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Wo heute im Gasthaus gespeist wird, markierten rote Laternen in der Würzburger Pleich einst das Rotlichtviertel. Gästeführerin Monika Kania-Doerck erzählt von acht Jahrhunderten käuflicher Liebe in Würzburg.

Foto: Michaela Schneider

 

Von strenger Moral und verborgenen Winkelbordellen
Stadtgeschichte
Gästeführerin Monika Kania-Doerck erzählt
am Sonntag,  26. Mai, von käuflicher Liebe in Würzburg in acht Jahrhunderten

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Eigentlich wollte Frau Fuchs einen Unterschlupf für Mädchen ab 14 Jahren schaffen. Die Kinder lernten bei ihr nähen und haushalten und hatten ein Dach über dem Kopf. Doch als die edle Dame starb, wurde das Haus rasch zweckentfremdet: Im Inneren Graben entstand mit dem „Frauenhaus zum Esel“ eines der frühesten bekannten Würzburger Bordelle. Unter dem Titel „Würzburg horizontal – Käufliche  Liebe in acht Jahrhunderten“ wird Gästeführerin Monika Kania-Doerck am Sonntag, 26. Mai, durch Würzburg führen. Die 62-jährige Kunsthistorikerin, Theologin und Volkskundlerin wird zum Beispiel erzählen, wie sich Badestuben zu Amüsement-Häusern wandelten, wie es fürstbischöfliche Obrigkeiten mit der Moral hielten und wie streng Liebe ohne Hochzeit einst geahndet wurde.

 

Fakt ist: Öffentliche Badehäuser waren im Mittelalter ein fester Bestandteil städtischer Kultur – und zwar zunächst ohne Hintergedanken. So verschenkten etwa die Reichen Bäder an die Armen, als Gegenleistung mussten die Armen für die Reichen beten. In Würzburg gab es in fast jeder Straße Badestuben, weiß Kania-Doerck, allein zum Bürgerspital gehörten zwei. Klar geregelt war zunächst: Nur Ehepaare durften sich eine Wanne teilen, doch sollten sich die Sitten lockern: „Irgendwann fielen die Wände weg und Bademädchen kamen zur Unterhaltung vorbei“, sagt die Gästeführerin.  

Daneben entstanden private Bordelle - wohl nicht zuletzt, weil aufgrund strenger Heiratsordnungen mancher junge Mann ohne Ehefrau blieb.  Prostitution war erlaubt – allerdings mit klaren Einschränkungen: Verboten war unter anderem der Besuch im Liebeshaus vor hohen Feiertagen – und auch verheiratete Männer durften nur das eheliche Bett teilen. Zum Verhängnis wurde dies 1446 dem Würzburger Fritz Heim. Der nämlich war verheiratet – und wurde noch dazu am Abend vor St. Kilian im Bordell ertappt.

 

Begleiterscheinungen der lockeren Moral ließen nicht lange auf sich warten: Syphilis, die „Newe Krankheit“, breitete sich zunehmend aus. Politik und Kirche schritten nun gegen den Sittenverfall ein. Zum Beispiel Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg. Ehe dieser im gesegneten Altern von 95 Jahren verstarb, kümmerte er sich laut Kania-Doerck kurz vor seinem Tod  noch rasch um eine Kleiderordnung für Prostituierte. Detaillierte, strikte Vorgaben verboten unter anderem mit Seide gefütterte Röcke, Verzierungen und Gold in Schleiern. „Unterm Strich blieb den Frauen nicht mehr viel über, als eine Kutte zu tragen“, sagt die Gästeführerin. Doch hatten nicht alle Würzburger Obrigkeiten eine reine Weste: Lorenz von Bibra zum Beispiel, seit 1495 Fürstbischof, erkrankte selbst an Syphilis. Wo er sich die Geschlechtskrankheit einfing, weiß man nicht.  

 

Interessant übrigens ist: Als die käufliche Liebe in die Illegalität gedrängt wurde, prognostizierten gerade viele Theologen, dass die Aufgabe der kontrollierten Prostitution ein schlimmes Ende nehmen werde. Ende des 17. Jahrhunderts wurden auch Badehäuser wegen ansteckender Krankheiten komplett verboten.

 

Sehr streng achtete die Obrigkeit nun auf die Sittsamkeit der Bürger. So ist aus Würzburg bekannt, dass auch ehrbare Frauen in den Rathaussaal zitiert wurden, wenn sie sich sehr schick kleideten. Liebespaare wurden geahndet – mit ausufernder Gesetzesauslegung. Heiratete  ein Paar im protestantischen Randersacker, wurde die Ehe im katholischen Würzburg nicht anerkannt und das Paar machte sich laut Kania-Doerck der Prostitution strafbar. Banden auf dem Land machten sich das Prostitutionsverbot sogar zum Geschäft: Sie sorgten dafür, dass Mädchen junge Burschen verführten – und erpressten die Männer anschließend.

 

Doch auch wenn Prostitution verboten war: Käufliche Liebe gab es weiterhin – und die Freier wussten zu gut, dass die Mädchen nun in verschwiegenen Winkelbordellen und an den Eingängen zur Stadt, in Würzburg zum Beispiel beim Botanischen Garten, zu finden waren. Ziemlich verärgert war man in der Bischofsstadt übrigens, als der Schriftsteller Leonhard Frank in seinem Roman „Räuberbande“ Anfang des 20. Jahrhunderts das Treiben in den Bordellen auf der anderen Mainseite beschrieb – quasi vis-a-vis zum Dom.

 

Noch erinnern wird sich mancher Würzburger daran, dass bis in die 80er Jahre rote Laternen die Häuser in der Pleich zierten. Hierhin hatte sich das Rotlichtviertel im 19. Jahrhundert verlagert. Heute indes finden sich rote Laternen vor allem in der Gattingerstraße und zum Beispiel in der Paradiesstraße im Gebiet „Neuer Hafen“.

 

Infokasten: „Würzburger StadtVERführungen“

 

Die Stadtführung „Würzburg horizontal – Käufliche Liebe in acht Jahrhunderten“ mit Gästeführerin Monika Kania-Doerck findet am kommenden Sonntag, 26. Mai, um 15 Uhr statt. Treffpunkt: der Vierröhrenbrunnen in Würzburg. Weitere StadtVERführungen mit dem Würzburger Gästeführer e.V. immer sonntags.  Themen und Treffpunkte im Internet unter www.wuerzburger-gaestefuehrer.de

 

Der Artikel ist unter anderem in der Tauberzeitung erschienen.