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Wenn pure Boshaftigkeit siegt
m Mainfranken Theater feierte jetzt das Musical „Jekyll & Hyde“ seine
umjubelte Premiere - Mit der Inszenierung gibt Ivan Alboresi in Würzburg sein Regiedebüt


Von Michaela Schneider
Würzburg
Mr. Hyde hastet in gekrümmter Haltung, mit zu Klauen verkrampften Fingern über die Bühne, getrieben von purer Boshaftigkeit. Animalische Laute bahnen sich den Weg aus dem Körper, halbwegs menschlich klingt nur noch das gruselige Lachen. Von Dr. Jekyll ist nach seiner Verwandlung nichts mehr geblieben. Im Mainfranken Theater Würzburg feierte jetzt das Musical „Jekyll & Hyde“ Premiere. Für regelmäßige Theatergänger war der Abend nicht nur mit Blick auf die actiongeladene Handlung spannend: Ivan Alboresi, bis 2014 festes Mitglied der Würzburger Ballettkompagnie, gab mit der Inszenierung am Mainfranken Theater sein umjubeltes Regiedebüt.


Gut und Böse, Heuchelei und Sein, reine Liebe und ausgelebte Lust: Während sich Robert Louis Stevenson in der Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ dem Widerspruch von Gut und Böse eher tiefenpsychologisch genähert hatte, wurde der Stoff in mehr als 100 Jahren ständig weiterentwickelt und um Personen sowie Handlung angereichert. Das Musical des Duos Frank Wildhorn und Leslie Bricusse von 1990 wird gerne auch als bis dato spektakulärer Höhepunkt in der Reihe der Stoffadaptionen bezeichnet. Entsprechend groß ist die Herausforderung für ein städtisches Theater wie Würzburg, sind vergleichbare Werke sonst eher in großen Musicalhäusern zu sehen. Doch Alboresi meistert sie mit dem Würzburger Team. Rund 90 Umbauten, mehr als 180 Stimmungen und mit Ensemble, Opernchor, Ballettcompagnie und Komparserie etliche Beteiligte halten nicht nur das Theaterteam, sondern auch das Publikum in positivem Daueratem.


Für den großen Erfolg des Premierenabends zeichnet zudem Armin Kahl verantwortlich, den die Würzburger für die Doppelrolle des Henry Jekyll und Edward Hyde verpflichtet haben. Er gilt derzeit als einer der renommiertesten deutschen Musicaldarsteller, unter anderem war der gebürtige Erlanger als Tarzan in Hamburg zu sehen.  Am Anfang mag er fast ein bisschen zu brav auf der Bühne erscheinen. Doch lässt ihn dies die Verwandlung zum personifizierten Bösen später umso drastischer umsetzen. Schauspielerisch wie gesanglich einer der Höhepunkte: Kahls Duett mit sich selbst, als Jekyll und Hyde, Gut und Böse sich bekämpfen.


Ein weiteres Duett, diesmal ein echtes, entpuppt sich zum vielleicht schönsten Moment des Musicalabends, als die Verlobte Lisa (Anja Gutgesell) und die Prostituierte Lucy (Barbara Schöller) allein und doch gemeinsam in „Nur sein Blick“ ihre Liebe zu Dr. Jekyll besingen. Die zwei Sängerinnen aus dem Würzburger Ensemble beweisen wieder einmal – und nicht nur in dieser Szene – dass sie im Musical daheim und fürs Mainfranken Theater eine immense Bereicherung sind. Doch auch ein Daniel Fiolka oder eine Sonja Koppelhuber sollten im positiven Sinne in ihren etwas kleineren Rollen als Anwalt Utterson und die Prostituierte Nellie nicht unerwähnt bleiben.


Ins Team geholt hat sich Alboresi Würzburgs Kostümdirektor und ersten Kostümbildner Götz Lanzelot Fischer. Der erweckt mit aufwändigen Kostümen das viktorianische Zeitalter zum Leben. Die heuchlerischen Stereotypen der besseren Londoner Gesellschaft lässt er maskenhaft schminken, macht die Doppelmoral aus äußerer Tugendhaftigkeit und verborgen ausgelebter Lasterhaftigkeit sichtbar. Fürs Bühnenbild zeichnBernd Franke verantwortlich. Zentrales Thema: Spiegelungen als Visionen einer blutigen Zukunft, als Spiegel des Alter-Ego, als entlarvendes, gesellschaftliches Element. Franke arbeitet zudem mit Drehbühne, Dreidimensionalität, Lichteffekten und Mauerwerk. Er erschafft die unterschiedlichsten Orte vom gruseligen Labor bis zum Unterwelt-Puff. Er spielt mit Licht, Nebel und Silhouetten und setzt den Beweis, dass es oft eher die Idee als aufwändige Technik braucht, um ganz beeindruckende Effekte zu erzielen. Etwa als Mr. Hyde sein nächstes Opfer vor einen einrollenden Zug stößt, bestehend aus zwei runden Lichter und dem passenden Geräusch. Oder als sich das Publikum – blutrot bestrahlt – selbst auf der Bühne im Spiegel erkennt.


Apropos Technik: Am Anfang will selbige nicht, wie sie soll. Das lenkt ab, ein Mikrofon rauscht und knackt, vor allem bei der Aussteuerung in der ersten großen Chorszene hört man einige Soloparts kaum. Das Zusammenspiel wird auch fürs Philharmonische Orchester Würzburg zur Herausforderung, der Gesamtsound wirkt verwaschen.  Zum Glück bekommt das Theaterteam die Technik in den Griff, dann steht dem Rumdumgenuss nichts mehr im Weg. Musikalischer Leiter Sebastian Beckedorf setzt im Orchestergraben auf geglückte, große Dramatik. Der Opernchor unter Leitung von Michael Clark glänzt in den opulenten, voluminösen Szenen, ein bisschen hapert`s in Passagen mit viel Text, an der Verständlichkeit sollte noch gearbeitet werden.


Doch bleibt dies Randaspekt und tut der Begeisterung des Publikums keinen Abbruch. Beim Schlussapplaus steht nahezu der komplette Theatersaal, selbst als nach einigen Vorhängen das Licht an und der Abend zu Ende gehen, applaudieren Besucher weiter.


Dauer 170 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen: 14.30 Uhr  31.12.; 15 Uhr:  10.01./ 06.03.; 19 Uhr:  31.12.; 19.30 Uhr:  21.11./ 28.11./ 04.12./ 09.12./ 15.12./ 19.12./ 02.01./ 06.01./ 15.01./ 16.01./ 21.01./ 30.01./ 07.02./ 12.02./ 27.03./ 02.04./ 08.04./ 22.04./ 29.04./ 08.05.


Der Artikel  ist unter anderem  in den Nürnberger Nachrichten erschienen.

Infokasten: Über die Handlung im Musical „Jekyll & Hyde“


Der Vater des Londoner Arztes Dr. Jekyll ist dem Wahnsinn verfallen. Um ihn zu retten, will der Sohn im Experiment die bösen von den guten Kräften im Menschen separieren.  Er präsentiert seine Idee dem elitären Vorstand des St. Jude`s Hospitals, der lehnt seine Forschungen als gotteslästerlich ab. Kurz nach seiner Verlobung mit der reizenden Lisa lernt Dr. Jekyll in den Londoner Elendsvierteln zufällig die Prostituierte Lucy kennen und verspricht ihr seine Unterstützung, sollte sie einmal Hilfe brauchen. Und er entschließt sich, sein Experiment nun an sich selbst zu testen. Kaum hat sich Dr. Jekyll das Elixier gespritzt, verwandelt sich ein Teil von ihm in die brutale Verkörperung des Bösen, in Mr. Hyde. Er quält Lucy und beginnt, Mitglieder des Vorstandes des St. Jude`s Hospital zu ermorden. Auch ernennt Dr. Jekyll Mr. Hyde zu seinem Erben. Sein Freund und Anwalt Utterson begreift, was geschehen ist. In Dr. Jekylls Auftrag überbringt er Lucy die Nachricht, dass sie aus der Stadt fliehen muss, doch es ist zu spät: Hyde erscheint und tötet die Prostituierte. Bei der Hochzeit von Lisa und Dr. Jekyll, beginnt sich dieser vor der versammelten Kirchengemeinde in sein böses Alter-Ego Mr. Hyde zu verwandeln. Sein Freund Utterson erschießt und erlöst ihn.