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Am Tag fitter, nachts mehr Erholung
Wissenschaftler wählen in Würzburg das echte Johanniskraut zur Arzneipflanze des Jahres 2015


Von Michaela Schneider
Würzburg
Schon in der Antike wusste man um die heilsame Wirkung des Johanniskrauts. Eingesetzt wurde es seinerzeit bei Brandwunden, Ischias, Harnwegs- oder Menstruationsbeschwerden. Jetzt hat der interdisziplinäre „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ das Johanniskraut zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gewählt. Der Gruppe gehören Medizinhistoriker, Ärzte, Apotheker und Biologen an, angesiedelt ist sie am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg. Federführend an der Wahl beteiligt: der 61-jährige Medizinhistoriker Dr. Johannes Gottfried Mayer, Geschäftsführer der hiesigen Forschergruppe Klostermedizin.


Warum fiel die Wahl der Arzneipflanze des Jahres 2015 auf das Johanniskraut?

Mayer: Das Johanniskraut ist von alters her eine sehr bekannte Arzneimittelpflanze. Aber es gab in den letzten Jahren einige Irritationen. Das Problem: Ende der 90er Jahre beobachtete man Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Das betrifft Antidepressiva, Immunsupressiva, Herz-, Blutgerinnungs- und hormonelle Verhütungsmittel. Deren Wirkung wir abgeschwächt oder ganz aufgehoben, teilweise auch verstärkt. Deshalb sind hochdosierte Präparate seit 2003 apothekenpflichtig. Mit der Wahl wollen wir den Stand aktueller Forschungen in den Blick rücken.

Und wie sieht der Stand aktueller Forschungen aus?

Mayer: Wir wissen inzwischen: Johanniskraut allein ist so gut wie nebenwirkungsfrei. Gerade bei leichten bis mittelschweren Depressionen, bei psychovegetativen Störungen, Angstzuständen und nervöser Unruhe ist es inzwischen zugelassen und eines der am häufigsten verschriebenen Mittel. Rotöl und Tee sind frei verkäuflich. Wer zusätzlich andere Medikamente nimmt, sollte dennoch sicherheitshalber die Wirksamkeit mit dem Arzt oder Apotheker absprechen.


Wie genau wirkt Johanniskraut bei Depressionen?

Mayer: Als wichtigster Wirkstoff steht Hypericin im Vordergrund. Dieser kann etwas, was fast keine anderen Mittel – auch synthetische – nicht können: Es hält mehrere Neurotransmitter länger zur Verfügung, das heißt, Botenstoffe wie das Glückshormon Serotonin werden langsamer abgebaut. Serotonin bewirkt, dass wir wacher und besser drauf sind. Depressionen und Niedergeschlagenheit hängen oft mit der fehlenden Verfügbarkeit solcher  Botenstoffe zusammen. Und noch etwas kann das Johanniskraut: Seine Inhaltsstoffe steigern die nächtliche Ausschüttung von Melatonin. Dieses Hormon wird aus Serotonin gebildet, lässt uns sehr gut schlafen und regt die Prozesse der Zellerneuerung an. Kurzum: Mit Johanniskraut sind wir am Tag fitter und erholen uns nachts besser. Ein dritter Effekt kommt hinzu. Hypericin bewirkt, dass unser Körper Licht besser verarbeiten kann, auch das wirkt stimmungsaufhellend. Theoretisch könnte dies bei sehr hellhäutigen Menschen zu einer Licht-Überempfindlichkeit führen, in der Praxis wurde dieses Phänomen aber medizinisch bis dato nur bei Weidetieren beschrieben, die sehr viel Johanniskraut gefressen hatten.  


Neben Johanniskraut-Präparaten nutzt die Arzneikunde zudem die entzündungshemmende Wirkung des Johanniskraut- oder Rotöls aus…

Mayer:  Meist wird das Öl äußerlich angewendet zur Wundbehandlung, vor allem bei Brandverletzungen, aber etwa auch bei einem Hexenschuss. Gelegentlich bietet sich wegen seines antiviralen Effekts eine innerliche Anwendung an, zum Beispiel bei Magen-Darm-Schleimhautentzündungen. Übrigens: Schon in der Antike war Rotöl das Mittel bei Brandverletzungen.


Blicken Sie bitte etwas detaillierter auf die Geschichte des Johanniskrauts als Arzneipflanze…

Mayer: Die Besonderheit in der Antike war: Damals wurden mindestens drei verschiedene Johanniskrautarten als Arzneimittel verwendet. Erst seit dem Mittelalter konzentriert man sich auf Hypericum perforatum, das echte Johanniskraut. Bereits im frühen Mittelalter wird dieses mit der Behandlung der Melancholie in Verbindung gebracht. Das wissen wir aus dem Lorscher Arzneibuch, das Ende des 8. Jahrhunderts verfasst wurde. Allerdings muss man hier berücksichtigen, dass Begriffe wie „Melancholie“ nicht eins zu eins in die Gegenwart übertragbar sind. Sicher aber können wir sagen, dass Johanniskraut schon früh der psychischen Behandlung diente – übrigens auch im Exorzismus. Und dahinter steckte letztlich nichts anderes als die Behandlung von Geisteskrankheiten.


Ein Blick in die Zukunft: Welche künftigen Anwendungsmöglichkeiten wären noch denkbar?

Mayer: Extrakte wie reines Hypericin werden immer wichtiger. Die klassische Medizin erkennt an, dass es wertvolle pflanzliche Stoffe gibt, die synthetisch nur sehr kompliziert und teuer herstellbar wären. Hypericin etwa wird im Versuchsstadium zur Behandlung spezieller Krebsarten eingesetzt, hierbei geht es – allgemein gesagt - ums Sichtbarmachen der Krebszellen.


Mit welcher Zielsetzung wird denn eigentlich eine „Arzneipflanze des Jahres“ gewählt?

Dr. Johannes G. Mayer: Tatsächlich rief bereits Ende der 80er Jahre der Verband Deutscher Drogisten eine Arzneipflanze des Jahres aus, nach der Wiedervereinigung geriet das Thema aber in Vergessenheit. 1999 begründeten wir am Institut für Geschichte der Medizin den „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ und wählen seither eine Arzneipflanze des Jahres. Es geht uns dabei um die Bedeutung der Arzneipflanzenkunde selbst, deshalb dürfen nur anerkannte Arzneipflanzen gewählt werden. Und wir legen Wert auf den historischen Ansatz.

Medizinhistoriker Johannes G. Mayer zeigt, wie das echte Johanniskraut aussieht.

     

Foto: Michaela Schneider

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Die botanische Einordnung des Johanniskrauts


Johanniskrautgewächse bilden eine eigene Pflanzenfamilie. Weltweit kennt man 400 Arten, in Deutschland heimisch sind neun. In der Arzneipflanzenkunde wird jedoch nur Hypericum perforatum, das echte Johanniskraut, genutzt. Bei dessen Identifizierung spielt nicht nur das optisch durchlöcherte Blatt, sondern auch der Stängel eine tragende Rolle: Der bis zu ein Meter hohe Hauptstängel muss aufrecht stehen, er ist zweikantig. Dies sieht man mit bloßem Auge nicht, spürt man aber, streicht man mit dem Finger über den Stängel. Und: Er ist nicht hohl, sondern im inneren mit Mark gefüllt. Beste Zeit zum Sammeln: die zweite Junihälfte und der Juli. Dann allerdings sollten nur die äußeren Spitzen und Blüten abgeschnitten, der Stängel aber stehen gelassen werden. Das echte Johanniskraut liebt warme, eher trockene Plätze und ist in Deutschland weit verbreitet.