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„Ich wurde als Hexe verbrannt“
Sonderausstellung „Hexenwahn in Franken“ im Knauf-Museum in Iphofen rückt Einzelschicksale
in den Blickpunkt – Museumsleiter hofft, Forschung und Diskussion über unrühmliche Zeit anzustoßen


Von Michaela Schneider

Iphofen/Franken „Mein Name ist Barbara Hörnlein. Im Jahr 1582 klagte mich Herr Contz Hofmockel aus Weißenbronn an, dass ich ihn seiner männlichen Kräfte beraubt hätte“, spricht eine Frauenstimme im Audioguide. „Zehn Jahre habe ich vergebens für die Wiederherstellung meines guten Rufes gekämpft, aber Contz Hofmockel gab nicht nach. Schließlich erreichte er, dass ich in Langenzenn auf dem Scheiterhaufen als Hexe verbrannt wurde.“  Der Fall der Barbara Hörnlein ist in Franken alles andere als ein Einzelfall. Unzählige Frauen und Männer fielen dem Hexenwahn ab 1580 zum Opfer. Erst der Einmarsch der Schweden sollte das grausige Treiben weitgehend beenden.


„Hexenwahn in Franken“ ist nun eine Sonderausstellung im Knauf-Museum in Iphofen betitelt. Der Ansatz ist spannend: Auf 360 Quadratmetern Ausstellungsfläche lassen die Organisatoren Museumsleiter Markus Mergenthaler und Archäologin Dr. Margarete Klein-Pfeuffer seinerzeit unschuldig als Hexen angeklagten Frauen, Männer und Kinder selbst zu Wort kommen und beleuchten deren persönliche Schicksale. Dafür war zunächst einmal umfassende Grundlagenforschung und Quellenarbeit nötig, denn seit Jahrzehnten ist kein umfassendes Werk mehr zum Thema erschienen. In aufwändiger Archivarbeit studierte Klein-Pfeuffer Gerichtsakten und Prozessprotokolle.


Gleich im Eingangsbereich werden die Besucher von flüsternden Stimmen empfangen, denn: Den meisten Fällen im Zeitalter der Hexenverfolgung gingen mündliche Bezichtigungen voraus. Das 16. und beginnende 17. Jahrhundert war damals geprägt von religiöser Unsicherheit. Der Reformation setzten Katholiken die Gegenreformation entgegen. Ein Klimawandel hatte eine zweite, kleine Eiszeit ausgelöst mit strengen Wintern, verkürzten Vegetationsperioden und mageren Ernten. Auch dezimierten Epidemien wie Pest und Syphilis die Bevölkerung. Und: Der Glaube an Hexen war längst allgegenwärtig, wie Werke wie die Schedel`sche Weltchronik von 1493 oder auch der unheilvolle „Hexenhammer“ des Dominikanerpaters Heinrich Kramer von 1487 belegen. Ausgestellt sind diese und weitere Originalschriften im Knauf-Museum in mehreren Vitrinen.


Die Hexenverfolgungen breiteten sich von der Westschweiz nach Süddeutschland aus. Ein unrühmliches Kapitel der Regionalgeschichte: Franken sollte sich zu einer der deutschen Hochburgen der Hexenverfolgung entwickeln. Die Sonderausstellung lässt keine Zweifel aufkommen, dass hierbei die Herrscher der Fürstbistümer Würzburg und Bamberg eine zentrale Rolle spielten: So trieb der große Gegenreformator  Julius Echter von Mespelbrunn, Fürstbischof von Würzburg und  Herzog in Franken, in Würzburg ab 1590 als erster die Jagd nach Hexen voran. Unter Johann Gottfried I. von Aschhausen, der die Hochstifte Würzburg und Bamberg in  Personalunion regierte, gingen die Verfolgungen weiter. Ihren Höhepunkt erreichten sie unter Philipp Adolph von Ehrenberg in Würzburg und Johann Georg II. Fuchs von Dornheim. Erst durch den Einmarsch der Schweden 1630 / 1631 wurden die massenhaften Hexenverfolgungen beendet. Trotzdem glaubten die Menschen weiter an die Existenz von Hexen: Zwar ein Einzelfall, doch wurde mehr als 100 Jahre später in Würzburg im Jahr 1749 die Ordensfrau Maria Renata von Singer-Mossau wegen Hexerei zum Tode verurteilt.


Was im Erdgeschoß noch theoretisch und weit weg sein mag, wird im ersten und zweiten Stock der Ausstellung dann sehr persönlich: Neben Vitrinen mit Prozessakten und Verhörprotokollen stehen Figuren im Schattenumriss und symbolisieren authentische Männer, Frauen und Kinder, die seinerzeit denunziert wurden, grausame Verhöre ertragen, nicht begangene, völlig unrealistische Taten unter Folter gestehen und dem Tod auf dem Scheiterhaufen ins Auge blicken mussten.


Barbara Mangoldt zum Beispiel aus Weißenburg, die Vieh, aber auch Männer mit einer Salbe verzaubert und getötet haben soll; Elisabeth Rüger aus Büchold, der man einen Wetterzauber und Weinsaufen mit anderen Hexen vorwarf; die neunjährige Barbara Ankenblank aus Rödelsee, die lieber verbrannt werden wollte als bei ihrer Stiefmutter zu bleiben und sich deshalb selbst der Hexerei bezichtigte; oder Paul Lamprecht, Kanoniker am Stift Neumünster in Würzburg, der es mit der Sittlichkeit nicht so genau nahm. Aus Sicht der Kirche konnte hinter diesem Lebenswandel nur der Teufel stehen. Paul Lamprecht wurde mit sechs weiteren Personen beim 25. von insgesamt 31 Bränden zwischen 1627 bis 1629 in Würzburg auf dem Scheiterhaufen verbrannt.


In Vitrinen können Besucher zudem grausige Folterinstrumente, ein Hexenhemd oder etwa Medaillons und Talismane gegen Hexen sehen. Museumsleiter Mergenthaler erhofft sich von der Ausstellung, dass herkömmliche Meinungen und Vorurteile gerade auch mit Blick auf die Rolle der Fürstbischöfe während der Hexenprozesse hinterfragt und Impulse für weitere Forschungen gesetzt werden. Weder in Würzburg noch in Gerolzhofen habe bis dato eine sinnvolle Aufarbeitung der Ereignisse stattgefunden, sagt Klein-Pfeuffer. Eine Ausstellung also als Anstoß für Wissenschaft und Diskussionen auf der einen, ein sehr publikumsnaher museumspädagogischer Ansatz mit vielen multimedialen und unter die Haut gehenden Elementen auf der anderen Seite.

Der Artikel  ist unter anderem  im  Main-Echo erschienen.

Sängerin Barbara Schöller und das Philharmonische Orchester unter dem Dirigat von Enrico Calesso beim Würzburger Hafensommer.


Fotos: Michaela Schneider

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Infokasten: Über die Ausstellung „Hexenwahn in Franken“


Die Sonderausstellung „Hexenwahn in Franken“ im Knauf-Museum in Iphofen ist bis einschließlich 2. November zu sehen. Geöffnet ist das Museum Dienstag bis Samstag, 10 bis 17 Uhr, und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Zur Ausstellung ist ein 288seitiger Begleitband unter dem gleichnamigen Titel „Hexenwahn in Franken“ erschienen mit 19 Aufsätzen, die sich mit allgemeinem Themen wie etwa Hexen in religionswissenschaftlicher Sicht, Einzelschicksalen sowie regionalen Ereignissen wie den Hexenprozessen in Bamberg oder den Verfolgungen in Würzburg befassen.