Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Professor Andreas Nießeler hat sich intensiv mit dem Thema „Kinder und Philosophie“ beschäftigt.  


Foto: Michaela Schneider


Kleine Denker, große Gedanken
Jaspers‘ Club
Zum „Tag der Philosophie“ verrät der Würzburger Pädagoge Andreas Nießeler,
wie man Kinder zum Nachdenken bringt und was Erwachsene dabei  lernen können


Von Michaela Schneider

Würzburg Kinder staunen über die Welt, hinterfragen und suchen Erklärungen. Das macht sie zu wahren Philosophen, sagte ein Kenner seines Fachs: Die Rede ist von dem Mediziner und weit über Deutschland hinaus anerkannten Philosophen Karl Jaspers aus Oldenburg. Und so wurde dort eine Idee aus der Taufe gehoben, die inzwischen auch im Unterfränkischen Schule macht: das Projekt des Jaspers‘ Club. Dahinter steht die Idee, gemeinsam mit Kindern zu philosophieren. In Würzburg hatte im Frühjahr 2013 erstmals Pädagogikprofessor Andreas Nießeler kleine Denker zum Jaspers‘ Club eingeladen, 2014 soll das Projekt hier in die nächste Runde gehen. Zum Tag der Philosophie am 21. November verrät der 46-Jährige, wie man Kindern zum Nachdenken bringt.


Warum heißt der Jaspers‘ Club eigentlich Jaspers‘ Club?

Andreas Nießeler: Karl Jaspers meinte, dass die Fragen von Kindern ganz nah dran sind an der Philosophie. Wörtlich sagte er: „Ein wunderbares Zeichen dafür, dass der Mensch als solcher ursprünglich philosophiert, sind die Fragen der Kinder. (…) Kinder besitzen oft eine Genialität, die im Erwachsenenwerden verloren geht.“ Mit meinen eigenen Worten heißt das auch: Kinder staunen über einfache Dinge – und gerade hier können wir Erwachsenen viel lernen. Letztlich sind Kinder Weltneulinge, die sich im Leben erst noch zurechtfinden müssen.  Vieles ist ihnen fremd und unvertraut. Deshalb stellen sie neue Fragen und entwickeln neue Ideen. Oft sind das ganz originelle und originäre Gedanken.


Im März fand der erste Jaspers‘ Club in Würzburg statt. Warum hatten Sie den Botanischen Garten als Veranstaltungsort ausgesucht?

Nießeler: Wir wollten in der Natur über die Natur reden. Dafür bot sich der Botanische Garten zusammen mit dem Lehr-Lern-Garten hervorragend an. Zunächst einmal haben die  Kinder über die Bedeutung von Fragen nachgedacht und sind der Frage nach dem eigenen Ich nachgegangen. Dabei haben wir mit Spiegeln gearbeitet und die Kinder haben sich sehr intensiv auf die Auseinandersetzung mit Identitäten eingelassen. Gemeinsam mit Hans-Joachim Müller, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Philosophierens mit Kindern, wurde dann hinterfragt, was wir Besonderes in der Natur entdecken können und welchen Platz der Mensch in der Natur einnimmt.


Welche Fähigkeiten erlernen Kinder beim Philosophieren?

Nießeler: Sie lernen zu argumentieren und die Perspektive zu wechseln. Sehr wichtig ist uns, Achtung vor anderen und deren Aussagen zu vermitteln. Philosophieren schult also ganz nebenbei Sozialkompetenzen. Vor allem aber soll das Philosophieren den Kindern helfen ein Verhältnis zu sich und der Welt zu entwickeln. Kinder können lernen, sich in einer sehr vielschichtigen Welt und hochkomplexen Wirklichkeit zu orientieren. Und zwar über schnelle Antworten bei Google und Wikipedia hinaus.


Welche Themen eignen sich, um mit Kindern zu Philosophieren?

Nießeler: Es gibt abstrakte Zusammenhänge in der Philosophie, die für Kinder nicht greifbar sein mögen. Am zugänglichsten ist Philosophie für Kinder wohl, wenn man von konkreten Dingen ausgeht, die man sehen kann wie zum Beispiel die Natur im Botanischen Garten und die Gewächsvielfalt im Tropenhaus. Auch  soziale und ethische Fragen eignen sich sehr gut. Bewusst sein sollte man sich: Es gibt Kinder, die sich fürs Philosophieren interessieren, andere indes tun dies nicht. Das ist eine Frage der Persönlichkeit. Nicht jeder muss ein Philosoph sein!


Welche weiteren Tipps geben Sie Eltern, die mit Ihren Kindern philosophieren möchten?

Nießeler: Am wichtigsten ist, die Kinder zu Wort kommen zu lassen. Kinder fragen viel. Eltern sollten diese Fragen zulassen, ernst nehmen und mitdenken. Sie sollten sich überlegen: Was steckt eigentlich hinter diesen Fragen? Ein Beispiel: Man sagt sehr schnell „Du darfst nicht lügen“. Aber darf man wirklich nie lügen? Was gehört zum Zusammenleben alles dazu? Kann Lügen manchmal vielleicht auch sinnvoll sein? Natürlich gibt es zudem Hilfsmittel, gerade, wenn man in einer Gruppe philosophiert: Dann kann man zum Beispiel einen Gesprächsstein weitergeben, um jeden zu Wort kommen zu lassen. Oder man kann wie das Blitzlicht der Kamera  erste Eindrücke und Gedanken äußern.


Was können wir Erwachsenen von Kindern beim Philosophieren lernen?

Nießeler: Wir können von Kindern zum Beispiel lernen, uns nicht mit vorgefertigten oder schnellen Antworten zufrieden zu geben. Vielleicht ist ja das kindliche Trotzalter der eigentliche Beginn des philosophischen Denkens.


Professor Andreas Nießeler ist Mitherausgeber des Buchs „Philosophie im Sachunterricht“. In Kürze erscheint das Buch „Alltägliches – Besonderes – Unerwartetes. Protokolle philosophischer Denk-Wege von Kindern“, das er zusammen mit Susanna May-Krämer und Hans-Joachim Müller verfasst hat.

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this

Infokasten: Wie der Jaspers‘ Club entstand


Begründet haben das Projekt Jaspers‘ Club der ehemalige Grundschullehrer Hans-Joachim Müller und der Jaspers-Forscher   Professor Reinhard Schulz von der Universität Oldenburg. Im Schulalltag hatte Müller erfahren, dass dort etwas Wesentliches fehlt: Im fächerstrukturierten Unterricht blieb kein Platz für Nachdenklichkeit. Deshalb rief er den Jaspers‘ Club ins Leben. Inzwischen wird in Kooperation mit der Universität Hamburg das Philosophieren mit Kindern als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip auch wissenschaftlich erforscht.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.