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Hitzewallungen und Hormonchaos
Komödie Spessartgrotte in Langenprozelten bringt Dora Heldts Bestsellerroman
„Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ aus Schauspiel auf die Bühne


Von Michaela Schneider

Langenprozelten Gefühlte 2000 Hitzewallungen plagen Doris Goldstein-Wagner Tag für Tag. Die Wechseljahr-Nebenwirkung redet sie sich kurzerhand schön mit dem Satz „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“. Jetzt ist die gleichnamige Komödie nach dem Bestseller von Dora Heldt in der Spessartgrotte in Gemünden-Langenprozelten zu sehen, Regie führt Helga Hartmann. 2011 hatte das Buch den Sprung auf Platz 1 der Bestseller-Listen geschafft - und erobert seit geraumer Zeit auch als Schauspiel kleine und größere Bühnen.


Zum Inhalt: „Mit 50 merkt man als Frau, dass die besten Jahre vorbei sind“, beklagt Doris (Iris Katzer) frustriert. Man fühle sich wie Jennifer Lopez – und sehe aus wie Mutter Beimer. Kurzerhand beschließt sie, einer Geburtstagsparty im Familienkreis zum Runden zu entfliehen. Stattdessen lädt sie die einst besten Schulfreundinnen Anke (Tanja Green) und Katja (Astrid Andresen) zum Wellnessurlaub an die Ostsee ein. Bald zeigt sich, dass bei den drei Frauen nicht alles im Leben rosig gelaufen ist, auch manche Sünde der Vergangenheit kommt ans Tageslicht. Dramatisch? Ganz und gar nicht, denn die drei Frauen merken, dass älter werden mit allen Höhen und Tiefen etwas Wunderbares sein kann.


Gespielt wird im recht schlichten Bühnenbild – drei Wände und diverse, wechselnde Sitzgelegenheiten genügen. Stattdessen spielt Andy Hartmann mit Licht, Farbe und Schatten – lässt etwa vor projektiertem Sternenhimmel turteln oder hinter der Leinwand wie im Schattenspiel agieren. Mehr braucht es nicht, die gut gemachten Effekte werten die kleine Bühne auf. Zudem liegt der Fokus so erst recht auf der quirligen Handlung.


Katzer, Green und Andresen sind gut in den Rollen der drei Freundinnen. Die erste, Iris Katzer als Doris, stolpert - „nicht verrückt, sondern verhaltensoriginell“ – von einer Stimmungsschwankung in die nächste; die zweite, Tanja Green spielt wunderbar witzig die kurzsichtige, biedere Anke – und verwandelt sich im Laufe des Abends mit blonder Perücke in einen urkomischen Miss-Piggy-Verschnitt; und die dritte, Astrid Andresen, geht in der Rolle der gealterten, aber immer noch attraktiven Katja auf – kein Wunder, die hält sich schließlich mit jüngeren Männern und Sex fit. Alle drei spielen überdreht, doch liebenswert.


Die eigentlichen Bühnenstars des Abends sind allerdings Michel Schäfer und Grazia Dominante, die jeweils gleich in vier Rollen schlüpfen. Als Pseudo-Italiener Rinaldo lässt Schäfer unter anderem mit hochgezogener Augenbraue prüfend den Blick über die Damen schweifen – und entpuppt sich als Sachse. Als Georg schmachtet er versonnen grinsend Anke an. Noch spaßiger wird es, als er als hessischer Tattergreis und Ex-Liebhaber von Katja auftritt. Als ähnlich wandlungsfähig entpuppt sich Grazia Dominante – ob als naive Angelique oder als Doris‘ herrische Mutter, bei der selbst der Pyjama farblich perfekt auf die rotbraune Perücke abgestimmt ist.


Ganz so pointiert-spritzig wie Dora Heldts Platz-1-Bestseller kommt das Schauspiel vielleicht nicht rüber. Trotzdem sind die Zuschauer in der Spessartgrotte gut unterhalten dank der hochengagierten Schauspieler. Vor allem nach der Pause nimmt die Komödie an Fahrt auf.


Dauer: 150 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen: 19 Uhr: 30. Oktober; jeweils 20 Uhr: 10. November, 2. Dezember, 7. Januar.

Wie in alten Schulzeiten: Anke (Tanja Green), Katja (Astrid Andresen) und Doris (Iris Katzer).


Fotos: Michaela Schneider


Der Artikel ist unter anderem im Main Echo erschienen.