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Mit der „Integrationsbahn“ in Würzburgs Innenstadt unterwegs: die Gruppe 8f des Blindeninstituts und jede Menge interessierte Passanten.

Foto: Michaela Schneider

Inklusionsbahn pendelt durch die Stadt

„Redet mit uns“ Seh- und mehrfachbehinderte Jugendliche des Würzburger Blindeninstituts laden
 die Bevölkerung zur kostenlosen Straßenbahnfahrt ein und feiern eine ausgelassene Party


Von Michaela Schneider

Würzburg Katja feiert ausgelassen. Sie singt begeistert, klatscht, wirft die Arme in die Luft, während die bunt geschmückte Straßenbahn durch die Stadt zuckelt. „Hier, schau mal, das bin ich“, sagt sie und überreicht einen DinA-5-Zettel. „Fahrkarte. Nimm Platz – unterwegs mit der 8f“ ist darauf zu lesen. Darunter befindet sich ein Foto, auf dem nicht nur Katja strahlt, sondern auch die übrigen Mädchen und Jungen der Gruppe 8f des Würzburger Blindeninstituts. Bei dem bayernweiten Inklusionswettbewerb „Nimm Platz“ hatten die seh- und mehrfachbehinderten Kinder und Jugendlichen ein Preisgeld gewonnen und dieses nun für eine ganz besondere Aktion genutzt: Zwei Stunden lang pendelten sie mit dem Schoppenexpress auf Würzburgs Straßenbahnschienen zwischen Sanderau und Bahnhof hin und her und feierten eine ausgelassene Party. An etlichen Haltestellen in der Innenstadt wurde gestoppt, um Passanten zum Mitfahren einzuladen.


Denn: Wichtig war den Jugendliche nicht nur, einen schönen Ausflug zu erleben. Vor allem wollten sie den Integrationsgedanken mitten hinein in die Bevölkerung tragen. Deshalb zieren die kleine Straßenbahn Luftballons und Luftschlangen, aber auch große Plakate. In weit sichtbaren Buchstaben ist darauf zu lesen, was den seh- und mehrfachbehinderten Jugendlichen wichtig ist: Achtung, Respekt, Wertschätzung und Miteinander zum Beispiel.   „Es ist toll, unter die Leute zu kommen“, sagt Tobias. Immer nur für sich zu sein sei nicht gut, Kontakt nach außen ganz wichtig. Er nutzt die Inklusionsbahn gleich noch für ein bisschen PR und hat deshalb seine Trommel dabei, denn: Tobias spielt seit mehreren Jahren als Schlagzeuger in der Würzburger Blindenband „Braillers“.


Die Stimmung in der Inklusionsbahn ist hervorragend. Erzieherin Karola Götz-Wittekind spielt Akkordeon. Gruppenmitglied Desina stimmt gekonnt und textsicher ein Lied nach dem anderen am Mikro an. Die übrigen Jugendlichen schunkeln und klatschen, jubeln und singen. Unterstützt werden sie von der Kabarettistin Heike Mix: Sobald die Straßenbahn an einer Haltestelle stoppt, fordert sie Passanten zum kostenlosen Mitfahren auf. Die nutzen das Angebot eifrig, 70 bis 80 Fahrgäste steigen während der zwei Stunden ein und aus. Jeder Gast erhält eine Fahrkarte, auf der die Aktion des Blindeninstituts noch einmal vorgestellt wird.


Gerade auch bei den jüngeren Passanten kommt die Integrationsbahn ganz hervorragend an: „Ich bin eingestiegen, weil die Bahn so cool geschmückt ist“, sagt zum Beispiel die 16-jährige Schülerin Jacqueline. Berührungsängste habe sie „nullkommakeine“ und finde es wahnsinnig wichtig, dass Menschen mit Behinderung mittendrin in der Bevölkerung sind. Zugestiegen ist zudem eine Mutter mit zwei Kleinkindern. „Die beiden haben die Bahn gesehen, kennen sie sonst als Nikolauswagen und sind jetzt ganz glücklich, dass sie mitfahren dürfen“, erzählt die Würzburgerin. Sie selbst ist ganz begeistert von dem Stuhl, den die Jugendlichen für den Inklusionswettbewerb „Nimm Platz“ entworfen hatten. Bestaunt werden kann er zwar nicht in Natura, aber auf einem großen Plakat.


Begeistert war auch die damalige Jury, als einer von zehn Gewinnerstühlen setzte er sich unter 94 Einreichungen durch. Über das Preisgeld wird die Inklusionsfahrt nun finanziert. Allerdings überlegten die Erzieherinnen mit den Jugendlichen erst einmal volle zwei Jahre, wie sie das Geld optimal  ausgeben könnten. „Der Gruppe 8f war wichtig, mit den Menschen in Kontakt zu treten. Wir wollten zeigen, was für ein lustiges Völkchen wir am Blindeninstitut sind, und dass ein ganz normaler Umgang mit uns möglich ist“, sagt Erzieherin Götz-Wittekind.


Auf die Idee zur Inklusionsbahn brachte die Gruppe dann der 20-jährige Maximilian, denn: Er fährt leidenschaftlich gern Straßenbahn. Mit der Aktion erfüllt sich für ihn nun ein großer Traum. Von den Würzburgern wünscht er sich „ganz viele Liebe, dass sie mit uns reden und zuhören“. Dann aber hat er keine Zeit mehr für Interviews und stimmt in seinen Lieblingssong, das Fliegerlied mit ein. Der Refrain „Heut ist so ein schöner Tag“ dürfte dabei bei der ganzen Gruppe 8f aus vollem Herzen kommen.



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Infokasten: Über die Aktion „Nimm Platz“
und den Wettbewerbsstuhl des Blindeninstituts


Ausgerufen hatte die Kunstaktion „Nimm Platz“ im Jahr 2010 die Diözese Würzburg. Menschen mit Behinderung waren damals aufgefordert worden, aus einem Holzstuhl ein Kunstwerk zu gestalten. Erzieherinnen des Blindeninstituts hatten deshalb mit den Jugendlichen diskutiert, was sie sich im Zusammenleben mit den Nichtbehinderten der Gesellschaft wünschen. „Kommt auf uns zu,  spielt mit uns“, lautete eine zentrale Antwort.  Weil aber ein Stuhl zu klein zum Spielen ist, vergrößerten die Jugendlichen zunächst einmal die Sitzfläche des Stuhls in bunten Farben. Mittig ist ein Spielplan aufgebaut, an der Lehne hängt ein Rucksack mit Spielkarten, Würfeln und Süßigkeiten. Auf einer großen Sonne über der Stuhllehne haben die Jugendlichen notiert, was sie sich von den Mitmenschen wünschen: Applaus und Anerkennung, Freundlichkeit und Gleichberechtigung ist zum Beispiel zu lesen. „Redet mit uns“, „schaut uns an“, „wir wollen dabei sein“, lauten weitere Wünsche. Gestaltet wurden insgesamt 94 Stühle, zehn wurden mit dem Vinzenzpreis ausgezeichnet – unter anderem der Stuhl der Gruppe 8f des Blindeninstituts.

Der Artikel  ist unter anderem  im  Main-Echo erschienen.