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Entlarvende Satire
Im Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim zeigt die Sonderausstellung „Wir sind
ein Witz!“ einen Teil der Ergebnisse des Wettbewerbs zum Deutschen Karikaturenpreis 2015  


Von Michaela Schneider
Würzburg
Ein Hitlerkopf, der im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Mund des Pegida-Anhängers spricht. Oder ein privatisiertes Griechenland, in dem sich das Orakel von Delfi ins Orakel von Sanifair verwandelt: Karikaturen können oft mit wenigen Strichen sehr deutliche Wahrheiten formulieren. Sie amüsieren, halten der Gesellschaft den Spiegel vor – und nicht selten bleibt dem Betrachter ob der entlarvenden Satire das Lachen im Hals stecken. Davon überzeugen können sich Besucher jetzt im Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim in der Sonderausstellung „Wir sind ein Witz!“. Zu sehen ist mit rund 180 Exponaten auf etwa 500 Quadratmetern ein Teil der Ergebnisse des Wettbewerbs zum Deutschen Karikaturenpreis 2015.


Ausgelobt wird er seit dem Jahr 2000 von der Sächsischen Zeitung und gilt als der bedeutendste seiner Art im deutschsprachigen Raum. Heuer hatten 218 Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz 976 Arbeiten eingereicht. Verliehen wurden die „Geflügelten Bleistifte“ in Gold, Silber und Bronze am vergangenen Sonntag. Die begleitende Ausstellung ist nun mit Dresden und Bad Mergentheim zeitgleich in Ost und West zu sehen – passend zum Wettbewerbsthema. Denn 25 Jahre nach der Deutschen Einheit wurden Karikaturisten aus dem deutschsprachigen Raum aufgefordert, zu beleuchten: Gibt es eigentlich einen (gesamt-)deutschen Humor? Worüber lachen wir – und warum lachen andere über uns? Den ersten Preis erhielt der in Lübbenau lebende Rainer Schwalme für seine Karikatur „Verfolgt“.  Auf dem zweiten Platz landete Miriam Wurster mit ihrer Karikatur „Orakel“. Der dritte Platz ging an Wolf-Rüdiger Marunde für sein Werk „Zweite Klasse“ mit arbeitslosen Motivationstrainern für Hartz-IV-Erntehelfer.   


Beim Gang durch die Ausstellung begegnet man dann Dauerthemen wie der deutschen Kinderarmut, dem Bürokratiewahn oder der Energiewende. Die Griechenlandkrise spiegelt sich wider oder auch die Frage nach Randgruppen wie „den Sinti und der Oma“. Die Karikaturisten nehmen sich Marotten der Deutschen vor wie den militanten Laubbläser im Herbst.  Mal ist die Kritik ganz offensichtlich, mal versteckter. Und fast ein Viertel der Arbeiten dreht sich um das Thema Flüchtlinge, um Rassismus, um eine immer absurdere Formen annehmende Deutschtümelei. So lässt sich auf einer Karikatur eine alte Dame lieber von einem Deutschen als vom Asylbewerber ausrauben. Und nicht nur das Themenspektrum ist groß, sondern auch die Arbeitsweise vom ganz reduzierten Strich bis zum aufwändigen Gemälde.


„Satire darf alles!“, proklamierte der Schriftsteller Kurt Tucholsky im Jahr 1919. Spätestens seit dem Anschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo steht allerdings die Frage im Raum: Darf Satire wirklich alles? Zumindest, wenn es um Mohammed-Karikaturen geht, scheiden sich die Geister mit Blick auf das selbst im Islam umstrittene Bilderverbot. Maike Trentin-Meyer, Leiterin des Deutschordensmuseums, hat sich entschieden, zumindest einen Mohamed zu zeigen, der Charlie Hebdo liest und sich amüsiert. Wie aber steht es denn nun um den deutschen Witz? Am vielleicht nachdenklichsten setzt sich Stephan Rürup mit dem Thema auseinander. „Wollt ihr den totalen Witz?“ lässt er nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo einen Mann in Anlehnung an Hitler der deutschen Spaßgesellschaft entgegen rufen.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Infokasten: Über die Sonderausstellung „Wir sind ein Witz! Deutscher Karikaturenpreis 2015“


Die Sonderausstellung „Wir sind ein Witz! Deutscher Karikaturenpreis 2015“ ist bis zum 28. Februar 2016 im Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim zu sehen. Zweiter Ausstellungsort ist Dresden, hier wird sie mit dem Haus der Presse und der Galerie Komische Meister auf zwei Örtlichkeiten gesplittet. Geöffnet ist das Deutschordensmuseum Dienstag bis Samstag von 14 bis 17 Uhr sowie an Sonntagen und Feiertagen von 10.30 bis 17 Uhr. Am 24., 25. und 31. Dezember ist geschlossen. Das Begleitprogramm zur Ausstellung umfasst Führungen, einen Power-Cartoonkurs, einen Kaffeeklatsch und einen Kleinkunstabend, Details unter www.deutschordensmuseum.de Zum Wettbewerb erschienen ist zudem ein 144-seitiger Ausstellungskatalog.