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Zwei Ohren sind besser als eines
Mediziner setzen heute auf eine Versorgung beider Ohren mit Hörsystemen - Zusammenspiel
der Ohren ist unter anderem wichtig für Orientierung,  Lokalisation von Schallquellen und Richtungshören


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Ein oder zwei Hörgeräte: Diese Frage stellen sich viele Hörgeschädigte. Zwei Ohren sind besser als eines, war jetzt die klare Aussage der Referenten bei der Veranstaltung „Update Hörsysteme“ des Comprehensive Hearing Centers am Würzburger Universitätsklinikum.  Auch bei Implantaten und Hörgeräten empfehlen die Experten eine Versorgung beider Ohren. Denn: Damit lässt sich`s nicht nur besser hören, selbst bei Störgeräuschen. Das Zusammenspiel der Ohren ist zudem wichtig für die Orientierung, die Lokalisation von Schallquellen und fürs Richtungshören.


Zunächst ein Blick aufs Thema Hörverlust im Allgemeinen. Dieser gilt als Volkskrankheit, mehr als 40 Prozent der Erwachsenen über 65 Jahren sind mehr oder minder stark betroffen. Nach Auskunft des Deutschen Gehörlosen-Bundes gibt es in Deutschland 80000 Gehörlose – also Menschen, die aufgrund einer Hörschädigung vorwiegend in Gebärdensprache kommunizieren.  Schwerhörig indes sind zwischen 14 und 16 Millionen Deutsche. Die gute Nachricht ist: Hörschädigungen lassen sich in vielen Fällen behandeln – entweder mit einem Hörgerät oder aber mit Implantaten. Hinzu kommt in immer auch ein  individuelles Hörtraining, denn den komplexen Vorgang des Hörens muss der Körper erst wieder lernen.


Früher war es üblich, die Hörfunktion auf dem „besseren“ Ohr wieder herzustellen. Das hat sich inzwischen verändert, Studien aus gut 30 Jahren belegen, dass Menschen mit so genanntem „binaurealen“ Hörverlust besser hören, wenn beide Ohren wieder funktionstüchtig gemacht werden. Experten gehen inzwischen davon aus, dass bilaterales Hören in Ruhe rund zehn Prozent und im Störschall rund 20 Prozent zusätzliches Verständnis nach sich zieht.  


Doch nicht nur das: Nur wer mit zwei Ohren hört, kann zum Beispiel Schallquellen lokalisieren. Zwei Punkte spielen dabei eine Rolle laut Dr. Andreas Radeloff, Leiter des Schwerpunktes Cochlea-Implantate und Hörprothetik am Universitätsklinikum Würzburg: Der Schall erreicht das eine Ohr früher als das andere und ist zudem lauter als auf der anderen Seite. Das Gehirn reagiert sofort und errechnet aus der Differenz die Position der Schallquelle. Eine Meisterleistung, denn selbst Abweichungen von drei Grad werden erkannt beim voll funktionierenden Gehör.  


Nach dem gleichen Prinzip trennt das Gehirn in schwierigen Hörsituationen wichtige Geräusche von Störquellen, Experten reden sehr anschaulich von der so genannten „Cocktailparty-Situation“. Obwohl auf einer Party alle durcheinander reden, gelingt es, sich auf einen Gesprächspartner zu konzentrieren. Hörgeschädigte kommen zwar häufig in einer ruhigen, nicht aber  in einer lauten oder auch nachhallenden Hörumgebung klar. Heißt auch: Wer nur mit einem Ohr hört, muss sich viel intensiver konzentrieren. Das strengt an und ist gerade bei Kindern ein wichtiges Thema: Mit zwei funktionierenden Ohren steigt in der Schule die Konzentrationsfähigkeit, zeigen Untersuchungen.


Hinzu kommt laut dem Mediziner Radeloff zudem: Wird nur ein Ohr versorgt, sollte dies die „bessere Seite“ sein. Die herauszufinden ist allerdings kaum möglich, wie Tests an der Klinik ergaben. „Bei knapp der Hälfte unserer Patienten funktioniert das zweite Cochlea-Implantat besser als das erste, das wir zunächst für das das bessere hielten“, so Radeloff. Heißt im Umkehrschluss: Fast die Hälfte der Patienten wäre bei nur einem Implantat nicht optimal versorgt worden. Beidseitig ertaubte Erwachsene rüstet die Würzburger Universität deshalb bereits seit 1995 mit beidseitigen Cochlea-Implantaten( CI) aus, Kinder seit 1998. Implantiert werden kann in einer Operation. Zwar dauert diese länger, zieht jedoch nur einen Krankenhausaufenthalt nach sich, die Anpassung und auch die Rehabilitation erfolgen in einem Aufwasch.


Seit einigen Jahren setzen sich die Würzburger Mediziner zudem auch bei einer einseitigen Ertaubung für eine Implantation ein, um das binaurale Hören wiederherzustellen: Erwachsene werden seit 2004 versorgt, Kinder seit 2011. Die Argumente der Ärzte: Kinder, die nur einseitig hören, sind im Schulalltag benachteiligt. Und in jedem Alter gehen mit einer einseitigen Ertaubung eine Gefährdung im Straßenverkehr, Hörprobleme bei Störgeräuschen und fehlendes Richtungshören einher. Ein Thema ist nach wie vor die Kostenübernahme. Die Anerkennung durch die Krankenkassen werde besser, so Radeloffs Erfahrung. Die klar Position indes am Universitätsklinikum: „Wir sind der Meinung, dass jeder Patient ein Anrecht auf ein beidseitiges CI hat.“


Dabei sind Cochlea-Implantate eher die Ausnahme, weltweit sind derzeit rund 400000 Menschen damit versorgt. Bei den meisten Patienten mit Hörproblemen reicht in der Regel ein Hörgerät. Das Angebot an Systemen ist dabei groß laut Dr. Mario Cebulla, Leiter des Schwerpunktes Experimentelle Elektrophysiologie am Universitätsklinikum Würzburg. Die Geräte unterscheiden sich in Bauart, Technologie und Anpassung. Die meisten Patienten hoffen auf ein möglichst kleines Gerät, je nach Erkrankung braucht es aber Volumen, um entsprechende Technik und Leistung darin unterzubringen. Letztlich wird von Fall zu Fall entschieden, welches Gerät sich optimal für den Patienten eignet.


Auf alle Fälle ein Fortschritt: Auch bei Hörgeräten setzt man heute auf die Versorgung beider Ohren. Der Datenaustausch der Geräte im linken und rechten Ohr funktioniert dabei drahtlos, das binaurale Hören eines gesunden Menschen wird nachgeahmt.  

Der Artikel  ist unter anderem  im Magazin „Gesundheit!“  erschienen.

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Infokasten: Wie unser Gehör funktioniert


Das Gehör gilt als der differenzierteste Sinn des Menschen – und bis hin zum fertigen Ton ist`s ein komplexer Weg. Zunächst einmal nimmt das Ohr einen schwankenden Luftdruck wahr, Schallwellen wandern von der Ohrmuschel durch den Gehörgang bis zum Trommelfell und versetzen es in Schwingung. Ertastet, weitergeleitet und ans Innenohr übertragen wird diese im nächsten Schritt über die kleinen Gehörknochen Hammer, Amboss und Steigbügel. Im Innenohr befindet sich dann die Gehörschnecke, diese wiederum enthält Perilymphe. Dabei handelt es sich um eine Flüssigkeit, die vom Steigbügel zusammengedrückt wird. Eine Welle entsteht und erregt die so genannte Basilarmembran. Mit ihr sind Haarzellen verbunden, die sich nun bewegen – und die Bewegung schließlich löst Nervenimpulse aus, die im Gehirn den Eindruck von Tönen entstehen lassen.