Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Archiv. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Nürnberger Nachrichten

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Behinderte Menschen

Porter & Pin

Publik Forum

Oper & Tanz

Die deutsche Bühne

Main-Echo

Opernnetz

Griaß di’ Allgäu

Schönes Schwaben

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Begegnungen von Angesicht zu Angesicht
Das Projekt „Im Gegenüber“ fordert auf, auch fremde Mitmenschen wahrzunehmen – Projektionskunst
auf dem Kiliansdom in Würzburg als Auftakt zu großer Veranstaltungsreihe


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Es sind fremde Menschen, die auf der Fassade der Kiliansdoms im unterfränkischen Würzburg aufblitzen. Die mal dominant das Mauerwerk überlagern, mal wie durchsichtige Geister mit der Außenhaut des Sakralbaus zu verschmelzen scheinen. Und vielleicht gerade, weil dies völlig Fremde sind, ziehen sie die Blicke an. Man fragt sich, warum der junge Mann so nachdenklich schaut, weshalb der Blick der Frau verträumt in die Ferne schweift, warum die zwei Männer den Blick voneinander abwenden. Noch bis Ende Februar werden die riesigen projektierten Gesichter auf der Westfassade des Doms die Aufmerksamkeit der Passanten fesseln. „Im Gegenüber“ haben die beiden Künstler Katharina Veldhues und Gottfried Schumacher ihre speziell für den Kiliansdom entwickelte Projektion betitelt. Das Projekt bildet die Auftaktveranstaltung zu einer ganzen Veranstaltungsreihe der Diözese Würzburg mit Kunst, Musik und Vorträgen bis in den Sommer.  


Der offizielle Startschuss fiel beim politischen Aschermittwoch der Künstler. Zu den ersten Projektionen tönte vor dem Dom Gerhard Stäblers Komposition für fünf Blechbläser „… im Spalier…“, dazu regnete es in der Performance „wenn das Glückliche fällt“ von Stäbler sowie seinem Kollegen Kunsu Shim Alltagsgegenstände auf den Domvorplatz – vielleicht auch ein Stück weit als Sinnbild, sich in der Fastenzeit von altem Ballast zu befreien um den Blick wieder frei zu machen für Wesentliches. Denn der Dauerblick aufs Handy, soziale Medien als Ersatz für echte Begegnungen und Selbstverliebtheit verstellen diesen zunehmend und verhindern, Mitmenschen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen und Empathie zu entwickeln.


Zielsetzung des Projekts „Im Gegenüber“ ist es, ein Stück weit Einfluss auf diese Blickrichtung zu nehmen. Vor einigen Jahren hatten Katharina Veldhues und Gottfried Schumacher das Turiner Grabtuch als Original im Turiner Dom gesehen, waren tief beeindruckt. Das gab den Anstoß, dass sich das Künstlerpaar intensiver mit dem Angesicht des Menschen von heute auseinandersetzte. Dabei arbeiten die Beiden schon seit Mitte der 90er Jahre  an Projektionen, präsentieren immer wieder auch im Außenraum. Und so sind es eben nicht einfach nur Bilder, die da auf der Domfassade aufblitzen. Fotografie und Mauerwerk verschmelzen, Illusion und Realität fließen ineinander. Durch diese Verfremdungseffekte werden Blicke angezogen – und die Gesichter unbekannter Menschen geben ja vielleicht wirklich manchem Passanten den Anstoß, das fremde Gegenüber wieder bewusster wahrzunehmen.


Als 2014 erste Überlegungen zum Projekt entwickelt wurden, habe man noch nicht geahnt, welche Aktualität das Thema „Im Gegenüber“ 2015 und 2016 entwickeln würde, sagt Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen mit Blick aufs Thema Flüchtlinge. Es gehe darum, das Gegenüber wahrzunehmen, es zu respektieren, ihm die Würde zukommen zu lassen, die ihm zustehe. Würde sei dabei kein Akt der Gnade, sondern eine selbstverständliche Folge des Glaubens – unabhängig von Geschlecht, Religion, Nationalität oder sozialem Status. Es gehe um ein Du und Wir statt um Ab- und Ausgrenzungen. Und letztlich darum, im Gegenüber sich selbst zu erkennen.


Die Gesichter unbekannter Menschen auf der Fassade des Kiliansdoms fordern auf, Mitmenschen wieder bewusster wahrzunehmen.

r

Fotos: Michaela Schneider


Infokasten: „Im Gegenüber“ – ein Programmüberblick


Der Mensch kommt zu sich selbst, indem er aus sich herausgeht und sich „Im Gegenüber“ findet: Unter diesem Motto steht eine ganze Veranstaltungsreihe der Diözese Würzburg bis in den Sommer 2016. Bis Ende Februar wird täglich zwischen 19 und 24 Uhr die Projektion von Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher auf der Westfassade des Kiliansdoms zu sehen sein. Am 26. Februar eröffnet im Museum am Dom die Ausstellung „Den Anderen Wahrnehmen“ mit Werken der mongolischen Künstlerin Bar-Amgalan Orsoo. Zwischen dem 29. April und 28. August heißt es im Museum an Dom dann „Angesichts – Bilder von Menschen“. Ausgesuchte Beispiele alter Kunst führen hin zum Schwerpunkt der Sonderausstellung mit Selbstbildnissen und Porträts von Künstlern der Moderne und Gegenwart. Verschiedene Konzerte – konzeptionell von den beiden international bekannten Komponisten Gerhard Stäbler und Kunshu Sim verantwortet – ergänzen das Ausstellungsprogramm. Unter anderem wird vom 16. bis 18. Juni ein Musikkarren durch Würzburg fahren, das Szenario „NachtTagBrücke – Aktion für fahrendes Volk, die 12“ mitentwickelt hat der einstige Intendant des Mainfranken Theaters, Hermann Schneider. Zahlreiche Abendgespräche, Foren und Vorträge beleuchten verschiedene Aspekte wie Flucht und Zuwanderung, Gastfreundlichkeit oder Autismus. Filmaktionen in Zusammenarbeit mit dem Programmkino Central kommen hinzu. Programmdetails unter www.domschule-wuerzburg.de

Der Artikel ist unter anderem im Main Echo erschienen.