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Nele Neitzke arbeitet seit dieser Spielsaison als Theaterpädagogin am Mainfrankentheater.

 

Foto: Michaela Schneider

 

„Theater schauen muss man lernen“
Jugendarbeit
Theaterpädagogin des Mainfranken Theaters erzählt, wie man Schüler,
aber auch schon Kindergartenkinder ans Theater heranführt – Schultheatertage vom 17. bis 19. Juli

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Bei den Schultheatertagen wird die Kammerspiel-Bühne im Mainfranken Theater Würzburg den Schülern gehören. Fast 200 Buben und Mädchen unterfränkischer Grund- und Realschulen werden vom 17. bis 19. Juli auf der Profi-Bühne stehen. Doch sind die Schultheatertage, das jährliche Kindertheaterfest oder auch Kinderkuscheltierkonzerte ab drei Jahren nur Bausteine im theaterpädagogischen Angebot. Wir sprachen mit Nele Neitzke. Die 35-Jährige arbeitet seit dieser Spielzeit als Theaterpädagogin und Leiterin des Jungen Theaters am Mainfranken Theater. Zuvor war sie fünf Jahre lang als Theaterpädagogin, Schauspieldramaturgin und Regisseurin am Theater Ulm fest engagiert.

 

Warum ist Theaterpädagogik wichtig?

Nele Neitzke: Theater erklärt sich – anders als viele Filme und Serien im Fernsehen – nicht unbedingt von selbst. Theater schauen muss man lernen, und zwar möglichst früh, denn mit Mitte 20 ist die Lernphase vielleicht schon beendet. Die Aufgabe als Theaterpädagoge ist es deshalb, junge Menschen ans Theater – auch als ein kulturelles Ereignis – heranzuführen. Am besten nicht nur als Zuschauer. Deshalb ermöglichen wir bei den Schultheatertagen oder auch im Jugendclub, Theater am eigenen Leib zu erfahren. Zudem planen wir im Zuge des Projekts „Stadt der jungen Forscher“ eine Produktion für die Kammerspiele in Kooperation mit mehreren Schulen unter dem Motto „Von Natur aus Wissenschaft“.

 

Erzählen sie mehr vom Jugendclub…

Neitzke: Beim Jugendclub kann mitmachen, wer will. Wir entwickeln und erarbeiten die Spielzeit über ein eigenes Stück. Dieses wird dann in den Kammerspielen mehrmals aufgeführt. Das Angebot wollen wir übrigens in der nächsten Spielzeit erweitern. Geplant sind dann zwei Jugendclubs: einer zum Thema Schauspiel, einer zu Tanz und Bewegung.

 

In den Jugendclub kommen junge Menschen, die interessiert sind an Theater. Wie kommen Sie an andere Jugendliche ran?

Neitzke: Über die Schulen. Das geht mit günstigen Gruppenpreisen für Schulen los oder Theaterbeuteln mit Lektüre zu ausgewählten Inszenierungen. Trotzdem gibt es nach wie vor viel zu viele Schüler, die bis zum Abschluss kein einziges Mal im Theater waren - etwa ein Drittel fällt hinten durch.  Als eine meiner Hauptaufgaben betrachte ich es deshalb vor allem, den direkten Kontakt zwischen Schulen und Theater herzustellen.

Wie sieht dieser aus?

 

Neitzke: Lehrer können zum Beispiel jederzeit mit uns besprechen, welches Stück das geeignetste für die jeweilige Schulklasse ist. Im besten Fall werden wir dann in die Schule eingeladen und dürfen das ausgewählte Stück im Vorfeld selbst vorstellen. Denn tatsächlich wissen die meisten Leute recht wenig darüber, was in einem Theater passiert - eigentlich sind wir eine Stadt im Kleinen mit weit mehr Leuten als denen auf der Bühne. Davon erzählen wir jederzeit gerne, auch bei Theaterführungen. Im musikpädagogischen Bereich bieten meine Kollegen übrigens ebenfalls  schöne Kooperationen an: Musiker besuchen Schulklassen, sprechen über ihre Instrumente und den Beruf des Orchestermusikers, führen in Konzerte ein oder die Jugendlichen dürfen einmal bei einer Probe selbst im Orchestergraben sitzen.

 

Was sollte man bei Kinderstücken aus pädagogischer Sicht beachten?

Neitzke: Zunächst einmal: Die Kunst steht immer vorne – man sollte im Theater nicht alles dem Primat des Pädagogischen unterordnen. Natürlich gibt es trotzdem gewisse Regeln: Beim Weihnachtsmärchen ab fünf Jahren ist klar, dass keine Nackten über die Bühne laufen, auch sollte es nicht länger als rund 70 Minuten dauern, man muss auf die Wortwahl achten und sollte auch zu lange Dunkelszenen meiden. Das schöne bei Kinderstücken ist, dass man viel freier, kreativer, bunter und komischer sein darf. Heuer wird als Weihnachtsmärchen übrigens das Astrid-Lindgren-Märchen „Mio, mein Mio“ gespielt.

 

Und wie steht’s um das Jugendangebot im Spielplan?

Neitzke: Ein paar jugendtaugliche Stücke sollten im Programm immer dabei sein, diese laufen in unserem Almanach zur Spielsaison unter der Rubrik „Junges Theater“. Ich werde zum Beispiel „Nibelungen  Short Cuts“ inszenieren und damit ein Drei-Stunden-Werk auf 70 Minuten reduzieren.  Ich hoffe, dass die Lehrer vorher sagen: „He toll, da gehen wir rein.“ Und die Schüler bestenfalls danach sagen: „Cool war’s!“ Letztendlich glaube ich aber: Es gibt gar keinen  so großen  Unterschied zwischen Stücken für Jugendliche und für Erwachsene.

 

Was funktioniert bei Jugendlichen am besten: Schauspiel, Musiktheater oder Ballett?

Neitzke: Schauspiel kommt wohl der gewohnten Umwelt am nächsten, dadurch dass es über Sprache und nicht über übertriebene Körperlichkeit funktioniert. Aber auch Tanztheater klappt gerade bei Kindern oft wahnsinnig gut, gerade weil man nicht auf die sprachliche Ebene fürs Verständnis angewiesen ist, Tanz ist universal. Viele neue Kindertheaterentwicklungen kommen deshalb aus dem Tanz heraus. Musicals sind ebenfalls beliebt – in Opern indes ist das Publikum zugegeben älter.  

 

Bevor Eltern mit ihren Kindern ins Theater gehen: Braucht es eine Vorbereitung?

Neitzke: Mit Blick auf die Stücke selbst meiner Ansicht nach nicht. Wenn Kinder- und Jugendtheater nicht für sich selbst steht, taugt es nicht. Sind Kinder sensibel, kann es aber sinnvoll sein, vorab klar zu machen, dass auf der Bühne echte Menschen stehen. Das kann auf kleine Theaterbesucher unter Umständen beim ersten Mal bedrohlich wirken. Wichtig ist meiner Meinung nach aber vor allem eine entsprechende Vorbereitung von Schulklassen über den Raum und die Funktionsweise von Theater.

 

Was genau meinen Sie damit?

Neitzke: Einige Schüler haben gar keinen Bezug zum Theater. Hier sollte man klar machen, dass Theater nicht Kino ist und die Schauspieler alles mitbekommen. Handys sind auszuschalten und Popcorn essen ist nicht drin. Wir verteilen Schulklassen gern im Publikum, so dass sich die Jungs und Mädels nicht unnötig gegenseitig hochschaukeln. Das wirkt sich übrigens auch positiv auf erfahrene Theaterbesucher aus: Schüler sind häufig viel direkter, zum Beispiel wenn’s ums Lachen geht, das überträgt sich auf die Leute rundherum. Aber zurück zu den „Regeln“: Wir haben einen kleinen „Theaterknigge“ geschrieben, den wir den Schulen mit den Eintrittskarten schicken. Da steht nicht nur drin, dass man keine Fotos und Videos machen darf und vorher noch mal auf die Toilette gehen sollte. Wir weisen auch darauf hin, dass die Kleiderordnung im Theater längst nicht mehr so streng ist wie früher. Niemand braucht sich in ein Etuikleid oder einen Anzug zu zwängen, wenn er sich darin nicht wohl fühlt.

Der Artikel ist unter anderem im  Main-Echo erschienen.

Infokasten: Schultheatertage im Mainfrankentheater

 

Acht Grundschulen und zwei Realschulen aus Unterfranken werden vom 17. bis 19. Juli in den Kammerspielen des Mainfrankentheaters in Würzburg Stücke präsentieren, die sie während der Schulzeit geprobt haben. Zudem lernen sie bei Führungen das Theater kennen und Theaterprofis bieten Workshops an. Karten zu den einzelnen Theatervorstellungen gibt es direkt bei Nele Neitzke unter Telefon 0931/3908-223. Details zu den zehn Vorführungen im Internet unter www.theaterwuerzburg.de in der Rubrik „Junges Theater/Schultheatertage“.