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Mehr als eine Rampe am Eingang

Viele Museen verbinden mit Inklusion bis dato eine Rollstuhlrampe und einen Fahrstuhl im Gebäude. Doch geht es auch darum, Museumsinhalte  für Menschen mit verschiedenen Einschränkungen erfahrbar zu machen. Einige Beispiele aus Franken.



Von Michaela Schneider
Als hart, kalt und groß erlebte Patrick die Pieta von Käthe Kollwitz  im Würzburger Museum am Dom. Und hohl habe sie geklungen, ergänzt der 13-jährige Schüler der Graf-zu-Bentheim-Schule noch. Patrick nimmt Kunst anders wahr als die meisten anderen Menschen, denn: Der Jugendliche ist blind. Trotzdem kann er Skulpturen und Gemälde in Würzburg nun erleben. Im Museum am Dom hatten Studierende der Museologie und der Sonderpädagogik der Julius-Maximilians-Universität hinterfragt: Wie lassen sich Gemälde und Plastiken für Blinde und Sehbehinderte erfahrbar machen? Zusammen mit einer Inklusionsklasse der Graf-zu-Bentheim-Schule entwickelten sie verschiedene Stationen.


Was hier beispielhaft umgesetzt wurde, steckt allerdings innerhalb der deutschen Museumslandschaft noch in den Kinderschuhen. Viele Häuser verbinden mit dem inklusiven Museum bis dato  lediglich eine Rollstuhlrampe und einen Fahrstuhl im Gebäude.  Doch geht es eben vor allem auch darum, Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen den Zugang zu Inhalten und Themen zu ermöglichen. Deshalb trafen sich nun Ende April (nach Redaktionsschluss) Museumsmitarbeiter und Inklusionsbeauftragte in Würzburg zu einer Tagung unter dem Motto „Barrierefreiheit ist mehr als die Rampe am Eingang: auf dem Weg zum inklusiven Museum“ – eine Gemeinschaftsveranstaltung der Bayerischen Museumsakademie, des Bezirks Unterfranken, des Museums am Dom sowie der Professor für Museologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. „Es geht zunächst einmal darum, Eigeninitiativen zu sammeln, sich auszutauschen und den Fokus überhaupt aufs Thema zu richten“, sagt Simone Doll-Gerstendörfer aus dem unterfränkischen Randersacker. Im Auftrag der Professur für Museologie hatte sie das studentische Projekt im Museum am Dom betreut und organisierte nun die Tagung mit. Zudem berät die Museumspädagogin auf freiberuflicher Basis Museen, die inklusive Angebote erarbeiten wollen.


Auch wenn es bis dato in Frankens Museen nur wenige regelmäßige Angebote für Menschen mit Einschränkungen gibt: Einige Häuser widmen sich dem Thema bereits vorbildlich. So bietet das Kunstmuseum Bayreuth bei Sonderausstellungen seit rund fünf Jahren Spezialführungen bei  Sehbehinderung an.  „Verschiedene Bilder werden dafür fotografiert, dann lassen wir Tastbilder anfertigen“, sagt der stellvertretende Museumsleiter Bernd Romankiewitz. Ein Beispiel: Zeigt ein Gemälde eine Landschaft im Sturm, verdeutlicht die Ausrichtung der Nagelköpfe, in welche Richtung der Wind weht.  Die aktuelle Sonderausstellung im Museum dreht sich übrigens um das Gesamtwerk des Künstlers Georg Jakob Best. Der Rundgang für  Sehende und Nichtsehende am 16. Mai um 15 Uhr steht unter dem Motto „Best inclusive“. Dafür eigens angefertigt: acht Tastbilder.


it unter Umständen weniger Aufwand verbunden sind Spezialangebote bei  Hörbeeinträchtigung. Durch eine Spende konnte das Museum im Kulturspeicher in Würzburg eine mobile, induktive Höranlage für Schwerhörige kaufen.  Der Museumsführer spricht dabei in einen Sender mit Mikrofon. Dieser gibt dann Funksignale aus, die von Empfangsgeräten aufgenommen werden. Selbiges hängt sich der Hörgeräteträger einfach um. Das Gerät wiederum gibt das Gesprochene über eine Induktionsschlinge direkt ans Hörgerät weiter, ein Kopfhörer ist nicht nötig. Menschen mit Hörbeeinträchtigung können das Gerät im Museum im Kulturspeicher an der Kasse ausleihen und bei jeder beliebigen Führung mitlaufen.  


Schwieriger indes die Situation bei kompletter Gehörlosigkeit. Denn: Muttersprache gehörloser Menschen in Deutschland ist nicht Deutsch, sondern die Deutsche Gebärdensprache. Damit geht auch einher, dass viele von Geburt an gehörlose Menschen die deutsche Schriftsprache nur begrenzt beherrschen.  Texttafeln in Museen sind oft schon zu komplex formuliert. Und auch bei Spezialführungen ist eine einfache Sprache in unkomplizierten Sätzen wichtig, damit der  Gebärdendolmetscher entsprechend übersetzen kann.


Das betont auch Elmar Reither, Museumspädagoge am Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum (KPZ) Nürnberg. Er schnürt für mehrere Häuser in der Region Angebote  für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen.  Im Germanischen Nationalmuseum etwa können Kinder und Erwachsene mit kognitiven Einschränkungen das neoexpressionistische Gemälde „Im Seerosenteich“ mit allen Sinnen erleben – überlegen dabei gemeinsam, wie das Bild klingen und duften könnte, spüren der Bewegung der Wellen nach und denken die Landschaft außerhalb des Gemäldes weiter. „Faszinierend ist, wie schnell und unbefangen sich diese Museumsbesucher auf das Angebot einlassen“, sagt Reither.


Mit Menschen mit Seheinschränkung besucht er vor allem gerne das Museum Tucherschloss. Das entsprechende KPZ-Angebot nennt sich „Auf Tuchfühlung mit der Renaissance“. Mit Handschuhen darf dabei Mobiliar, ein Kaminrelief, das Mauerwerk, die Treppe, das Dachgewölbe oder auch die Tapete erfühlt werden.  Das Thema Gewürzhandel lässt sich über den Geruchssinn vermitteln und Musik der Renaissance wird eingespielt.  Für gehörlose und schwerhörige Menschen schließlich bietet das KPZ unter anderem Führungen im Museum für Kommunikation an, denn: Dort gibt es einen speziellen Raum rund ums Thema visuelle Kommunikation. Und schließlich hat der Museumspädagoge noch einen ganz praktischen, jederzeit umsetzbaren Tipp mit Blick aufs inklusive Museum parat: Wichtig sei, dass Häuser überhaupt einen Ansprechpartner benennen, der sich um entsprechende Anfragen von Menschen mit Behinderung kümmert.


Zurück nach Würzburg ins Museum am Dom. Wie setzten Schüler und Studenten das Thema „Kunst für Blinde“ um? Sie arbeiteten mit Tastfiguren, Umrissen, Materialien wie Sandstein, vergrößernden Computermodellen, Duftproben oder auch einem Spiel.  Vielleicht die wesentlichsten Erkenntnisse: Nicht jede Idee der Studenten taugte für die blinden und sehbehinderten Schüler - deshalb ist`s wichtig, Zielgruppen von Beginn an einzubeziehen. Und: Einzelne Bedürfnisse unterscheiden sich drastisch – der Lernerfolg ist umso nachhaltiger, je mehr Sinne angesprochen werden.

Mit Tastfiguren wie hier im Museum am Dom lässt sich Kunst auch für Menschen mit Sehbehinderung erlebbar machen.


Foto: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  in„Franken. Magazin für Land und Leute“ erschienen.

Infokasten: Das inklusive Museum – was sich seit der UN-Behindertenrechtskonvention getan hat


Tatsächlich ist es seit wenigen Jahren explizite Aufgabe von Museen, Kunst und Kultur auch für Menschen mit verschiedenen Einschränkungen  erfahrbar zu machen. Rechtlicher Hintergrund: 2009 hatte Deutschland die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ratifiziert. Damit einher geht auch die Verpflichtung, eine kulturelle Teilnahme zu ermöglichen. 2011 wurde der Deutsche Museumsbund  in den damals neu gegründeten Fachausschuss „Mobilität, Bauen, Wohnen, Freizeit, gesellschaftliche Teilhabe, Information und Kommunikation“ des Inklusionsbeirates berufen.  2013 hat er schließlich die 82-seitige Handreichung „Das inklusive Museum – Ein Leitfaden zu Barrierefreiheit und Inklusion“ herausgegeben mit vielen praktischen Tipps zur virtuellen und räumlichen Zugänglichkeit zum Museum, zielgruppenorientiertem Service, Ausstellungsgestaltung, speziellen Vermittlungsmöglichkeiten und Ansprechpartnern.