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Ein Herzog erforscht ferne Länder
Studioausstellung  „Biedermeieridylle und große weite Welt. Der Forschungsreisende
Herzog Friedrich Paul Wilhelm von Württemberg in Mergentheim“ im Deutschordensmuseum


Von Michaela Schneider

Bad Mergentheim Auf der einen Seite war er Weltreisender, Naturforscher und gilt als Entdecker der Missouri-Quellen. Auf der anderen Seite häufte er Schuldenberge in seiner Heimat Mergentheim an und wurde am Hof in Stuttgart abschätzig „Zigeunerprinz“ genannt. Die Rede ist von Herzog Friedrich Paul Wilhelm von Württemberg (1797 – 1860), der ab 1827 im Mergentheimer Schloss lebte. Von seinen ausgedehnten Reisen bis nach Amerika, Afrika und Australien brachte er nicht nur riesige Sammlungen mit ethnologischen Gegenständen, Tierpräparaten und Pflanzen mit. Auch begleiteten den ungewöhnlichen Herzog Afrikaner, Indianer und Mexikaner zurück in seine Heimat. Und so brachte Friedrich Paul Wilhelm von Württemberg im 19. Jahrhundert die Einwohner in Mergentheim in Kontakt mit Menschen aus fernen Ländern.


„Biedermeieridylle und große weite Welt. Der Forschungsreisende Herzog Friedrich Paul Wilhelm von Württemberg in Mergentheim“ ist nun eine Studioausstellung im Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim bis zum 7. September betitelt.

Damit präsentiert das Museum im Jubiläumsjahr zu seinem 150-jährigen Bestehen bereits die zweite Sonderausstellung. Denn schon seit April geht es zudem um  „Indianer. Nordamerikas Ureinwohner und seine Tierwelt“. Mit der Ausstellung über Herzog Paul sei das Rätsel gelöst, was Indianer mit Bad Mergentheim zu tun hätten, sagt Museumsleiterin Maike Trentin-Meyer. Mit rund 60 Exponaten und ausführlichen Texttafeln- und bannern handelt die Präsentation auf der einen Seite von dem ungewöhnlichen Spross aus europäischem Hochadel, auf der anderen Seite von Menschen aus aller Welt, die er von seinen Reisen mit in die Heimat brachte.  


In den Vitrinen finden sich Dokumente wie Ehevertrag und Trennungsvereinbarung, Briefe und ein Schuldschein oder auch Zeitungsauszüge zum Tod des Herzogs und skizzieren seine wichtigsten Lebenseckdaten. Geboren wurde er 1797 in Schlesien, am Kadetteninstitut in Stuttgart standesgemäß zum Offizier ausgebildet und diente fünf Jahre lang in der Armee. 1827 heiratete der Herzog Prinzessin Sophie von Thurn und Taxis – allerdings verließ diese ihn noch vor der Geburt des gemeinsamen Sohnes Maximilian. Verwunderlich ist’s nicht, denn der Herzog war auch mancher Mergentheimer Bürgerin nicht abgeneigt, aus zwei Beziehungen gingen zwei Töchter hervor.


Insgesamt unternahm Herzog Friedrich Paul Wilhelm fünf große Weltreisen – und diese kosteten immens  viel Geld. Was geschah? Der Herzog häufte mit rund 100000 Gulden einen riesigen Schuldenberg in Mergentheim an, seine Akte wird bis heute von Schuldscheinen  dominiert. Zugute halten kann man dem Herzog immerhin: Laut Ausstellungskurator Daniel Göker wird seine Sammlung in etwa auf den gleichen Wert dotiert. Heißt: Der Herzog verprasste das Geld nicht oder investierte in Prunkbauten, sondern verwendete es für wissenschaftliche Zwecke.


Seine Reisen führten Herzog Paul dabei rund um die Welt: Von den Quellen des Missouri, als deren Entdecker er gilt, bis zum Nil, von Feuerland bis nach Australien. Detailgenau beschrieb der Forschungsreisende die Tiere und Pflanzen, die Kultur und das Klima. Er legte riesige Sammlungen an und publizierte nach seiner ersten Amerikareise einen Reisebericht. Weniger gut dokumentiert indes sind die folgenden Reisen. Zwar fertigte der Herzog seinerzeit Manuskripte an, diese fielen jedoch dem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Von hohem wissenschaftlichem Wert ist bis heute unter anderem die Sammlung indianischer Gegenstände, denn niemand sonst brachte so früh eine so bedeutende Auswahl an ethnologisch bedeutenden Objekten der nordamerikanischen Indianer nach Europa. Vor allem auf seiner ersten Amerikareise lernte Herzog Paul Indianerstämme wie die Iowa, die Kansa, die Osage oder die Pawnee kennen. Das vielleicht kennzeichnendste Objekt in der Sonderausstellung dürfte in dem Zusammenhang ein Aquarell sein. Es zeigt, wie der Herzog am 4. Juli 1823 mit Wa-kann-ze-re, dem Häuptling der Kansa, am blauen Fluss zusammentrifft.


Doch brachte der Adelige nicht nur Sammlungen nach Mergentheim, sondern auch Menschen, die er an seinem Hof beschäftigte. Auch ihre Spur verfolgt die Sonderausstellung im Deutschordensmuseum. Nur zwei Beispiele: Von seiner dritten Reise brachte Herzog Paul zwei Afrikaner mit in die Heimat - unter anderem den Oromo-Äthiopier Aman Gonda. Spannend dabei: Der Afrikaner sollte hierzulande nicht nur die Volks- und Lateinschule besuchen und Medizin studieren, er half auch als Muttersprachler bei der Entzifferung der Oromo-Sprache mit.  In Mergentheim bis heute im Bewusstsein präsent ist vor allem ein Mann namens  Haucmonc, auch wenn er nur in einem einzigen Schriftstück erwähnt wird. Dieses besagt, dass der Sioux-Indianer dem Herzog nach dem Leben trachtete, der spektakuläre Mordversuch sei jedoch gescheitert.  

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Von seinen ausgedehnten Reisen bis nach Amerika, Afrika und Australien brachte Herzog Friedrich Paul Wilhelm von Württemberg riesige Sammlungen mit ethnologischen Gegenständen, Tierpräparaten und Pflanzen mit.


Foto: Michaela Schneider

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Infokasten: Über die Studioausstellung


Die Studioausstellung „Biedermeieridylle und große weite Welt. Der Forschungsreisende Herzog Friedrich Paul Wilhelm von Württemberg (1797 - 1860) in Mergentheim“ ist bis zum 7. September im Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim zu sehen. Führungen durch die Ausstellung mit Kurator Daniel Göker  finden am Samstag, 21. Juni, Sonntag, 27. Juli, sowie Sonntag, 7. September, jeweils um 14.30 Uhr statt.  Eine zweite Sonderausstellung noch bis einschließlich 21. September dreht sich um „Indianer. Nordamerikas Ureinwohner und seine Tierwelt“. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10.30 bis 17 Uhr geöffnet. Details: www.deutschordensmuseum.de