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Stadt der 1000 Madonnen
Gästeführerin Christine Hofstetter erklärt zum katholischen Feiertag Maria
Himmelfahrt, warum unzählige Mariendarstellungen Würzburgs Hauswände und Kirchen zieren


Von Michaela Schneider

Würzburg Sie sind aus Stein oder Holz, zieren Hauswände, Kirchen oder Weinberge. Als Kunsthistoriker Rudolf Edwin Kuhn während des Zweiten Weltkriegs seine Dissertation über Würzburgs Hausmadonnen schrieb, zählte er in der Domstadt am Main an Hauswänden, in Kirchen und Weinbergen sage und schreibe fast 1000 Marienfiguren. Zum Kirchenfest Maria Himmelfahrt blickt die Gästeführerin Christine Hofstetter auf Würzburg und seine Madonnen.


Dass sich die 37-Jährige besonders für die Figuren interessiert und gleich zwei verschiedene Stadtführungen zum Thema anbietet, kommt nicht von ungefähr, denn: Ihre beiden Großmütter hießen einst Maria und so fielen ihr schon als Kind die unzähligen Madonnen in der Bischofsstadt auf. Warum aber prägt gerade Würzburgs Stadtbild eine solche Fülle an Mutter-Gottes-Bildnissen? Hofstetter versucht sich an einer Erklärung: „Würzburgs Fürstbischöfe hatten keine Ehefrauen, der Bevölkerung fehlte wohl das weibliche Element.“ Hinzu kam, dass die Stadt in ihrer zentralen Lage über die Jahrhunderte immer wieder in Kriegen belagert wurde und Maria als Schutzmadonna einen entscheidenden Platz einnahm.


Dabei reicht die Marienverehrung in Würzburg weit zurück in die Vergangenheit. Im Jahr 706 ließ Herzog Hetan II. auf dem Marienberg eine Kirche zu Ehren der Gottesmutter weihen. Das Gotteshaus auf dem Gelände der heutigen Festung Marienberg gilt als älteste Kirche Frankens. Zuvor, weiß Hofstetter, wurde an derselben Stelle eine heidnische weibliche Gottheit verehrt. Historisch belegt ist auch, dass in Franken bereits seit dem 9.  Jahrhundert die Himmelfahrt Mariens gefeiert wird.


Vor allem Julius Echter vom Mespelbrunn (1545 – 1617) trieb die Marienverehrung in der Stadt voran: Zwar war der Fürstbischof laut Hofstetter eigentlich sehr männerfixiert, die Marienverehrung nutzte er aber als Gegengewicht zur Reformation. Einen zusätzlichen Schub erfuhr diese im allgemeinem im Jahr 1571 durch die so genannte Seeschlacht von Lepanto: Christliche Truppen führten hier einen aussichtslos erscheinenden Kampf gegen die Türken, stellten die Schlacht unter den Schutz Marias und siegten völlig überraschend. Ein Gemälde dieser Ereignisse ist in Würzburgs Augustinerkirche zu sehen. Auch im 30-jährigen Krieg und während verschiedener Pestwellen suchten die Menschen Schutz bei Maria, legten Gelübde ab und stifteten als Dank Marienfiguren. Weitere Prägung erfuhr Würzburgs Stadtbild vor allem im 18. Jahrhundert: Durch den Residenzbau befanden sich unzählige Bildhauer in der Stadt. Für reiche Würzburger war es eine Frage der Ehre, die eigene Hauswand mit der Marienfigur eines Hofbildhauers zu zieren.


Unzählige Marienfiguren sollten allerdings 1945 dem Bombenangriff zum Opfer fallen. Einer, der nach dem Zweiten Weltkrieg unzählige Relikte der Volksfrömmigkeit rettete, war Kunsthistoriker Rudolf Erwin Kuhn. Im Fronturlaub war er laut Hofstetter über eine beschädigte Marienfigur gestolpert und schwor sich selbst: Sollten seine Eltern den Krieg überleben, wolle er die Madonna restaurieren. Nach 1945 zog Kuhn um die 40 Marienfiguren aus Schutt und Asche. Und auch seine Dissertation überstand den Krieg und wurde als Buch über die hiesigen Madonnen des Rokoko und Barock aufgelegt.


Ein Rundgang durch die „Stadt der 1000 Madonnen“ gibt Einblicke in verschiedene Kunstepochen und Marienmotive. So dreht sich zum Beispiel hoch oben auf der Marienkapelle auf dem Würzburger Marktplatz eine fünf Meter hohe Maria Immaculata. Errichtet wurde die Kirche seinerzeit mittels Spenden aus der Bürgerschaft. Kein Zufall mag dabei sein, dass die Marienfigur mit fünf Metern größer ist als die Madonna auf dem fürstbischöflichen Marienberg.  Auf der einen Seite Gegenpol zwischen Volk und Herrscher, auf der anderen Seite verbindendes Element. „Man sagt: Dreht sich die Maria auf der Marienkapelle in die richtige Richtung, grüßen sich die beiden Figuren“, so Hofstetter. Und noch mit einer weiteren Besonderheit kann die Kirche auf Würzburgs Marktplatz aufwarten: mit der so genannten „Würzburger Ohrempfängnis“. Weil sich die katholische Kirche schwer tat, die unbefleckte Empfängnis zu erklären, ließen sich die Würzburger Folgendes einfallen: Das Jesuskind rutscht auf der reliefartigen Darstellung über eine Art Rohr von Gott Vater direkt in Marias Ohr.


Nur wenige Schritte weiter strukturiert eine typisch barocke Madonna des Hofbildhauers Jakob van der Auvera mittig das Falkenhaus. In der Darstellung kombiniert werden Himmelfahrt und Krönung. Auffällig: Die Figur „trägt“ ein extrem dünnes Gewand, selbst ihr Bauchnabel zeichnet sich deutlich ab. Während die Falkenhaus-Madonna dem Typus der barocken Bürgersfrau nachempfunden ist, kann man zum Beispiel am Eck gegenüber der Neumünsterkirche eine sehr mädchenhafte Rokoko-Immaculata mit entrücktem Blick sehen. Das Kleid rutscht ihr über die Schulter, als Zeichen der Reinheit hält sie eine Lilie in der Hand. Ihr gegenüber indes ein ganz anderer Marientyp: eine in Ketten gewickelte Loretto-Madonna. Eine der bekanntesten Figuren dürfte die Immaculata auf der alten Mainbrücke sein: Ihr Haupt krönt ein Kranz aus zwölf Sternen. Eben diese Immaculata-Sterne sind heute übrigens auch auf der Europaflagge zu sehen.


Daneben begegnen Spaziergänger in Würzburg unzähligen Spezialtypen: der Madonna mit dem ersten Schritt etwa, das heißt, das Jesuskind lernt laufen; schwangeren Marienfiguren; oder auch der Schutzmantelmaria. Tatsächlich dürfte, wer einmal eine Madonnenführung mit Christine Hofstetter unternommen hat, künftig mit weitaus wacherem Blick durch Würzburg laufen. Denn auch, wenn nicht alle 1000 Madonnen die Zerstörung der Bischofsstadt1945 überlebt haben, prägen doch nach wie vor etliche Marienfiguren das Stadtbild.  

Der Artikel  ist unter anderem  im  Main-Echo erschienen.

Vielleicht Würzburgs bekannteste Marienfigur: die Madonna Immaculata auf der Alten Mainbrücke.


Alle Fotos: Michaela Schneider


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Infokasten: Zur Person Christine Hofstetter


Christine Hofstetter (37 Jahre) arbeitet eigentlich als Rechtspflegerin. Seit 2003 ist sie zudem geprüfte Gästeführerin und bietet, wie sie selbst sagt „als Abwechslung zum Aktenstaub“ 70 bis 80 Stadtführungen pro Jahr durch Würzburg an auf Deutsch, Englisch sowie Französisch. Unter anderem in ihrem Programm: Spezialführungen zu Würzburgs Stolpersteinen, dem Weg der Erinnerung, zu den Schönborns sowie zu Würzburgs Madonnen. www.wuerzburger-gaestefuehrer.de