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„Alle Sparten haben ihr Existenzrecht“
Unter dem Motto „Intendant in den Häusern der Stadt“ lernt Markus Trabusch das
Publikum des Mainfranken Theaters Würzburg in heimischen Wohnzimmern kennen


Von Michaela Schneider

Würzburg Die Vorlaufzeit für Markus Trabuschs neue Intendanz war kurz, betrug gerade einmal ein knappes Jahr. Ende Juli 2015 hatte ihn der Würzburger Stadtrat zum Intendanten des Mainfranken Theaters ernannt. Anfang Oktober 2016 startete „der Neue“ mit einem geballten Premierenreigen in die erste Spielzeit. Letztlich sei er in ein unfertiges Haus eingezogen, sagt der gebürtige Trierer, und habe monatelang wegen des Baustellencharakters gelitten. Inzwischen empfinde er diesen eher als Chance - immerhin habe er dadurch die Möglichkeit nachzujustieren. Und dafür will er sein Theaterpublikum kennenlernen. Unter dem Motto „Intendant in den Häusern der Stadt“ lässt sich Trabusch deshalb noch bis Ende November von Würzburgern nach Hause einladen und tauscht sich im kleinen Kreis übers Thema Theater aus.


Seine Gastgeber sind an diesem Abend Daniela und Jörg Groß. Unter den zehn weiteren Gästen im Wohnzimmer befinden sich ein ehemaliges Mitglied des Opernchors, Premierenabonnenten, bekennende Fans der Würzburger Ballettdirektorin Anna Vita und sogar ein Gast, der unumwunden zugibt: Ab und zu gehe er zwar ins Theater - aber nicht in Würzburg, weil ihm die Bühne nicht gefalle. Die Gespräche drehen sich in den folgenden drei Stunden um personelle Veränderungen, um die Theatersanierung, um Formate, die (vorläufig?) vom Spielplan verschwunden sind. Man diskutiert über Formen des zeitgenössischen Theaters.

Und der neue Intendant gibt manches Persönliche preis – zum Beispiel, dass er als Kind in Weihnachtsmärchen ins Theater geschleppt wurde und diese als ganz schrecklich empfand. Für Theater erwärmte er sich erst während seines Medizinstudiums in Freiburg. „Hier habe ich gemerkt, dass Theater Spaß machen kann, dass dies aber abhängig von der Art und Qualität der Darbietung ist“, sagt Trabusch. Allerdings betont er auch: Gescheiterte Inszenierungen kämen vor, das liege im Wesen der Kunst, weil beim Theater etliche Unwägbarkeiten hineinspielten, noch dazu kollektive. Trabusch zieht den Kochvergleich: Theater sei nicht wie ein einfaches Spiegelei, sondern eher wie ein kompliziertes Soufflé, das auch mit den richtigen Zutaten misslingen könne.


Deutlich wird am Abend im Wohnzimmer, dass Würzburgs Theatergänger durchaus kritisch auf manche Neuerung blicken. Die Farbwahl der Programmflyer und fehlende Informationen zum Regieteam in den Programmheften zählen da eher zu Kleinigkeiten. Kritischer registrieren die Wohnzimmergäste, dass zahlreiche Zusatzformate vom Spielplan verschwunden sind: die „Oper am Klavier“ etwa, „Literatur in den Häusern der Stadt“ und die „Lieder in den Häusern der Stadt“. Trabusch vergleicht das Theater hier mit einem Tanker, der vor sich hinfahre. Diesen habe er erst einmal bremsen und hinterfragen wollen. Er wolle die Künstler kennenlernen und sehen, wie der Theaterapparat laufe. „Ich reklamiere für mich jene 100 Tage, die man braucht, um hineinzukommen“, sagt er. Peu à peu werde manches Zusatzformat die Fahrt (wieder) aufnehmen.

Sorgen äußern Wohnzimmergäste mit Blick auf die Zukunft des Balletts. Zum Dreispartenhaus bekennt sich Trabusch hier deutlich: „Alle Sparten haben ihr Existenzrecht.“ Da und dort werde es Veränderungen geben müssen. Als Intendant müsse man Personalentscheidungen treffen, das sei eine ganz normale Entwicklung in der darstellenden Kunst. Würzburg werde aber weiter ein guter Standort für Tanz bleiben – „wie und mit wem auch immer“.


Und schließlich geht es – natürlich – um das große Thema der Theatersanierung. „Diese wird kommen“, sagt der Intendant deutlich. Nur die Aussicht auf den Umbau lasse ihn die eigentlich untragbare Situation und alle Unzulänglichkeiten aushalten. Ende Juli hatte sich der Stadtrat  für eine große Lösung mit Kosten von rund 50 Millionen Euro bei der Sanierung des Mainfranken Theaters ausgesprochen. München wie auch der Landkreis wollen zusammen rund 35 Millionen Euro beisteuern. Der Haken: Eine neue Ausschreibung ist nötig - und noch dazu wurde das Vergabeverfahren vor kurzem modifiziert und keiner kennt sich laut Trabusch damit noch so recht aus. „Das kostet uns sicher ein weiteres Jahr“, sagt er. Im Umbau selbst sieht er indes große Chancen – mit Blick auf eine geplante mittlere Spielstätte vor allem auch fürs Schauspiel.


Ob er einen Masterplan habe, will ein Gast vom Intendanten wissen. „Ich will definitiv mehr Publikum im Theater sehen. Ich will das Haus wieder zu einem erkennbaren Ort der Stadtgesellschaft machen. Ich habe die Hoffnung, dass ich das Publikum mitnehmen kann und es sich auch für Experimente gewinnen lassen wird. Ich möchte es dazu bringen, dass es nicht Kritiken abwartet, sondern sich Inszenierungen selbst anschaut und ein eigenes Urteil bildet“, listet Trabusch.

Der Artikel  ist unter anderem  in den Nürnberger Nachrichten erschienen.

Intendant Markus Trabusch.


Foto: Michaela Schneider