Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Magische Luftballons und getanzte ägyptische Tempelbilder  
Mainfranken Theater Würzburg präsentiert dem Publikum an einem Ballett-Doppelabend
die Uraufführung „Lascia che accada“ und die „Josephs-Legende“ zur Musik von Richard Strauss


Von Michaela Schneider

Würzburg Wie Statuen sitzen Potiphar und seine Frau auf ihren riesigen Thronsesseln.  Sie scheinen eins zu sein mit dem Stein, selbst ihre Körper haben dessen bläuliche Farbe angenommen. Dann taucht Joseph am Hof des Pharao auf – von göttlicher Kraft durchströmt und fast schon aufdringlich lebendig zwischen den starren Strukturen.  Die „Josephslegende“ zur Musik von Richard Strauss feierte jetzt zum 150. Geburtstag des Komponisten am Mainfranken Theater in Würzburg Premiere.  Ballettdirektorin Anna Vita hat dem einstmals sehr opulenten Werk eine moderne,  gerade im Minimalismus ausdrucksstarke frische Hülle verpasst, denn: Sie verzichtet bewusst auf luxuriösen Rausch und das große Ensemble.  Zudem im ersten Part des Ballett-Doppelabends in Uraufführung zu sehen:  Die Choreografie „Lascia che accada“ – zu deutsch „Lass es geschehen“ - von Roberto Scafati, Ballettdirektor am Ulmer Theater.  


Ja, man kann es einfach geschehen lassen und die mal schönen, mal mystischen, durchgängig poetischen Bilder und Eindrücke der Uraufführung einfach auf sich wirken lassen. Oder aber man besucht vorab die Stückeinführung; Dann erfährt man von den Problemen des menschlichen Alltags, die Scafati thematisiert. Man begegnet im Anschluss auf der Bühne einer Problemsammlerin; einer, die nicht loslassen will; und einem, der zwar loslassen will, aber es zunächst nicht schafft.

Doch auch ohne den Handlungsrahmen zu kennen, macht die sehr moderne Choreographie viel Spaß und bietet viel Raum für eigene Interpretation.  Das Bühnenbild ist ebenso einfach wie originell gehalten: Das Ensemble interagiert 50 Minuten lang mit Luftballons, darüber hinaus braucht es lediglich noch einige leuchtende Stangen und eine Lichttechnik (Klaus Gärditz), die an diesem Abend alles herausholt, um für magische Momente zu sorgen. Das Spiel mit den Ballons fordert vom Ensemble ungewohnte Flexibilität, denn die federleichte Requisite ist nur sehr begrenzt steuerbar.  Die Würzburger Kompagnie ertanzt zur Musik des DJs Locsil, Romantischem von Philip Glass und Wild-Verrücktem von Félix Lajkó einfühlsam unterschiedlichste Stimmungen. Das Publikum erlebt wunderbar romantische Momente, Sehnsucht, Wut, Geborgenheit und ausgelassene Freiheit.


Eingeladen hatte Würzburgs Ballettdirektorin Anna Vita den Ulmer Kollegen Roberto Scafati auch, um dem Publikum am Ballettdoppelabend einen größtmöglichen Kontrast zu bieten. Das gelingt. Nach den offen getanzten Menschheitsfragen folgt nach der Pause mit der Josephslegende klassisches Handlungsballett und unterschiedliche Tanzstile, wie man es in Würzburg von Anna Vita kennt und liebt. Erzählt wird die biblische Geschichte des Hirtenknaben Joseph. Seine Brüder verstoßen ihn aus Neid, als Sklave gelangt er ins Haus des hohen Beamten Potiphar. Rasch gewinnt er dessen Vertrauen, doch Unheil droht, als ihn Potiphars Frau – vom Ehemann enttäuscht – zu verführen versucht. Mit Gottes Kraft und Ehrlichkeit gelingt es dem jungen Mann, seine Unschuld zu beweisen und sein Volk zu befreien.



Kleiner Wermutstropfen: Die Musik kommt den Abend über vom Band, doch die Erklärung leuchtet ein: Richard Strauss hatte für das Werk einst ein 120 Mann starkes Orchester gefordert – ein Ding der Unmöglichkeit im Würzburger Orchestergraben. Und so fällt der Blick vielleicht noch konzentrierter als sonst auf die getanzte, in sich wunderbar stimmige Geschichte.

Durch den bewussten Verzicht auf Prunk rücken die drei Protagonisten noch stärker in den Blick, so gelingen Anna Vita und ihren Tänzern herausragende Charakterzeichnungen: Potiphar ist der unnahbarer Machthaber, erstarrt in höfischen Strukturen. Felipe Soares Cavalcante tanzt mit klaren, unnahbaren Bewegungen. Gerade in Interaktion mit seinem Personal und der Gattin entstehen Bilder, die an ägyptische Tempelzeichnungen erinnern - auch durch das schlicht, aber beeindruckend gehaltene Bühnenbild von Sandra Dehler und die Kostüme von Kristopher Kempf.


Ivana Kocevska befreit Potiphars Frau aus der Rolle der reinen Femme fatale und zeichnet eine enttäuschte, sehr verletzliche Frau. In sehnsüchtigen, verzweifelten, aber auch wütenden Gesten fleht sie um Beachtung. Joseph ist am Hofe schließlich der einzige, der rundum lebendig wirkt. Manchmal fast schon am Rande ertragbarer Fröhlichkeit dreht er sich lachend und mit ausgestreckten Armen im Kreis, springt und wirbelt, hopst und  quirlt über die Bühne.  


Der effektvolle Stückschluss – Joseph schwebt, dann fährt sein Volk aus dem Bühnengraben herauf und schreitet ins Licht – ist hübsch gedacht, für manchen Theaterbesucher aber einen Tick zu viel. Insgesamt  jedoch bietet das Mainfranken Theater mit „Lascia che accada“ und der Josephslegende dem Publikum abwechslungsreiches, modernes, wunderschön ästhetisches Tanztheater, das fast zwei Stunden lang fesselt.  Das Ballettensemble begeistert mit Ausdruck, sehr viel Emotion und größtmöglicher Wandelbarkeit.

Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this