Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Wolfskeel-Grabmäler in guter Gesellschaft
Sonderpräsentation des Mainfränkischen Museums in Würzburg zeigt „Kunst aus dem Kloster Heiligenthal“


Von Michaela Schneider

Würzburg Die eindrucksvollen Wolfskeel-Grabplatten im Rittersaal des Mainfränkischen Museums in Würzburg erhalten Gesellschaft aus ihrer alten Heimat: Eine Sonderpräsentation zeigt mindestens bis in den September „Kunst aus dem Kloster  Heiligenthal“.  Gegründet wurde die Zisterze in Schwanfeld im heutigen Landkreis Schweinfurt im Jahr 1234 durch Äbtissin Jutta von Fuchsstadt. 1579 säkularisierte Fürstbischof Julius von Echter  das Kloster zugunsten des Juliusspitals in Würzburg. In Privatbesitz blieben trotzdem einige kirchliche Objekte erhalten – zum Beispiel eine Pietà und eine Kreuzigungsgruppe, aber auch eine Madonna aus Pappmaché, eine Monstranz oder ein Kelch mit dem Wappen Julius Echters. Objekte, die hervorragend in die Kar- und Ostertage, aber auch in den Marienmonat Mai passen.


Kloster Heiligenthal bezeichnet die Kunsthistorikerin als einen „Ort, der zu Unrecht in Würzburg recht unbekannt“ ist.  Erhalten ist dort die ehemalige, heute unter Denkmalschutz stehende Klosterkirche - übrigens die älteste Kirche des Landkreises Schweinfurt. Lichte spricht beim Blick auf die Klostergeschichte von einem „Auf und Ab unter den Zisterzienserinnen“. Ein Grund liegt für die Museumsleiterin nah: Auf der einen Seite sollten die Nonnen in Klausur leben, auf der anderen Seite waren Sie auf die Einnahmen aus der eigenen Arbeit angewiesen. Ein Widerspruch, der zwangsläufig immer wieder dazu führte, dass das Kloster um seine Existenz kämpfte. 1579 wurde das Kloster unter Julius Echter säkularisiert, im 19. Jahrhunderte gelangten Gebäude und Ländereien in Privatbesitz.


Stellt sich die Frage: Was hat das Mainfränkische Museum auf der Festung Marienberg mit dem  einstigen Kloster in Schwanfeld zu tun? Die Antwort findet sich im Rittersaal.  1949 hatte das Museum die so genannten Wolfskeel-Grabmäler erworben – zwei Grabplatten aus dem späten 14. und frühen 15. Jahrhundert. Warum Eberhard und Friedrich von Wolfskeel - und damit ein führendes Adelsgeschlecht des Hochstifts Würzburg - einst das Kloster Heiligenthal als Grablege wählten, weiß man heute nicht mehr. Doch galten Klöster allgemein als heiliger Boden und: Brüder und Nonnen erhielten in der Regel Geld dafür, dass sie Gebete für die Verstorbenen sprachen. Also unterm Strich eine Win-Win-Situation für die Verstorbenen und die Glaubensgemeinschaft. Dr. Claudia Licht geht davon aus, dass es ein drittes Wolfskeel-Grab in Heiligenthal gab. „Die Spur verliert sich bisher“, sagt sie, hat die Suche nach der verschollenen Grabplatte aber bereits gestartet.


In der Sonderausstellung im Mainfränkischen Museum zudem zu sehen: Verschiedene Kunstwerke aus der einstigen Klosterkirche aus Privatbesitz.  Zum Beispiel zwei Skulpturen einer Kreuzigungsgruppe. Sie stellen Maria und Johannes dar und dürften um 1500 entstanden sein in der Regierungszeit des Fürstbischofs Lorenz von Bibra, der das Kloster noch einmal reformierte und ihm wohl zu kurzer neuer Blüte verhalf. Eindrucksvoll und bewegend bis heute ist eine Pietà aus dem beginnenden 16. Jahrhundert. Festgehalten ist der Moment, in dem der Leichnam Christi vom Kreuz genommen und der Mutter in den Schoß gelegt wird. Der tote Körper ist aufgerichtet und macht den Blick frei auf die Wunden in Seite, an Händen und Füßen. Aus Marias Gesicht sprechen Schmerz und Trauer.


Ganz anders der Blick einer weiteren Madonna. Sie hält ihr Kind auf dem Arm, umstrahlt von einem Sternenkranz. Spannend ist ein Blick auf das Material der Skulptur aus der Zeit um 1500, denn gefertigt wurde sie aus Pappmaché. Seinerzeit gab es Pappmaché-Modeln laut Lichte durchaus häufiger, aber: Papier sei ein vergängliches Material, deshalb seien nur noch wenige Objekte erhalten. Die Museumsleiterin, selbst ausgewiesene Riemenschneider-Spezialistin, schließt nicht aus, dass die Madonna aus Riemenschneiders Werkstatt stammen  könnte, oder aber zumindest von seinem Stil geprägt wurde.


Die Ausstellung im Rittersaal ist nicht groß, doch eine nette Idee, gerade in der Osterzeit: Die eindrucksvollsten Grabmäler im Mainfränkischen Museum werden dank der Präsentation in ihren ursprünglichen Kontext gerückt. Und Dr. Claudia Lichte plant noch einen Schritt weiter: „Museum am Ort“ hat sie eine neue Führungsreihe betitelt. Besucht werden sollen die ursprünglichen Aufstellungsorte wichtiger Kunstwerke des Mainfränkischen Museums. Erste Aktion: eine Besichtigung der Klosterkirche Heiligenthal am 10. Mai.


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Die Wolfskeel-Grabplatten im Rittersaal des Mainfränkischen Museums erhalten Gesellschaft. Unter anderem ist diese Marienfigur aus der Klosterkirche Heiligenthal zu sehen.

Fotos: Michaela Schneider


Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this

Infokasten: Über die Sonderpräsentation „Kunst aus dem Kloster Heiligenthal“


Öffnungszeiten: Die Sonderpräsentation „Kunst aus dem Kloster Heiligenthal“ kann  mindestens bis in den September während der Öffnungszeiten des Mainfränkischen Museums (April bis Oktober: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr) besucht werden.


Vortrag: Am Mittwoch, 16. April, um 17 Uhr wird Professor Helmut Flachenecker vom Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte an der Würzburger Universität vor den Originalen im Rittersaal des Museums  über die Zisterzienserinnen von Heiligenthal referieren.


Museum am Ort: Am Samstag, 10. Mai, startet das Mainfränkische Museum die neue Führungsreise „Museum am Ort“ mit einer Besichtigung des Klosters Heiligenthal. Treffpunkt ist um 14  Uhr direkt im Kloster bei Schwanfeld. Durch das Gotteshaus führen wird Heinz-Ludwig Wirth, der heutige Eigentümer der Anlage in Privatbesitz. Anmeldung bis 8. Mai unter Telefon 0931/20594-0.