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Theater als „Scheherazade“
Spielzeit 2015/16 am Mainfranken Theater steht unter dem Motto „Angstfrei“ – Intendant Hermann Schneider blickt auf die Höhepunkte, aber auch auf seine zwölfjährige Amtszeit als Theaterchef


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Das Mainfranken Theater startet in die neue Spielzeit, Theaterintendant Hermann Schneider hat die Saison 2015/16 unter das Motto „Angstfrei“ gestellt. Für Schneider geht anschließend eine Ära zu ende, im Herbst 2016 wird der 53-Jährige Würzburg verlassen und an das Theater Linz wechseln. Zwar sei ein Abschied ein Abschied, trotzdem verlasse er Unterfranken mit einem guten Gefühl, sagt der Theaterchef.  Denn als er 2004 nach Würzburg kam, drohte noch die Theaterschließung.   Davon ist heute nicht mehr die Rede, im Sommer fiel  im Stadtrat der Beschluss, das Haus sanieren und erweitern zu lassen. Hermann Schneider blickt im Interview auf die anstehende Spielzeit 2015/16, aber auch auf seine Zeit als Theaterchef in Würzburg im Allgemeinen.


Die Spielzeit 2015/16 steht unter dem Motto „Angstfrei“. Wie kamen Sie auf das Thema?

Hermann Schneider: Wir leben in einer unglaublich komfortablen Welt im Vergleich zu den Menschen in anderen Ecken der Erde. Trotzdem empfinden viele Menschen bei uns verschiedene Ängste. Das ist ein ganz merkwürdiger Kontrast. Wir haben das Thema vor einem Dreivierteljahr  entwickelt. Mit den vielen Flüchtlingen, die jetzt bei uns ankommen, ist es erst recht aktuell geworden in einer Zeit, in der Nazis und andere Idioten Ängste zusätzlich schüren. Aufgabe eines Theaters ist es meiner Ansicht nach, nicht nur einen Bildungskanon zu reproduzieren. Uns liegt daran, ein gesellschaftlich, politisch und künstlerisch relevantes Thema zu finden. Anschließend versuchen wir zu analysieren und zu identifizieren, was den Menschen unter den Nägeln brennt und welche Aspekte wir wahrnehmen. Schließlich schauen wir: Welche Werke lassen sich dazu neu erzählen?


Welche Werke werden Sie zum Thema „Angstfrei“ neu erzählen?

Schneider: Othello etwa hat Angst, seine Frau zu verlieren. Im „Revisor“ fürchtet sich die Dorfgemeinschaft vor der Macht der Obrigkeit. In „Jekyll & Hyde“ erzeugt der Protagonist ein Monster in sich, hier geht es um die Angst vor sich selbst. Das für mich vielleicht schönste Beispiel der Spielzeit ist das Ballett „Scheherazade“. Hier geht es um eine junge Frau, die Angst vor dem Tod hat und deshalb beginnt, Geschichten zu erzählen. Dadurch befreit sie sich selbst aus ihrer Angst.  Das ist ein wunderbares Exempel für Mut, Fantasie und Selbstbewusstsein. Für mich ist auch das Theater eine Art „Scheherazade“, das Geschichten erzählt, erlaubt über Ängste zu reden und diese vielleicht auch ein Stück weit nehmen kann.  


2016 steht erneut eine Opernuraufführung auf dem Würzburger Spielplan. Ist das nicht recht mutig, nachdem bei der Uraufführung von „The Colour“ heuer viele Sitzplätze leer blieben?

Schneider: Ein Risiko ist`s, aber ich sehe das als städtisches Theater explizit als unseren Auftrag. Wenn wir uns keine Uraufführungen dieses Formats trauen, macht`s keiner. Ich vergleiche uns gerne mit den öffentlich-rechtlichen Sendern. Auch dort läuft nicht nur Musikantenstadl, sondern ist Platz für Experimente und Anspruchsvolles. Wir dürfen als gefördertes Theater nicht rein wirtschaftlich denken, sondern haben einen Kultur- und Bildungsauftrag. Ein Blick auf die Uraufführung: Es handelt sich um eine Oper nach Hermann Hesses Roman „Der Steppenwolf“.  Ich bin mit dem Librettisten Rainer Lewandowski befreundet, schon lange hatten wir überlegt, wie sich das Werk auf die Bühne bringen ließe. Im Roman spielt Jazz eine wichtige Rolle, deshalb war für eine Vertonung ein Komponist nötig der nicht allein Klassisch kann.  Viktor Åslund erschien mir der Richtige.


Sie sind 2004 nach Würzburg gekommen und werden das Mainfranken Theater nun 2016 wieder verlassen. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Schneider:  Vor allem hat sich in der Politik ein enormer Bewusstseinswandel vollzogen. Die Stadt hatte damals ein Haushaltsproblem, suchte nach Lösungen, eine Option war die Theaterschließung. Als ich 2004 nach Würzburg kann, lag ein nahezu einstimmiger Beschluss  des Stadtrates vor. Dieser schwebte wie ein Damoklesschwert über den ersten Jahren meiner Amtszeit. Die Mitarbeiter am Theater fürchteten um ihre Arbeitsplätze, das war sehr belastend. Ich habe gleich gesagt: Ich werde keine Sparte schließen, eine Stadt wie Würzburg verdient und braucht ein Spartenhaus. Tatsächlich haben wir es mit Fleiß und Qualität geschafft, dass der Schließungsbeschluss 2009 zurückgenommen wurde. Wenn mir zu Beginn meiner Amtszeit jemand gesagt hätte, dass 2015 beschlossen wird, das Theater für 50 Millionen Euro zu sanieren, hätte ich gesagt, er redet irre. Ein Abschied ist ein Abschied – aber wenn ich das Haus 2016 verlasse, weiß ich es in einer ganz großen Zukunftsperspektive. Das ist ein gutes Gefühl.


Was war Ihnen in Ihrer Position als Theaterintendant wichtig?

Schneider: Ganz wichtig war mir eine gute Balance zu finden und dem Publikum einen Spielplan mit unterschiedlichen Handschriften zu bieten. Klassisch-Konventionelles hat auf der Bühne ebenso seine Berechtigung wie Schwieriges oder Provokantes. Diese innovativen Elemente lagen mir auch inhaltlich am Herzen, deshalb haben wir zum Beispiel den Leonhard-Frank-Preis ins Leben gerufen. Und bei uns stand eine Vielzahl an Ur- und Erstaufführungen auf dem Spielplan – weit mehr als an den meisten anderen städtischen Theatern.


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.