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Von Michaela Schneider

 

Würzburg Hermann Hesse im Kunstmuseum – eine Lesung vielleicht? Das mag mancher Passant denken, der derzeit am Kulturspeicher in Würzburg vorbeischlendert. Oder ein Namensvetter des Literaten? Nein, tatsächlich geht es in der Sonderausstellung „… die Grenzen überfliegen. Der Maler Hermann Hesse“ um das malerische Werk des Schriftstellers. Denn Hermann Hesse  zählt nicht nur zu Deutschlands meistgelesenen Autoren. Im Laufe seines Lebens schuf der Literatur-Nobelpreisträger zudem mehr als 2000 Aquarelle, des weiteren zahlreiche Briefillustrationen und illustrierte Manuskripte. Um die 180 dieser Werke sind nun im Kulturspeicher zu sehen. Erarbeitet haben die Schau zum 50. Todesjahr des Künstlers das Kunstmuseum Bern und das Museo Hermann Hesse Montagnola. In Deutschland – und damit in Hermann Hesses Geburtsland – macht die Wanderausstellung nur in Würzburg Station. Viele der Werke - die meisten befinden sich im Besitz seiner Nachkommen – werden im Rahmen der Sonderausstellung erstmals einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

 

Doch warum gerade hier, was hat Hesse mit der Stadt am Main zu schaffen? Er sei generell kein Stadtfreund gewesen, sagt Dr. Henrike Holsing, stellvertretende Museumsleiterin im Kulturspeicher. Doch machte Hesse 1928 während einer Lesereise zwei Tage lang Station in der Bischofsstadt, seine Eindrücke sollten den Roman „Narziß und Goldmund“ stark prägen. Und in seinem Prosatext „Einst in Würzburg“ schrieb der Literat später: „Wenn ich ein zukünftiger Dichter und gerade mit der Wahl meines Geburtsortes beschäftigt wäre, dann würde ich die Stadt Würzburg sehr mit in Erwägung ziehen.“  

 

Interessant ist die Sonderausstellung „… die Grenzen überfliegen“ gar nicht so sehr wegen des eigentlichen Kunstgenusses. Vielmehr spiegeln viele Werke Biografisches, Traumbilder und sehr persönliche, intime Gefühlswelten des Nobelpreisträgers wider. Die Malerei sei für Hesse wesentlich mehr als ein Hobby gewesen, sagt Henrike Holsing, sie spricht von einer „lebensnotwendigen Ergänzung seines literarischen Schaffens“. Die Malerei als Ausdruck des „eigensten Inneren“, die ein biographisches, psychoanalytisches Herangehen an Hesses künstlerisches Werk unumgänglich macht.

 

Denn erst, als er bereits fast 40 Jahre alt ist, beginnt Hesse zu zeichnen und zu malen. Er steckt er in einer tiefen Krise, die künstlerische Entfaltung ist Teil seiner Psychotherapie. Tatsächlich beginnt die Ausstellung auch mit Hesses ersten Werken aus den Jahren 1917 und 1918, präsentiert hier Traumzeichnungen und manches verstörende Selbstbildnis des Autors – sehr, sehr ernst, manchmal regelrecht gequält blickt er aus den Aquarellen. Andere Gemälde zeigen Hesses damaliges Haus in Bern in Außenansichten, aber auch das Interieur. Er selbst beschreibt das Gebäude als „ein Haus voll spukhafter Art“, versucht, jene Atmosphäre aufs Papier zu bringen. Auch erschließt sich an den Werken, dass Hesse seine Probleme mit perspektivischer Malerei war – und so ist nicht verwunderlich, dass er sich in späteren Jahren auf die Naturmalerei konzentriert.

 

Das beginnt bereits ab 1919 – mit jener Zeit befasst sich der nächste Ausstellungsteil. Hesse hat sich von seiner Frau getrennt und ist ins Tessin umgezogen, auch seine Aquarelle spiegeln eine regelrechte Befreiung wider. Statt einer detailgetreuen Wiedergabe der Umwelt konzentriert sich Hesse nun auf malerische Poetik, ein Farbenrausch prägt jene Werke. Auch literarisch hat der Schriftsteller seine Zeit in Bern übrigens zu Papier gebracht: In „Klingsors letzter Sommer“ schreibt er im Jahr 1920 über einen Maler um die 40 Jahre.

 

Hesses Vorliebe für das Kleine, Feine zeigt sich in Miniaturmalereien, für die er eigens Goldrahmen fertigen ließ. Bilderhandschriften ab 1918 erzählen von Hesses Finanzproblemen in den Nachkriegsjahren – diese fertigte er für den Verkauf an. Eine besondere Kostbarkeit: Das handgeschriebene und liebevoll dekorierte Märchen „Piktors Verwandlung“ – Ausdruck seiner Liebe zur späteren Ehefrau Ruth. Doch auch diese Ehe ist zum Scheitern verurteilt, im Krisenjahr 1926 spricht Hesse fast täglich von Suizid.

 

Das Lachen soll er wieder in Zürich lernen beim Maskenball. Künstlerisches Resultat: Ein Gemälde, das fast abstrakt wirkt, unzählige Elemente des Karnevals fügen sich zu einem Ganzen. Auch finden sich in den späteren Werken – anders als früher – Zivilisationselemente in Hesses Naturaquarellen. Zum Beispiel ein Telefonmast, der Baumform annimmt. Hesses Art, sich als Zivilisationskritiker mit dem Wandel seiner Zeit auseinanderzusetzen.

 

Später testet der Literat zudem die unterschiedlichsten Ausdrucksformen und Techniken, greift häufiger zum Zeichenstift, verzichtet auf Farbe. Aquarelle entstehen kaum mehr, obwohl der Künstler  seine Aquarellmalerei inzwischen perfektionieren konnte. Doch schreibt er selbst, es sei langweilig, immer das zu tun, was man schon könne.

 

Ein biografisch interessantes, spätes Werk findet sich schließlich ganz am Ende der Ausstellung. Es zeigt einen Kaktus – und der, so vermuten Hesses Nachkommen, ist ebenfalls ein Selbstporträt und soll Hermann Hesse zeigen, so stachelig wie er zu Lebzeiten war.

 

 

 

 

Infokasten: Über die Ausstellung

 

Öffnungszeiten: Die Sonderausstellung „… die Grenzen überfliegen. Der Maler Hermann Hesse“ ist bis zum 3. Februar 2013 im Museum im Kulturspeicher in Würzburg zu sehen. Geöffnet ist Dienstag von 13 bis 18 Uhr, Mittwoch von 11 bis 18 Uhr, Donnerstag von 11 bis 19 Uhr sowie Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

 

Sonderführungen: Zur Ausstellung organisiert das Museum ein Rahmenprogramm. Führungen finden jeweils sonntags, zudem am 26. Dezember und 6. Januar um 11.15 Uhr statt, des Weiteren am 6., 13. und 20. Januar sowie am 3. Februar um 15 Uhr.

 

Liederabend und Weinprobe: Am 8. Januar um 19.30 Uhr steht ein Hermann-Hesse Liederabend mit vertonten Gedichten an, das Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet. Am Sonntag, 27. Januar, um 18 Uhr dreht sich ein Abend um Hesse und den Wein mit Hessetexten über den Rebensaft und einer Weinprobe.    

 

Spukhaus, verstörende Selbstporträts und ein Telefonmast-Baum

 

Kunst und Literatur Sonderausstellung über Hermann Hesse als Maler im Würzburger Kulturspeicher

 

          

Um das malerische Werk des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse dreht sich eine Ausstellung im Museum im Kulturspeicher.

 

                                                                                                                                                 Fotos: Michaela Schneider

Hesse liebte das Kleine, Feine. Für seine Miniaturaquarelle ließ er spezielle Goldrahmen fertigen.

 

Foto: Michaela Schneider

Bilderhandschriften fertigte Hermann Hesse vor allem, um Geld zu verdienen, verrät stellvertretende Museumsleiterin Henrike Holsing.

 

Foto: Michaela Schneider

„Berge im Frühling“ ist eines der späten Aquarelle aus dem Jahr 1926.

Foto: Michaela Schneider

Ein Selbstporträt von Hermann Hesse? Das Bildnis eines Cactus“ aus dem Jahr 1933.

 

Foto: Michaela Schneider

Der Artikel ist unter anderem im  Main-Echo erschienen.