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Farblos-faszinierende Facette
Kulturspeicher in Würzburg widmet sich als erstes deutsches Museum überhaupt dem
Thema „Impressionismus schwarz/weiß“ und zeigt Druckgrafiken von insgesamt 34 Künstlern


Von Michaela Schneider

Würzburg Impressionisten wie Degas, Renoir oder Cézanne verbindet man gemeinhin mit lichtdurchfluteten Kompositionen in leuchtende Farben. Auch will man meinen, dass alle Aspekte der wegweisenden Kunstrichtung in die Moderne längst ausdiskutiert sind. Dem Museum im Kulturspeicher in Würzburg aber ist es nun geglückt, eine völlig neue Facette zu zeigen. Denn nahezu alle prominenten Maler jener Tage waren gleichzeitig als Druckgrafiker aktiv. Und etliche der Lithographien und Radierungen sind in Schwarzweiß gehalten. „Impressionismus schwarz/weiß“ ist die Sonderausstellung betitelt, die das weitgehend unbekannte Schaffen von insgesamt 34 Künstlern des Impressionismus in dieser Form zum ersten Mal in Deutschland in den Blick rückt.    


Dem Kurator Dr. Nico Kirchberger, zugleich stellvertretender Direktor des Würzburger Museums, ist dabei ein sehr vielschichtiges Konzept gelungen: Ausstellungsbesucher tauchen thematisch ein in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, als das aufstrebende Bürgertum Sport als Freizeitaktivität entdeckte, Tanz an Beliebtheit gewann, der Fortschritt Einzug hielt, das Nachtleben in den Großstädten aufblühte. Wer ausreichend Zeit mitbringt, kann die  verschiedenen Drucktechniken jener Tage kennenlernen – oder sich die Filmsequenzen auch statt am Touchscreen vor Ort später am heimischen PC auf dem YouTube-Kanal des Museums anschauen.  Und schließlich und vorrangig geht es natürlich um bekannte und weniger bekannte Künstler des Impressionismus aus Frankreich aber auch aus Deutschland, um ihre Kunstwerke in Schwarzweiß und um die Motivation dahinter. Ein großer Teil der Exponate in der Sonderausstellung stammt dabei aus den eigenen Beständen der Graphischen Sammlung des Museums im Kulturspeicher, Leihgaben aus sieben deutschen Sammlungen und Museen runden das Bild ab.


Tatsächlich sind von fast allen großen Künstlern des Impressionismus Druckgrafiken in Schwarzweiß erhalten. Einzige bemerkenswerte Ausnahme: Claude Monet. Die Begründung liefert er in einem Brief selbst, erklärte: Dafür sei er ein viel zu schlechter Zeichner. Andere Künstler indes – etwa einem  Edouard Manet – ging es wohl durchaus darum, durch Reproduktionen die eigenen Werke zu popularisieren und besser Absatzmöglichkeiten zu erzielen. Spannend allerdings ist und kann im Kulturspeicher nachvollzogen werden: Bei Werken wie etwa der „Erschießung Kaiser Maximilians“ übernahm er zwar bei der Druckgraphik im Wesentlichen die Komposition des großen Ölgemäldes, veränderte aber Details.


Camille Pissarro fertige mehr als 200 Druckgrafiken, Edgar Degas noch viel mehr. Doch wurden die eigenen Gemälde eben nicht einfach kopiert, sondern fast immer variiert. Die meisten Werke von Degas tauchten übrigens erst nach seinem Tod im Nachlass auf – und waren damit sicher nicht für den Markt gemacht wie bei Manet. Dass tatsächlich der Reiz des Experiments wesentliche Motivation für Künstler war, die sich in jenen Tagen mit der Druckgrafik befassten, zeigt der Blick auf zwei große Impressionisten: Von Vincent van Gogh und Paul Gauguin existiert jeweils nur eine einzige Radierung, beide sind im Kulturspeicher zu sehen.


Ganz anders indes Felix Bracquemond. Der nämlich trat nie als Maler auf, er gilt als einer der wichtigsten französischen Graphiker des 19. Jahrhunderts. Nur wenige seiner Grafiken werden als impressionistisch bezeichnet. Sein Werk „La Terrasse de la Villa Brancas“, das Ehefrau Marie beim Zeichnen der Schwester zeigt und nun im Kulturspeicher zu sehen ist, könnte allerdings kaum impressionistischer komponiert sein.


Ein eigenes kleines Kabinett widmet sich dem Werk des US-amerikanischen Künstlers James McNeill Whistler. Der verbrachte ein gutes Jahr in Venedig und wollte die besondere Atmosphäre der Stadt einfangen mit ihren dunklen Gassen und abgelegenen Kanälen jenseits der großen touristischen Attraktionen. Dabei experimentierte er hochraffiniert, bestrich zum Beispiel eine Vogelfeder mit Farbe und fuhr damit noch einmal über die Druckplatte, um einen grauen Wasserschleier zu erschaffen.

Auch blickt die Ausstellung auf Werke von deutschen Impressionisten und ihren Wegbereitern. Da finden sich Max Slevogt, Max Liebermann oder Ernst Oppler, aber auch  weniger bekannte Künstler. Selbst ein waschechter Unterfranke wird mit verschiedenen Werken präsentiert: Ludwig von Gleichen-Russwurm. Der deutsche Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe kritisierte die fehlende Wertschätzung für den Künstler mit den Worten: Er sei es gewesen, der „zuerst ganz allein die Einführung des Impressionismus in die deutsche Malerei vollbrachte“. Von Gleichen-Russwurms Hauptaugenmerk lag übrigens auf einem weiteren typischen Thema der Impressionisten:  der Landschaft wie auch der hart arbeitenden Landbevölkerung. Viele Motive zeigen dabei seine Heimat, das Rhönland.

Der Artikel  ist unter anderem  in den Nürnberger Nachrichten erschienen-

Infokasten: Über die Ausstellung „Impressionismus schwarz/weiß“


Die Ausstellung „Impressionismus schwarz/weiß“ ist im Museum im Kulturspeicher in Würzburg bis einschließlich 20. November zu sehen. Öffentliche Führungen finden jeden Sonntag sowie am 3. Oktober und 2. November jeweils um 11.15 Uhr statt. Beim Kunstaperitif am 3. November um 18 Uhr wird es um den Maler „Whistler in Venedig“ gehen. Im weiteren Rahmenprogramm: Workshops zur Druckgraphik am 1. Oktober und 13. November und ein mehrtägiges Symposium „Universum Tiefendruck“ mit praktischem Ausprobieren, kreativem Austausch, Führung und Vortrag vom 31. Oktober bis 4. November (Details: www.bbk-unterfranken.de). Zur Ausstellung ist ein 152seitiger Katalog erschienen. Öffnungszeiten des Museums im Kulturspeicher: dienstags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs von 11 bis 18 Uhr, donnerstags von 11 bis 19 Uhr, sowie Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr.