Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

„Unerhörtes“ muss dabei sein
31. Jazzfestival am 24. und 25. Oktober in Würzburg – Organisator spricht vorab über ein
überaltertes Publikum, hervorragende, junge Musiker und die Entwicklung des Jazz an sich



Von Michaela Schneider
Würzburg
Jazz beansprucht das Gehirn mehr als Techno, fanden Wissenschaftler 2002 in einer Studie heraus. Gesund ist er also, doch hat der Jazz heute ein Problem: Das Publikum wird immer älter, die junge Generation interessiert sich selten weder für die Wurzeln moderner Musik noch für zeitgenössischen Jazz. Anders sieht`s auf den Bühnen aus, hier spielen junge, talentierte Musiker zu Sessions auf. Einen Einblick in die deutsche Jazzszene kann das  Publikum am 24. und 25. Oktober gewinnen beim 31. Jazzfestival der Jazzinitiative Würzburg e.V. Dessen Organisator Jörg Meister spricht vorab über die Jazzszene, Nachwuchssorgen und natürlich über das zweitägige Festival. Der 69-Lährige, eigentlich Zahnarzt im Ruhestand, spielt selbst Schlagzeug, unter anderem in der Band „The Blue Jazz Four“.  


Hat die deutsche Jazzszene heute tatsächlich ein Nachwuchsproblem?

Jörg Meister: Wenn wir übers Publikum sprechen ja. Ich bin jetzt 69 Jahre, das Durchschnittsalter schreitet mit meinem Alter fort. Um das zu verstehen, braucht es einen Blick in die Jazzgeschichte. Jazz war in den 20er und 30er Jahren hip, Swing war die Popmusik dieser Jahre. Ende der 40er wurden die Kompositionen dann auf ganz neue Art gespielt, Jazz entwickelte sich in Form des Bebop zur Kunstmusik. Gleichzeitig schwappte diese Musik nach Europa über, wurde von deutschen Musikern adaptiert und erlebte hier in den 50er und 60er Jahren ihre Blüte. In dieser Zeit kam meine Generation – ich selbst übrigens über den Boogie Woogie – auf den Jazz. Und genau dieses Publikum ist ihm treu bis heute. Denn Jazz war hip, bis die Ära des Beat und Rock begann. Nun geriet der Jazz in den Hintergrund.   


Aber weiterentwickelt hat sich der Jazz doch trotzdem…

Meister:  Ja, natürlich. In den 70er Jahren kam es zur Verbindung von Jazz und Rockmusik, man spricht von Fusion und Rockjazz. Heute ist Jazz eine Mischung aus allem, vor allem die ethnische Musik ist dazu gekommen. Allerdings gibt es vieles, das unter Jazz läuft, aber damit eigentlich  nichts zu tun hat. Das vielleicht bekannteste Beispiel ist Nora Jones. Sie macht sehr gute Musik, mit Jazz hat das aber meiner Meinung nach nichts zu tun. Jazzmusik muss zum großen Teil improvisiert sein.


Woran liegt`s, dass sich die jungen Leute nicht mehr für Jazz interessieren?

Meister: Die Jugend der Gegenwart hat sich mit Hip-Hop und House ihre eigene Musik geschaffen – vielleicht auch, um sich von der vorherigen Zeit abzusetzen. Das war in meiner Generation nicht anders. Trotzdem denke ich, dass Jazz eine Zukunft hat. Schon Frank Zappa sagte, der Jazz sei nicht tot, er rieche nur komisch. Was Grund zur Hoffnung gibt, ist, dass in den heutigen Hip-Hop Altes einfließt und die Soulmusik der 60er Jahre gesampelt wird. Und: Nicht allein die Konzertbesucher sollten Maßstab sein, sondern vor allem die Musiker. Hier gibt es hervorragende Talente.


Das werden die Zuschauer beim 31. Jazzfestival erleben dürfen. Wie ist das Festival entstanden?

Meister: Die Jazzinitiative e.V. entstand 1984 aus Jazzsessions im alten AKW heraus.  Der erste Jazzfestival fand bereits ein Jahr später statt, damals im Schönborngymnasium. Los ging es seinerzeit mit lokalen Bands. Später dehnten wir uns auf den fränkischen, im Laufe der Zeit dann auf den deutschsprachigen Raum aus. Bis heute ist entscheidend für das Profil des Festivals: Bei uns treten nur deutschsprachige Jazzmusiker auf. Sie haben sowieso zu wenig Möglichkeit, sich zu präsentieren.


Wie steht es um die hiesige Jazzszene?

Meister: Davon kann man sich beim Jazzfestival ein Bild machen, heuer sind mehrere Würzburger Musiker  dabei – das Gerhard Schäfer Septet zum Beispiel, eine spannende Zusammenstellung in Sachen Instrumente, eine Fusion von Jazz und orchestraler klassischer Musik.  Auch Andi Kissenbeck ist Ex-Würzburger, der nun mit zwei recht bekannten Musikern zu hören sein wird: mit Torsten Goods und Peter Weniger. „Kissenbecks Club Boogaloo“ treten als klassisches Hammond-Orgel-Quartett auf, sehr groovig und funklastig. Zu hören sein wird auch die Siegerband des Jazzwettbewerbs der Musikhochschule Würzburg. Tatsächlich haben wir junge, tolle Musiker in Würzburg. Gewonnen hatte zum Beispiel 2014 das Quartett Dispact, zu hören sein wird es bei uns nun in Trio-Besetzung als „Dedicated to Rafael“.   


Nach welchen Kriterien wählen sie die Musiker fürs Jazzfestival  aus?

Meister: Pro Festival gehen bei uns 50 bis 70 Bewerbungen ein. Von ihnen werden heuer sechs Bands zu hören sein. Vorab sichten wir Demo-CDs und hinterfragen: „Wollen wir das eine Stunde lang hören?“ Wert legen wir bei der Auswahl auf unterhaltend im Sinne von nicht langweilig und auf eine hohe Qualität. Wir wollen einen Querschnitt durch die zeitgenössische Jazzszene bieten und es sollte etwas „Unerhörtes“ im Sinne von noch nicht gehört dabei sein.  Dazu zählen heuer „Neofobic meets Simin Tander“ mit viel Elektronik. Eine ganz schräge Gruppe sind zudem „KUU!“ – sehr skurril, lustig, groovig, einfach gut. Bei Big Bands machen wir eher eine Ausnahme in Sachen „unerhört“, denn diese wird vom Publikum gewünscht. Heuer spielt das Bamesreiter Schwartz Orchestra.

Jörg Meister, Organisator des 31. Jazzfestivals der Jazzinitiative Würzburg e.V.


Foto: Michaela Schneider


Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Infokasten: 31. Jazzfestival der Jazzinitiative Würzburg e.V.


Das 31. Jazzfestival  findet am 24. und 25. Oktober im Felix-Fechenbach-Haus in Würzburg statt, Beginn ist an beiden Abenden um 19 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf unter anderem bei der Tourist-Information im Falkenhaus Würzburg, Telefon 0931/372398. Mit einem Vorprogramm eingeläutet wird das Festival bereits am Donnerstag, 15. Oktober, mit einem Konzert des „David Helbock Trios“ im Museum im Kulturspeicher sowie der Deutschlandpremiere des Films „Carlo, Keep Swingin`“ im Programmkino Central mit anschließendem Konzert mit dem Würzburg Art Ensemble feat. Pheel. Programmdetails unter www.jazzini-wuerzburg.de