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Atrium wird zum Kriegsschauplatz
Uraufführung Bewegende Bühnenfassung der Ernst-Jünger-Novelle „Sturm“ am Mainfranken Theater


Von Michaela Schneider

Würzburg Nebel zieht auf, Vögel kreischen. Man hört schweren Atem und überlautes Herzklopfen. Fähnrich Sturm streift mit Zigarette und Gewehr durchs Gebüsch. Ein Schuss fällt. „Ich habe eben wieder einen umgelegt“, sagt der junge Offizier mit abgestumpfter Distanz. Am Würzburger Mainfranken Theater ist jetzt Ernst Jüngers Kriegsnovelle „Sturm“ zum ersten Mal überhaupt als Bühnenfassung zu sehen. Für Inszenierung und Regie zeichnet Theaterintendant Hermann Schneider verantwortlich. In seiner sehr bewegenden Version geht es -  anders als in der literarischen Vorlage - nicht um drei, sondern nur um einen Offizier; vielleicht um den letzten Kriegsüberlebenden, herausragend besetzt mit den jungen Ensemblemitglied Sven Mattke.  Anhaltender Applaus für eine gnadenlos tiefgehende Uraufführung, die im Publikum niemanden kalt ließ.


Ernst Jüngers Novelle zählt zu seinen frühen Erzählungen, in denen er die persönlichen Erlebnisse als Frontkämpfer im ersten Weltkrieg literarisch verarbeitet.  Sie gibt dezidierte Einblicke ins Denken der Frontgeneration – also jener jungen Menschen, die die Sehnsucht nach Extremem und Neuem ins Kriegsabenteuer strömen ließ. Und die statt eines schnell gewonnenen Blitzkriegs mit vier traumatischen Jahren im Schützengraben und einem grauenvollen, bis dato unbekannten Massensterben konfrontiert wurden. Wie Schüsse knallt Sturm in der Bühnenfassung die Worte hin. Bewegung, Verteidigung, Isolation. „Im Grunde erlebt jeder seinen eigenen Krieg“, sagt er. Doch Sturm hat in den Schützengraben auch sein Bildungsgut und damit eine andere, ferne Welt mitgenommen. Er liest aus eigenen literarischen Schriften - seine Art, die ständige Todesdrohung, das Gespenst, für Momente auszublenden.


Sven Mattke spielt großartig, zeichnet das Bild eines jungen Mannes – mal abgestumpft kalt, dann zweifelnd, ums blanke Überleben kämpfend, an den Kriegsgräueln zerbrechend. Mal der gebildete Literat, mal der Kamerad oder knallharte Kämpfer. Da ist es nur das i-Tüpfelchen, dass er sich am Ende entkleidet und in den eiskalten Teich steigt.


Gnadenlos realistisch  kommt das Geschehen vor allem auch wegen des Aufführungsorts rüber: Das Ein-Mann-Stück spielt im Atrium des Mainfranken Theaters – jenem gläsernen Kasten im Eingangsbereich, der den Sommer über idyllisch von einer Entenfamilie bewohnt wird. Nun wurde, zwischen echten Büschen, Farn, See und Gräsern ein Schützengraben ausgehoben, ein Zelt aufgestellt und ein unglaublich realistischer Kriegsschauplatz mit Waffen, Uniformen und Tornistern geschaffen.  Sven Mattke streift als Fähnrich Sturm nicht über eine Bühne, sondern durch echte Natur. Noch mehr Herausforderung dürfte auf den 34-Jährigen bei Regenwetter zukommen: Dann nämlich wird sich der Kriegsschauplatz in ein Schlammloch verwandeln, denn das Atrium ist nur zur Hälfte überdacht.


Während durch den Glaskasten anfangs Distanz zwischen Spielstätte und Publikum besteht, verschwimmt diese im Laufe des Stücks: Dokumentarische Schwarzweiß-Aufnahmen des ersten Weltkriegs flimmern lebensgroß nicht nur auf der Glaswand, sondern wie drohende Jagdflieger über den Köpfen der Zuschauer. Explosionen und das Rattern der Maschinengewehre lassen Stühle und Sofas erzittern.


Mit der Kombination aus dem sensiblen Porträt eines Frontkämpfers und der extremen Publikumsnähe gelingt Intendant und Regisseur Hermann Schneidermit der Uraufführung im Gedenkjahr ein sehr intensiver, tief gehender Blick auf den Ersten Weltkrieg. Unberührt lässt „Sturm“ im Publikum vermutlich niemanden.


Dauer: 70 Minuten (ohne Pause); nächste Vorstellungen: 20 Uhr:  03.11./ 09.11./ 16.11./ 24.11.; 21 Uhr:  19.10./ 26.10.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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