Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Impfungen: Schutz fürs Kind und für die „Herde“
Der Kinderarzt und Spezialist für Infektionskrankheiten, Professor Dr. Liese, ist vom Nutzen
flächendeckender Impfungen zwar überzeugt, lehnt eine Impfpflicht in Deutschland aber trotzdem ab


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Die einen sehen in Impfungen eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin und fordern die Impfpflicht. Impfgegner dagegen verweisen auf Risiken. Die kontroversen  Debatten verunsichern vor allem viele Eltern kleiner Kinder. Professor Dr. Johannes G. Liese arbeitet als Oberarzt an der Kinderklinik des Universitätsklinikums Würzburg, leitet dort die Pädiatrische Infektiologie und Immunologie, und ist derzeit Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Zwar ist der Spezialist auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten vom Nutzen flächendeckender Impfungen überzeugt, lehnt aber trotzdem eine Impfverpflichtung ab.  


Warum sollten Eltern ihre Kinder gegen Krankheiten wie Masern, Röteln & Co. impfen lassen?

Professor Dr. Johannes G. Liese: Krankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln verlaufen meist, aber eben nicht immer harmlos. Mit teils schweren Komplikationen wie Gehirnentzündung  wurden wir Kinderärzte vor allem früher, als es noch keine Impfungen gab,  regelmäßig konfrontiert. Diese Fälle können verhindert werden, denn der wirksamste Schutz ist nun mal das Impfen.  Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Es geht um den Herdenschutz. Lassen sich gesunde Menschen impfen, schützt dies Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Damit meine ich ältere und kranke Menschen ohne Impfschutz, aber vor allem auch Säuglinge, die noch nicht geimpft werden können. Und schließlich können wir durch flächendeckende Impfungen eine regionale Erreger-Eliminierung sowie eine weltweite Erreger-Ausrottung bewirken. Bei den Pocken ist dies gelungen. Es ist erklärtes Ziel der WHO,  weltweit die Kinderlähmung  (Polio) endlich auszulöschen. Dies ist möglich, so gibt es in Deutschland  seit 20 Jahren keinen Fall mehr von Kinderlähmung.  


Sie sprechen sich trotzdem gegen eine Impfpflicht aus. Warum?

Liese: Zunächst ein Blick auf die Impfpflicht im Allgemeinen. In den neuen Bundesländern bestand bis zur Wende Impfpflicht, das heißt alle mussten mitmachen. Die Impfpflicht gibt es immer noch in verschiedenen  Ländern, aber sie ist in einem Gesundheitssystem, das auf einer informierten Entscheidung zur Prävention durch Impfungen beruht, gegenüber einer staatlich verordneten Pflichtimpfung nur schwierig durchsetzbar und kontrollierbar. Wir sollten nicht übersehen, dass wir in Deutschland allein durch die vorwiegend von Kinder- und Jugendärzten durchgeführte Aufklärung bei vielen Impfungen ebenfalls sehr hohe Impfraten  erreichen, das ist ein wichtiger Erfolg. Ich könnte mir vorstellen, dass eine Impfpflicht bei manchen Familien eher zur Ablehnung und mehr Skepsis führen würde. Deshalb ist es meiner Meinung nach richtig, dass Eltern gut aufgeklärt werden – und dann eine eigenständige, informierte Entscheidung treffen, ob ihr Kind geimpft wird.

Manche Kindergärten verlangen von den Eltern, dass sie einen Impfpass vorlegen. Ist das rechtlich überhaupt korrekt?

Liese: Ja, ist es. Staatliche Kindergärten können den Impfpass oder eine Kopie verlangen – zum Beispiel um zu wissen, ob Kinder gegen Tetanus geimpft sind; das ist ja auch für die Notfallversorgung von wichtiger Bedeutung. Impfungen fordern können Sie jedoch nicht. Anders sieht dies bei privaten Einrichtungen aus, hier kann ein Kind abgewiesen werden, wenn empfohlene Impfungen fehlen.


Sie sagen, die Rate jener Eltern, die Impfungen generell ablehnen, ist bei uns eher gering. Wie kommen dann die Lücken im Impfsystem zustande?

Liese: Gerade hier in Bayern haben wir tatsächlich erhebliche Impflücken. Häufig liegt dies daran, dass Impfungen vergessen werden, oder auch verschoben werden. Zum Teil tragen wir auch noch an „Altlasten“, so ist die Masernimpfung deutlich angestiegen, viele junge Erwachsenen jedoch nicht ausreichend geschützt, da sie die notwendige zweite Masernimpfung nicht erhalten haben.   Auf Impfskeptizismus treffen wir immer wieder, auf eine absolute Impfverweigerung dagegen selten. Diskussionen zum Thema werden heute wesentlich rationaler geführt als noch vor einigen Jahren.  Ein weiteres Problem ist: Manche Hebammen empfehlen Eltern immer noch, Babys im ersten Lebensjahr nicht zu impfen. Das ist heute kein Standard mehr. Viele staatliche Stellen bemühen sich auch deshalb, Zugang zu den Ausbildungsstellen der Hebammen zu bekommen. Eltern verunsichern solche Informationen gerade kurz nach der Geburt immens.


Lassen Sie uns über Fakten reden: Wie lassen sich Impferfolge anhand von Zahlen belegen?

Liese: Zwei Beispiele: Bevor geimpft wurde, erkrankten jährlich zwischen 600000 und 800000 Kinder jedes Jahr an Windpocken. Bei den meisten verlief die Krankheit unproblematisch, aber 1500 kamen im Schnitt in die Klinik und fünf bis zehn Kinder starben. Das waren fünf bis zehn Kinder zu viel.  Bei Masern kommt auf 1000 Erkrankte ein Todesfall. Bei durchschnittlich 800000 Geburten in Deutschland wären das also 800 Todesfälle durch Masern pro Jahr ohne Impfungen. Überwiegend werden diese heute durch die Impfung verhindert, aber wie gesagt, es gibt noch Lücken im Schutzschild.


Trotzdem können Nebenwirkungen nicht völlig ausgeblendet werden…

Liese: Das stimmt natürlich, kein Impfstoff ist ohne Nebenwirkungen. Dafür ein Blick auf die Impfstoffe selbst. Geimpft wird mit abgeschwächten oder abgetöteten Erregern. Dadurch werden körpereigene Abwehrkörper aufgebaut und unser Körper bildet Antikörper und Gedächtniszellen. Nebenwirkungen wie Rötungen und Schwellungen an der Impfstelle oder auch Fieber sind eine häufige Reaktion. Aber wir müssen das Verhältnis von Nutzen und Risiko betrachten. Bei einer Masern-Erkrankung treten bei 98 von 100 Patienten Fieber und Exantheme auf. Nach einer Impfung leiden dagegen nur 5 bis 10 Prozent an Fieber. Einer von 1000 Erkrankten stirbt, wenn er an Masern erkrankt. Nach einer Impfung mit Masern kommt es weder zu Todesfällen noch zu bleibenden Schäden.


Impfskeptiker stellen die Hypothesen auf, eine Zunahme Hyperaktivität oder auch Allergien könnte mit Impfungen zu tun haben. Was ist dran?

Liese: Tatsächlich haben viele Studien untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen Hyperaktivität, aber zum Beispiel auch Autismus und MMR und Impfungen besteht. Keine dieser Studien konnte diese Hypothesen jedoch belegen. In Sachen Allergien wurden Probanden direkt nach der Wende in den alten und neuen Bundesländern untersucht. Heraus kam: Durch die Impfpflicht waren in den neuen Bundesländern viel mehr Menschen geimpft und trotzdem litten gleichzeitig weniger Menschen unter Allergien. Experten führen dies übrigens darauf zurück, dass die Kinder im Osten in den Kindergrippen früh mehr Infekte durchgemacht haben.  Die Impfungen hatten also nachgewiesener Maßen keinen Effekt auf die Allergiehäufigkeit.


Gegen welche Krankheiten sollten Eltern Kinder auf jeden Fall impfen lassen?

Liese: Die beste Orientierung bietet der so genannte Impfkalender, dieser ist sehr weitreichend. Hier ist genau festgelegt, wann sich Babys, Kinder und Erwachsene gegen welche Krankheiten impfen lassen sollten (siehe Grafik). Diese Impfungen werden übrigens bei uns von den Krankenkassen gezahlt. Das wissen wir hierzulande oft gar nicht zu schätzen, in anderen Ländern müssen Eltern Impfungen zum Teil oder auch komplett  selbst finanzieren.


Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Was verändert sich in Sachen Impfungen?

Liese: Wissenschaftler arbeiten seit geraumer Zeit zum Beispiel an Impfungen gegen bestimmte Krebsarten. So war die Hepatitis B Impfung die erste Impfung gegen Krebs, nämlich das durch Viren ausgelöste Leberkarzinom.  Seit wenigen Jahren ist die  Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs empfohlen, der durch das HPV Virus ausgelöst werden kann. Mädchen sollten sich vor dem ersten Sexualkontakt impfen lassen.  Weitere Impfungen gegen Krebs befinden sich in der Entwicklung, so zum Beispiel gegen das Prostatakarzinom. Aber auch bereits bestehende und erfolgreiche Impfungen gegen Infektionskrankheiten müssen immer wieder verbessert werden, einerseits hinsichtlich ihrer Verträglichkeit, andererseits auch hinsichtlich ihrer Wirksamkeit.  So hoffen wir beim Keuchhusten, dass bald eine wirksamere Impfung entwickelt wird, die dann einen besseren Langzeitschutz aufweist. Infektionserregern gelingt es immer wieder sich neu anzupassen und zu verändern, und so ist auch in der Impfprävention eine kontinuierliche Entwicklung wichtig.

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this

Der Artikel  ist unter anderem  im  Magazin „Gesundheit!“ erschienen.