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Wie der Großherzog einst wohnte
Sonderausstellung zeigt die vergessenen Empiremöbel der Residenz Würzburg


Von Michaela Schneider

Würzburg Als Ferdinand III. von Toskana im Jahr 1806 als Großherzog die Würzburger Residenz bezieht, ist er 37 Jahre, verwitwet, Vater unmündiger Kinder und ein durchaus attraktiver Mann. Er hofft auf eine zweite Ehefrau. Und so richtet der Florentiner nicht nur für sich und seine Kinder repräsentative Wohnräume im neuen Domizil ein, sondern lässt den Architekten Nicolas-Alexandre Salins de Montfort auch ein Boudoir als Salon der künftigen Großherzogin konzipieren. Die so genannten Toskana-Appartements in der Würzburger Residenz entstehen, bestehend aus 26 Räumen mit  rund 400 Möbelstücken. Rund 80 dieser Objekte sind jetzt in der Ausstellung „So wohnte der Großherzog. Die vergessenen Empiremöbel der Residenz Würzburg“ zu sehen.


Das ist alles andere als selbstverständlich, denn in der Bombennacht im Jahr 1945 brannte die Residenz, sehr viel Inventar wurde Opfer der Flammen. Doch rund 230 der Empiremöbel konnten gerettet werden. Nach Jahren sind nun gut 60 Objekte restauriert. Ein Aufwand, der sich den Worten Bernd Schreibers nach lohnt: „Wir besitzen keine schöneren (…), auch nicht in München“, betonte der Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung bei der Ausstellungseröffnung über die Möbel des Großherzogs.


Kein Zufall ist, dass die Ausstellung jetzt, im Jahr 1814, zu sehen ist. Anlass: Vor 200 Jahren wurde Unterfranken ein Teil des Königreichs Bayern. Deshalb ein Blick in die Geschichte und auf Ferdinand III. von Toskana. Es ist das Zeitalter Napoleons, seit fast einem Viertel Jahrhundert herrscht in Europa Kriegszustand.  Ferdinand III., Bruder des österreichischen Kaisers Franz II.  und Regent im Großherzogtum Toskana, muss im Laufe der Koalitionskriege seine Herrschaft aufgeben, die Toskana wird zum französischen  Vasallenstaat. Später wird ihm im Frieden von Preßburg als Entschädigung das säkularisierte, strategisch wichtige Hochstift Würzburg zugewiesen. Ferdinand sei letztlich ein machtloses Bindeglied zwischen zwei Kaisern und „Platzhalter der Mächte“ gewesen, so Schreiber. Auch wurde er in Würzburg nie heimisch, sehnte sich nach seiner Heimat und kehrte 1814 in die Toskana zurück. Seine Spuren in der Residenzstadt hinterließ er mit den Toskana-Appartements und dem Mobiliar im Empirestil trotzdem.


Deren Präsentation war nun für Ausstellungskurator Dr. Werner Helmberger kein leichtes, aber sehr gelungenes Unterfangen.  Zu sehen sind fünf restaurierte Raumausstattungen mit zusammen gut 60 Objekten, acht große Standleuchter, 20 unrestaurierte Möbel sowie ein riesiges Kinderkarussell. Zur Verfügung allerdings standen in der Residenz nur drei Räume.  Die Ausstellung führt zudem ins Zeitalter und die spezifische Würzburger Geschichte ein und zeigt in wandgroßen Schwarzweiß-Fotografien und Raumnachbildungen, wie die Räume einst tatsächlich aussahen – vor oder auch nach der Zerstörung. Überladen wirkt die Sonderausstellung trotzdem nicht.


Prunkvollster Raum war seinerzeit der Große Salon mit großen Öfen, Vertäfelungen, Spiegelumrahmungen, Seidentapeten und komplett vergoldeter Möbelgarnitur aus der Werkstatt des Frankfurters Johann Valentin Raab.   Die Sitzgarnitur aus dem Wohnzimmer indes zeichnet sich vor allem durch die originalen Bezüge aus Seitenatlas und Samtdekor in leuchtendem Rot aus. Um einiges schlichter dagegen  das Mobiliar im Wachzimmer, spannend ist aber das Dekor der Stühle und Hocker. Hier nämlich sind antike Schwerter, Pfeile und Säbel zu entdecken. Vielleicht das interessanteste der Toskanazimmer dürfte der Salon der Dame gewesen sein.  Die Wände zierte eine lilafarbene, wellenförmige Seidenbespannung. Auf der riesigen Raumnachbildung in Schwarz-Weiß sind Marmorkamin und Konsoltisch, große Wandspiegel, Mahagonivertäfelungen und kleine Ölgemälde zu entdecken.  Davor die wunderbar restaurierten Möbel in Lila mit goldener Schwanengarnitur.


Das eigentliche Prunkstück der Ausstellung aber erleben Besucher gegenüber: Ein einstmals von Dienern angeschobenes Karussell. Mit Lanzen bewaffnet, konnten die Kinder des Großherzogs vom Pferderücken aus einem Holzkopf die Nase abschlagen, Ringstechen üben und sogar einen Mann komplett köpfen. Das Karussell wird als Dauerleihgabe des Wittelsbacher Ausgleichsfonds auch nach Ausstellungsende in Würzburg verbleiben. Erinnern will die Bayerische Schlösserverwaltung mit der Ausstellung zudem daran, dass rund 150 weitere Möbel aus der Toskanazeit unrestauriert in den Depots stehen, deshalb sind hinter Gittern rund 20 dieser Objekte zu sehen. Mit der Spendenaktion „Geben Sie den Pharaoinnen  ein neues Gesicht“ will man dies ändern.

Der Artikel  ist unter anderem  in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

Die Sonderausstellung „So wohnte der Großherzog. Die vergessenen Empiremöbel der Residenz Würzburg“ ist bis einschließlich 31. Dezember zu sehen.

Fotos: Michaela Schneider


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Infokasten: Über die Sonderausstellung „So wohnte der Großherzog“


Die Sonderausstellung „So wohnte der Großherzog. Die vergessenen Empiremöbel der Residenz Würzburg“ ist bis einschließlich 31. Dezember zu sehen. Geöffnet ist von April bis Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr. Und ab November dann von 10 bis 16.30 Uhr. Letzter Einlass: 30 Minuten vor Schließung. Die Ausstellung ist in den Museumsrundgang integriert, Führungen beginnen im Sommer halbstündlich. www.residenz-wuerzburg.de