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Im Mittelalter zeigen Weihnachtsszenen meist drei Könige in drei Lebensaltern von den damals drei bekannten Kontinenten. So auch zu sehen auf Tafelbildern aus dem 15. Jahrhundert im Martin-von-Wagner-Museum.


Fotos: Michaela Schneider

Warum Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben für einen Messias taugten
Und wie aus „Sterndeutern aus dem Osten“ drei Könige
wurden – Auf Spurensuche im Martin-von-Wagner-Museum in Würzburg


Von Michaela Schneider

Würzburg In fast jeder Weihnachtsszene der Kunst spielen sie eine zentrale Rolle: die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Erstaunlich ist: Nur im Matthäus-Evangelium ist in der Bibel von den Gabenbringern die Rede. Und weder die Namen, noch die Zahl Drei noch der Begriff „Könige“ fällt. Vielmehr geht es hier um „Sterndeuter aus dem Osten“, die vor dem Jesuskind niederfallen, ihm huldigen und Gaben darbringen. Wie aber kam man später auf die Zahl Drei? Und warum schenkten die Besucher dem Kind gerade Weihrauch, Myrrhe und Gold? Eine Spurensuche im Würzburger Martin-von-Wagner-Museum.


Viviane Bogumil, 25-jährige Promotionsstudentin der Kunstgeschichte, steuert zunächst die Tafelbilder zweier mainfränkischer Altäre aus dem 15. Jahrhundert an. Zu sehen sind – ganz klassisch – drei Könige in drei Lebensaltern. Kleidung und Hautfarbe deuten darauf hin, dass sie von den Kontinenten der damals bekannten Welt stammten: aus Asien, Europa und Afrika.  Warum aber wurden aus Sterndeutern im Mittelalter gekrönte Häupter? Legenden haben sie zu Königen gemacht“, sagt Viviane Bogumil und verweist vor allem auf die „Legenda aurea“, die goldene Legende. Verfasst hatte dieses Werk der Dominikaner Jacobus de Voragine. Die Sammlung enthält Traktate zu den Kirchenfesten, Lebensgeschichten  Heiliger sowie Heiligenlegenden und war im Mittelalter das bekannteste und am weitesten verbreitete religiöse Volksbuch.


Ein Blick aufs nächste Mysterium: auf die Zahl Drei. Als erster erwähnte schon Kirchenschriftsteller Origenes (185 – 254 n. Chr.) die Dreizahl. Kunstgeschichtsstudentin Bogumil hebt deren Symbolik hervor, denn die Drei steht im Christentum für die Dreifaltigkeit Gottes aus Vater, Sohn und heiligem Geist. Und auch schon in früheren Religionen symbolisierte die Drei das Göttliche. So teilten sich bei den Griechen zum Beispiel Zeus, Poseidon und Hades die Herrschaft über Menschen und Götter. Hinzu kam über die Symbolik hinaus ein ganz offensichtlicher Aspekt: Die drei Gaben Weihrauch, Myrrhe und Gold deuteten schlichtweg auf drei Überbringer hin.


Warum aber schenkten die Sterndeuter aus dem  Morgenland genau diese Gaben? Antworten liefert Felix Röhr, Geschäftsführer der Museumsinitative des Martin-von-Wagner-Museums ein Stockwerk höher in der Antikensammlung, denn: Seit der Antike wurden Gold Weihrauch und Myrrhe für kultische Handlungen genutzt. Röhr führt zunächst in die Ägyptenabteilung und präsentiert hier unter anderem eine goldene Mumienmaske sowie strahlende Brust- und Beinauflagen aus dem alten Ägypten. Ganze Sarkophage waren aus massivem Gold, ergänzt er. Denn: Gold  gebührte seinerzeit dem König, das zeigt auch das antike Zeremoniell der Goldkranzspende im alten Rom. Dabei überreichte ein Barbar dem Triumphator einen goldenen Siegeskranz. Das heißt: Die Sterndeuter aus dem Morgenland huldigen mit ihrer Goldgabe dem neugeborenen Messiaskönig.  


Weihrauch indes symbolisierte Göttlichkeit. Das spezielle Baumharz – im Museum in einer antiken Schale zu sehen - wurde bei kultischen Handlungen verwendet. Und zwar in riesigen Mengen. Zur Zeit des römischen Schriftstellers Plinius (1. Jahrhundert nach Christus) wurden rund 10000 Kamelladungen Weihrauch pro Jahr allein für Rom benötigt. Ein alles andere als  günstiges Unterfangen, denn antransportiert wurde er aus dem Gebiet des heutigen Jemen. Kultivierungsversuche in anderen Regionen waren auch schon bei den Ägyptern gescheitert. Malereien im Tempel der Hatschepsut erzählen von einer Expeditionsreise nach Punt. An Bord transportierten die Schiffe dabei neben Schätzen, Tieren und Menschen nicht nur Weihrauch, sondern auch Weihrauch-Baumsetzlinge. Wie Röhr berichtet, scheiterte deren Anbau am Nil jedoch.


Myrrhe schließlich steht symbolisch für die Menschlichkeit des Messias und bezieht sich auf Leiden und Tod Christi, denn: Die Harzart aus der Familie der Balsambaumgewächse wurde vor allem zur Einbalsamierung verwendet. Der würzig-süße Duft unterdrückte dabei den Geruch der Leiche. Des Weiteren hat Myrrhe bis heute pharmazeutische Bedeutung bei Entzündungen der Mundschleimhaut.  


Abschließend noch ein Blick auf die Namen der Magier aus dem Morgenland. Wie sie zu diesen kamen, ist heute nicht mehr nachvollziehbar, ab Anfang des 6. Jahrhunderts tauchen Variationen von Caspar, Melchior und Balthasar auf. Spannend aber ist: Der Heilige Caspar war tatsächlich Namensgeber des Kasperle im Puppentheater. Denn: Caspar wurde als Vertreter des Kontinents Afrika nicht nur oft mit dunkler Hautfarbe, sondern auch mit einer so genannten phrygischen Mütze dargestellt. Und zwar auch in „Dreikönigsspielen“ ähnlich unseren heutigen Krippenspielen. Vertreter der Reformation allerdings lehnten den im Mittelalter entstanden Brauch ab. Aber: Aus diesen Spielen heraus entwickelte sich der Caspar zum Kasperle im Puppenspiel. Und der trägt bis heute nichts anderes als eine phrygische Mütze.


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Der Artikel ist unter anderem ein den Fränkischen Nachrichten erschienen.

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