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Fotos: Michaela Schneider

Kunst aus Wohnzimmern
Kunstverein Würzburg zeigt in der Ausstellung „Hier!“ Gemälde und Objekte aus Privatsammlungen


Von Michaela Schneider

Würzburg Wo sonst in Würzburgs Wohnzimmern zeitgenössische Kunst hängt, klafft derzeit an mancher Wand ein Loch. Der Grund: eine außergewöhnliche Ausstellung des Kunstvereins Würzburg. „Hier! Kunst aus Würzburger Privatsammlungen“ ist sie betitelt. In der örtlichen Presse hatte der Verein im Frühsommer Bürger aufgerufen, sich mit ihren zeitgenössischen Kunstschätzen zu bewerben. Rund 70 Sammler meldeten sich. Ein überregionales Kuratorium mit Mitgliedern des Kunstvereins, Künstlern und Kunstexperten wählte die 33 interessantesten Stücke aus. Diese sind nun bis einschließlich 6. November auf dem Kunstschiff Arte Noah im Würzburger Alten Hafen zu sehen.


Gleich zwei Anliegen verfolgt der Würzburger Kunstverein laut Kurator Christopher Knaus mit der ungewöhnlichen Ausstellung: Zum einen wolle man sich bewusst lösen, von einer reinen Mitgliederausstellung des „Kunstverein-Elfenbeinturms“. Und: „Wir wollten raus in die Stadt und jene Leute suchen, die nicht nur das Klischee des barocken Würzburgs erfüllen, sondern zeitgenössische Kunst besitzen“, sagt Knaus.


Einziges Kriterium war: Der Sammler muss aus Würzburg oder Umgebung stammen. Entsprechend bunt und spannend präsentiert sich nun die Ausstellung auf dem Kunstschiff Arte Noah.  Regionale Gemälde hängen neben überregionalen Werken. Objekte aus Stein, Glas und Metall stehen Seite an Seite. Abstraktes, Konkretes und Figürliches  lädt zum Betrachten ein.


Der wohl bekannteste Vertreter im Künstlerreigen dürfte der Maler und Bildhauer Rupprecht Geiger aus München (1908 – 2009)  sein. Das Spannende ist: Eigentlich sind die Geigerschen Werke meist in kräftigem Gelb, Rot Orange oder Pink gehalten. „Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft“, sagte der Künstler einst selbst. Auf dem Kunstschiff aber stehen zwei Drucke in Blau. „So kennt man Rupprecht Geiger eher nicht“, sagt Christopher Knaus. Er geht davon aus, dass es sich um sehr frühe Arbeiten des abstrakten deutschen Malers handelt.


Manchem Würzburger dürfte zum Beispiel auch die Künstlerin Heide Siethoff ein Begriff sein – bis 2006 lehrte sie an der Fachoberschule Würzburg Gestaltung. „Der Flügel der Nike von Samothrake“ ist ihr Werk in der Ausstellung betitelt und zeigt eine luftig-leichte Interpretation, vermutlich in Ölkreide, der gleichnamigen griechischen Skulptur der Siegesgöttin, die heute im Pariser Louvre steht. Und noch ein  regionaler Künstler reiht sich mit Thomas Mehrländer auf dem Kunstschiff ein, sein Werk lädt zum Grübeln und Philosophieren ein: Zwei Personen in Blau sitzen sich zugewandt dicht beieinander. Schrift zieht sich über das gesamte Gemälde. „Dies ist ein Bild und kein Text“, heißt es zunächst. Später dann wird die Aussage negiert mit den Worten „Das ist kein Bild und ein Text“. Spannend ist auch ein Blick in die Objekt-Ecke: Fast schon wie Streetart kommt der Abdruck eines Times-Square-Stückchens in New York daher, überzogen mit silbernem Autolack. „0,03 m² Times Square to go“ hat die Künstlerin Caro Jost ihr Werk entsprechend betitelt.


Was aber veranlasst Würzburger, ihre privaten Kunstwerke für die Ausstellung auszuleihen? Christopher Knaus konnte mit einigen Sammlern sprechen. „Die Leute wollen ihre Werke anderen Menschen an einem schönen Platz zeigen und sind stolz darauf“, so seine Beobachtung.


Ein Bild allerdings, das das Kuratorium eigentlich ausgewählt hatte, wird in der Ausstellung nicht zu sehen sein. Es gehört einem weit über 90-jährigen Herrn, dessen Frau vor kurzem erkrankt ist. Weil er nun allein in seiner Wohnung sei, wolle er zumindest sein Kunstwerk bei sich haben, entschuldigte er seinen Rückzieher. „Das ist für mich die schönste Lücke, die wir in der Ausstellung haben können. Denn diese Geschichte zeigt, eine wie enge Bindung zwischen Sammlern und ihren Kunstwerken besteht“, sagt Knaus.

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Der Artikel  ist im  Main-Echo erschienen.

Infokasten: Die Ausstellung „Hier!“


Die Ausstellung „Hier“ Kunst aus Würzburger Privatsammlungen“ kann bis einschließlich 6. November besichtigt werden, geöffnet ist donnerstags bis sonntags sowie an Feiertagen zwischen 15 und 18 Uhr. Führungen sind auf Anfrage möglich: kontakt@kunstverein-wuerzburg.de Die Finissage zur Ausstellung wird am Mittwoch, 6. November, um 19 Uhr stattfinden, dann wird auch die diesjährige Edition des Kunstvereins vorgestellt.