwei Jahre war es her, dass sich die Studentin einen Kindheitstraum erfüllt hatte und während der Faschingstage nach Venedig gefahren war in die Stadt der Masken und der Verliebten.  Die junge Frau hatte sich ganz einfach von der Magie der Lagunenstadt treiben lassen  - von jener Mixtur aus Geschichte und Charme, Tradition und Faszination.

 

Bis Rosa Francesco getroffen hatte. Auf dem Markusplatz vor Venedigs ältestem Kaffeehaus stand der junge Mann aus Padua am Rosenmontag  in den Morgenstunden plötzlich neben ihr. Ob es nun Zufall, Fügung oder jener Zauber der Stadt der Liebenden war: Rosa und Francesco gingen die nächsten beiden Tage gemeinsam auf Entdeckungsreise in jener fantastischen Winterwelt aus Musik und Theater, Spielen und Magie. Die beiden trugen dabei keine Karnevalskostüme – und doch behielten sie ihre Masken auf und wagten es nicht, sich ihre junge Verliebtheit einzugestehen. Rosa in Hannover, Francesco in Padua – beide nicht der Typ für kurze Liebschaften oder lange Beziehungen über Landesgrenzen. Und so hatten sie sich verabschiedet mit einer innigen Umarmung und den vagen Worten: „Wenn es das Leben will, treffen wir uns wieder.“ So sei es besser, hatte die Vernunft zum Gefühl hinter der Maske gesagt.

 

Doch hatte die Studentin den jungen Mann aus Padua das Jahr über nicht vergessen können –jene Vertrautheit, die sie vom ersten Augenblick an bei ihm gespürt hatte. Sie hatte nach ihm gegoogelt, doch Francescos gab es viele und so blieben Rosa nur die schöne Erinnerung und eine leise Traurigkeit, wenn sie an ihren Karneval in Venedig zurückdachte.

 

Rosa war nicht der Typ fürs Spontane – und doch klappte sie plötzlich ihr Fotobuch zu, lief ins Schlafzimmer, warf ein paar Klamotten in den Rucksack, rief ein Taxi und stieg dann in den Zug. Zielbahnhof: Venedig. In den frühen Morgenstunden des Rosenmontags erreichte Rosa die Lagunenstadt und fuhr mit dem ersten Vaporetto in Richtung Zentrum.

 

Hier schlenderte sie nun durch geheime Gassen und Ecken und atmete die zauberhafte Atmosphäre der still erwachenden Stadt ein. Als Rosa den Markusplatz erreichte, hatten die ersten Cafés bereits geöffnet.  Am Caffè Florian blieb sie stehen und blickte sich suchend um. „Rosa, facciamo colazione! Lass uns Frühstücken gehen, Du hast bestimmt Hunger“, hörte sie plötzlich eine vertraute Stimme. Die junge Frau wirbelte herum und fiel Francesco in die Arme. Zärtlich flüsterte er: „Warum bist Du nicht schon letztes Jahr gekommen?“ Während ihr eine Träne über die Wange schlich, schwor sich Rosa, in Francescos Nähe nie wieder eine Maske zu tragen.

 

Die Kurzgeschichte ist im Liboriusblatt erschienen