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Professor Dr. Rainer Leng mit einer Nachbildung eines Siegels Karls des Großen.  

Foto: Michaela Schneider

Eine Domschule für Würzburg
Zum 1200. Todestag geht der Historiker Professor Dr. Rainer Leng der Frage nach, ob
Karl der Große Würzburg wirklich besuchte und  wie er das Bistum darüber hinaus beeinflusste


Von Michaela Schneider

Würzburg Er ging als „Vater Europas“ in die Geschichte ein: Karl der Große. Mit seiner Krönung im Jahr 800 nach Christus in Rom wurde das Kaisertum im Westen Europas neu begründet. Auch in Würzburg hinterließ der bedeutende Herrscher seinerzeit seine Spuren. Am 28. Januar jährt sich nun Karls Todestag zum 1200. Mal.


Sucht man nach Karl den Großen und Würzburg im Internet, liest man: „787/788: (…) Karl der Große besucht Würzburg.“ Doch ganz so einfach ist die Quellenlage nicht, stellt der Würzburger Historiker Dr. Rainer Leng, außerplanmäßiger Professor an der hiesigen Julius-Maximilians-Universität, klar. „Karl könnte in Würzburg gewesen sein“, relativiert er. Leng hat sich intensiv mit der Geistesgeschichte der Karolingerzeit beschäftigt. Auch ließ er einen Denar Karls des Großen in mittelalterlicher Technik aus Sterling-Silber nachbilden, um frühmittelalterliche  Geschichte im wahrsten Sinn des Wortes greifbar darzustellen.


„Die Würzburger Geschichtsschreibung ist schwach, es gab zu Karls Zeit noch keine Annalistik“, sagt der Historiker. Zwar existiert eine Urkunde, die scheinbar von Karl in Würzburg ausgestellt wurde, aber: Inzwischen hat die Forschung das Schriftstück als Fälschung enttarnt. Warum liest man dennoch, dass der König 787/788 Würzburg besuchte? „Historiker gehen davon aus, dass der besagten Urkunde ein Original zugrunde lag. Im gefälschten Schriftstück, so glaubt man, wurden lediglich einige Details verändert und beschönigt im Sinne des Bistums“, sagt Leng. Als zweiten Beleg für den Würzburgbesuch ziehen Historiker zudem gern die Fries-Chronik heran – jene bedeutende Bischofschronik, die der fränkische Geschichtsschreiber Lorenz Fries zu Beginn des 16. Jahrhunderts verfasste. „Hier wird der Eindruck erweckt, dass Karl sogar mehrfach Würzburg besuchte“, sagt Lenz. Das erstaunt nicht weiter, denn den Fürstbischöfen war daran gelegen, Würzburgs Bedeutung im Reich seit dessen Anfängen zu betonen.


Fakt also ist: Ob Karl Würzburg tatsächlich besucht hat, kann nicht sicher bewiesen werden – ist aber gut möglich. Denn fest steht laut Professor Leng, dass Würzburg für Karl den Großen geografisch von Bedeutung war. Das Bistum lag in einer Randzone des Reichs an der Schnittstelle zwischen Bayern und Sachsen. Beide Volksgruppen waren frisch ins Reich integriert worden. Vorausgegangen waren blutige Kriege und es brodelte nach wie vor. Umso mehr war dem Herrscher deshalb im Randgebiet an einem gut funktionierenden Bistum gelegen, denn: Karl setzte auf eine gemeinsame Religion als integrierendes Element im Vielvölkerstaat. Klein war das Bistum Würzburg seinerzeit übrigens nicht: Es reichte vom Rennsteig und der Fulda im Norden bis zur heutigen Oberpfalz im Osten, dem Ende des Spessarts im Westen und der Linie Lauffen-Ellwangen-Feuchtwangen-Roßtal im Süden.


790 war an mehrere Bistümer der Auftrag ergangen, bei der Missionierung der Sachsen zu helfen. „Dafür brauchte es gut ausgebildetes Personal, und hierfür wiederum war zunächst einmal Bildung nötig“, sagt Leng. So beauftragte Karl die Bistümer und Klöster im Reich, Schulen zu errichten. Tatsächlich fällt in die 790er Jahre auch die Gründung der Würzburger Domschule. „Man kann also die verwegene These aufstellen, dass Karl der Große den Grundstein für die Würzburger Schul- und Universitätstradition legte“, so Leng. Bekannt ist laut dem Historiker auch, dass im karolingischen Zeitalter zwei sächsische Adelige als Geiseln genommen und nach Würzburg zur Domschule geschickt wurden. Später kehrten sie als erste Bischöfe Paderborns zurück in die alte Heimat.


Schulgründungen und Bildung allerdings kosteten Geld. Und so erhielten die Bistümer entsprechende Gegenleistungen. Sowohl die in Teilen gefälschte Urkunde von 788 als auch ein Schriftstück von 807 drehen sich um entsprechende Schenkungen und Privilegien fürs Bistum Würzburg. In der Frieschronik ist zudem auf einem Bild zu sehen, wie Gesandte Karls des Großen die Festsetzung der hiesigen Gemarkung überwachen. „Urkunden waren nichts für die Schublade, sondern sicherten die Einnahmen der Mark Würzburg. Mit Festlegung der Mark war klar, dass innerhalb der Grenzen der Zehnt und weltliche Hoheitsrechte an Würzburg gingen“, erklärt Leng.


Dass die Bildungsreform im Bistum Würzburg rasch und besonders intensiv durchschlug, zeigt sich auch, weil innerhalb kurzer Zeit die Zahl der Handschriften drastisch anstieg: 42 Bücher sind im Katalog der Dombibliothek um das Jahr 800 verzeichnet. Ein halbes Jahrhundert vorher gab es nur eine Hand voll Werke.    

Und so steht fest:  Die Stadt am Main profitierte von Schenkungen, im Besonderen aber von der Bildungsreform des Herrschers. Und zwar ganz unabhängig davon, ob Karl der Große Würzburg im Jahr 788 besucht hat – oder nicht.

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Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Vorträge, Tagung und Kurs zu Karl dem Großen


Vortrag: Am 28. Januar, 19 Uhr, wird Professor Dr. Rainer Leng an der Volkshochschule Würzburg am 1200. Todestag Karls des Großen seiner Bedeutung für die Europäische Geschichte nachgehen. [Im Mai findet hier ein weiteres Seminar zu Karl dem Großen statt. Details und Anmeldung unter www.vhs-wuerzburg.info


Colloquium: Drei Tage lange werden sich vom 6. bis 8. Februar im Martin-von-Wagner-Museum und in der Würzburger Residenz Experten mit Karlsbildern in Kunst, Literatur und Wissenschaft beschäftigen.  Veranstalter des Colloquiums ist das „Kolleg „Mittelalter und frühe Neuzeit“ der Würzburger Universität in Kooperation mit dem Frankenbund. Der Eröffnungsvortrag am 6. Februar um 19.30 Uhr im Auditorium Maximum der Neuen Universität am Sanderring ist öffentlich. Johannes Fried, einer der renommiertesten Mittelalterhistoriker und ein ausgewiesener Experte für Karl den Großen, wird hier über die Aktualität Karls des Großen sprechen.


Online-Kurs: Im Sommer will Dr. Rainer Leng auf einer öffentlichen Plattform einen Online-Kurs zu Karl dem Großen starten. In zwölf bis 15 Einheiten können sich die Teilnehmer dann per Videosequenzen mit dem „Vater Europas“ beschäftigen. Details zum Projekt stehen noch nicht fest.