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Ein Hundemorgen

 

von Michaela Schneider

 

„Maximilian, der Hund will raus!“. Maximilian verdrehte die Augen und zog sich die Bettdecke über den Kopf, als er seine Mutter rufen hörte. Klar, der Zwölfjährige mochte Flöckchen. Und eigentlich hatte er’s anfangs ganz cool gefunden, den White Terrier des Nachbarn übers Wochenende zu hüten.  Als er’s in der Schule erzählt hatte, war das noch dazu bei den Mädels ziemlich gut angekommen. Die süße Clara hatte sogar schon gefragt, ob sie einmal mit Gassi gehen dürfe…

 

Aber jetzt, der Uhrzeiger tickte gerade auf 6.30 Uhr, verfluchte Maximilian seine vorschnelle Zusage.  „Samstage sind zum Ausschlafen da“, brummelte er ins Kopfkissen – und quälte sich schließlich doch aus der wohligen Bettwärme. Mit Mütze, dickem Anorak, Handschuhen und verschlafenem Blick stand der Junge kurz darauf an der Haustür, während Flöckchen aufgeregt um ihn herumwuselte. „Wie kann man nur mitten in der Nacht so drauf sein“, sagte Maximilian zu dem weißen Energieknäuel, Flöckchen antwortete mit drei freudigen Kläffern. Der Junge murmelte zu sich selbst: Beknackter Morgen, beknackte Winterkälte, beknackte Frischluft.“

 

Zielsicher steuerte der White Terrier draußen in Richtung Felder, Max ließ sich an der Leine mitziehen. „Hauptsache, Du weißt, wo Du hinwillst“, brummelte er dem wuseligen Flöckchen zu. Der Terrier drehte sich zu seinem Wochenendherrchen um. Das guckte immer noch ganz trüb aus der Wäsche. Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt, dachte sich der Terrier. Spürte der Mensch denn nicht die angenehme Winterkälte in seinem – zugegeben komischem – Fell? Fühlte er unter den Pfoten nicht die wohlig-erdige Freiheit? Und sah er nicht, welche Überraschungen Mutter Natur an diesem Morgen bereit hielt? Nun gut, eine echte Hundeaufgabe – dann würde Flöckchen ihn wohl mit der Schnauze darauf stupsen müssen!     

 

Zuerst zog der quirlige Terrier sein Wahlherrchen zu der alten Linde und lauschte dem melodischen Morgenkonzert der Singvögel. Als er die drei Hasen im Feld entdeckte, bellte Flöckchen diesmal nicht, sondern blieb stehen und stupste Maximilian mit der Schnauze an, bis auch der Bub die lustigen Gesellen beim Frühsport bemerkte. Dann steuerte er zur verlassenen Hütte, an dessen Dach Väterchen Frost geheimnisvolle Eiszapfen aufgehängt hatte. Und auch am See blieb Flöckchen heute länger als sonst stehen und blickte auf die magisch-spiegelnde Eisfläche. Dann drehte der Terrier den Kopf zu dem Buben und kicherte ein leises „Wif-wif-wif“. Maximilian schaute gar nicht mehr verschlafen, ging dann in die Hocke und streichelte Flöckchen grinsend, aber auch ein bisschen verwirrt über den Rücken und sagte: „Manchmal hab ich das Gefühl, Du kannst denken wie ein Mensch.“ „Menschen!“, dachte sich Flöckchen.

 

Für den nächsten Morgenspaziergang hatte der Hund bereits den nächsten Plan. Ein paar Häuser weiter wohnte Clara, ein ziemlich süßes Menschenmädchen. Clara war ein Frühaufsteher und ging gern im Stadtpark spazieren. Und eigentlich passte sie ziemlich gut zu Maximilian….

 

Die Kurzgeschichte ist im Liboriusblatt erschienen