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Trompetentöne und eine Elektrowoge
Experimentelles:
 Musikgröße Jon Hassel erschafft beim Würzburger Hafensommer
atmosphärisch-einlullende Klangwelten – Die Band A. Spell  reist das kleine Publikum am Main mit


Von Michaela Schneider

Würzburg Eine Klangwoge aus Elektrosound brandet auf das Hafensommer-Publikum zu, verklingt, erhebt sich erneut. Dann hohe, unheimliche Elektrogeigen wie ein drohendes Unwetter oder lockende Sirenen. Kurz wirbelt eine Melodie auf. Nun heben sich klare Trompetentöne aus der Klangwoge hervor, nur einen Augenblick lang, der Ton vibriert, halt leise nach. Mit  einem Kopfnicken übergibt Jon Hassell die Melodie an Geiger Eddine M`Kachiche. Jon Hassel. In den 70er und 80er Jahren galt er neben Miles Davis als einer der einflussreichsten Trompeter, eröffnete durch den elektroakustischen Einsatz seines Instruments neue Klangwelten. Und auch mit 76 Jahren erschließt der US-amerikanische Musiker noch akustisches Neuland. Das konnte das Publikum beim Würzburger Hafensommer erleben.


„Sketches oft the Mediterranean – Summerthrill“ war sein atmosphärisches Programm betitelt. Skizzen des Mittelmeers – Sommererregung. Ja, beides kann man spüren, sich von den magisch-mystischen Tönen treiben lassen. Wann ein Stück beginnt und wieder endet, ist kaum erkennbar. Die Sounds verschmelzen zu einem großen Fantasiegebilde und bewegen sich irgendwo zwischen Jazz, Elektronik und Worldmusic. Wie vielfältig der Musiker agiert und inspiriert zeigt dabei ein Blick in seine Biografie: Er beeinflusste Musiker wie Brian Eno oder Peter Gabriel, arbeitete mit Künstlern wie Björk, Ibrahim Ferrer oder auch Wim Wenders zusammen.


Jon Hassells Musik ist sicher nicht jedermanns Sache. So bleiben etliche Plätze auf der Tribüne am Mainufer unbesetzt, während eine der Größen der modernen Musikgeschichte - tief versunken in seiner eigene Klangwelt - trompetet und mischt, mit seinen Bandmitgliedern spielt und improvisiert. Dabei verbindet er auf seine eigene Art Futuristisches mit traditionellen Klängen. Orientalisch-arabische Anleihen etwa sind zwischenzeitlich zu erkennen. Vielleicht ist ein Jon Hassell mit Band zu experimentell fürs brave fränkische Publikum. Vielleicht hält auch das angekündigte Gewitter vom Konzertbesuch ab.  Tatsächlich fallen zwischendurch einige Tropfen, doch irgendwie passt die Gewitteratmosphäre – in manchen Passagen weiß man nicht genau, ob das Donnergrollen echt ist oder elektronisch.


Doch nicht nur Jon Hassel mit Band ist an diesem Abend beim Hafensommer zu hören. Das Konzert eröffnen A. Spell – drei Musiker aus der Schweiz und aus Südafrika. Auch sie erschließen mit ihrer Musik neue Sphären, doch während Jon Hassells Sounds meditativ  einlullen, reißen die Lieder von Sängerin und Akkordeonistin Nadja Stoller, von Bass-Klarinettist Jan Galega Brönnimann und Percussionist Ronan Skillen mit.  Die Musiker greifen zu ungewöhnlichen Klangkonstellationen mit Didgeridoo, und Instrumenten aus aller Welt. Bei dem Song „Bells“ klingen und verschmelzen elektrische und echte Glocken. Später lässt Nadja Stoller mit einem winzigen Objekt einen Vogel zwitschern. Sie selbst singt nicht nur, sondern macht die Stimme zum multifunktionalen Instrument: Mal klingt sie wunderbar mädchenhaft, dann jazzig-erwachsen. Sie haucht und ruft, seufzt und raunt, transportiert Stimmungen auf ihre eigene, faszinierende Art. Einen Backgroundchor braucht die Musikerin nicht: Zu Beginn der Lieder spielt sie diesen einfach selbst ein. A. Spell begeistern durch mitreißende Rhythmuswechsel, Kreativität, Atmosphäre.  Die Band einem Stil zuzuordnen ist kaum möglich – Genres verschmelzen völlig unkonventionell.


Den Reiz des experimentellen Hafensommerabends macht unterm Strich die Kombination aus zwei sehr unterschiedlichen Konzerten aus: Mystisch-Sphärisches auf der einen, Mitreißend-Stimmungsvolles auf der anderen Seite. Mehr Publikum wäre schön gewesen, die Musiker hätten es verdient gehabt!

Der Artikel ist unter anderem im  Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über den Würzburger Hafensommer


Der 7. Würzburger Hafensommer dauert noch bis zum 15. August, Künstler wie Tatort-Kommissar Axel Prahl, die französische Sängerin Jane Birkin, Kabarettist und Liedermacher Ringsgwandl oder die sechsköpfige Band „The Notwist“ sind zu hören. Das Programm präsentiert sich als abwechslungsreiche und mutige Mischung aus bekannten Stars, jungen, internationalen Entdeckungen und Lokalgrößen. Neben den Konzerten werden an Kinoabenden selten gezeigte Dokumentar- und Musikfilme gespielt. Seinem Namen kann der Hafensommer allerdings nicht ganz gerecht werden: Wegen einer bröckelnden Kaimauer muss das Festival heuer und wohl auch im kommenden Jahr ans andere Ufer auf die Mainwiesen ausweichen. Programmdetails unter www.hafensommer-wuerzburg.de


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Die Schweizer Band A. Spell und John Hassell beim Würzburger Hafensommer.


Fotos: Michaela Schneider