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Russische Gurken

von Michaela Schneider

 

„Das sind die besten Gurken der Welt!“ Es war nicht das erste Mal, dass Monika diesen Satz aussprach. Gleich an ihrem ersten Tag in Novosibirsk, mitten in Sibirien, hatte Mitbewohnerin Olga die neue Deutschassistentin der Universität in die wichtigsten Landessitten eingewiesen. Und da gehörte nun mal das Gurkenkompliment an oberster Stelle dazu.

 

War ja letztendlich nicht viel anders als daheim in Deutschland, hatte sich Monika gedacht.  Mindestens ein-, zweimal im Jahr erwartete auch ihre Mama von Töchtern und Schwiegersöhnen ein Standardlob für die neuesten Marmeladenkreationen. Und was für die deutsche Hausfrau die selbst gemachte Konfitüre, ist nun mal für die russische Hausfrau das Loblied auf die eingelegten Gurken. War Monika während der vergangenen Wochen bei neuen Freunden eingeladen, und Gurken von Mamas, Tanten und Großmüttern wurden aufgetischt, war das Sätzlein „Das sind die besten Gurken der Welt!“ nie lange ausgeblieben.

 

Doch die Gurken heute waren für Monika tatsächlich etwas ganz besonderes. „Meine Mutter würde Dich gern kennenlernen, möchtest Du einmal zu uns nach Hause kommen?“, hatte Studentin Lena einige Tage zuvor nach dem Deutschkurs gefragt. Die Mama sei vor vielen Jahren einmal in Deutschland gewesen, wohl eine Art Kulturaustausch. Seitdem sei sie ganz begierig darauf, Deutsche kennenzulernen. Warum nicht, hatte sich Monika gedacht und ein Treffen vereinbart. „Bring Hunger mit“, hatte Lena noch gesagt und ihr zugezwinkert.

 

Mit Metro und Bus war Monika in einen Vorort der Zwei-Millionen-Stadt gefahren. Dann war sie, Lenas Wegbeschreibung folgend, mit einer Flasche Sekt und Blumen in den Händen durch die Straßen bis in die Uliza Tschechowa gestapft.  „Was für eine Anreise“, hatte sich die junge Deutsche gedacht und sich für ihre rasche Einladungszusage insgeheim verflucht.

 

Der Ärger war rasch verflogen, als Lena und ihre Mama Oxana sie herzlich begrüßten und sich überschwänglich für Sekt und Blumen bedankten. „Ich zeig´ Dir erst die Wohnung“, sagte Lena und öffnete zwei Türen zu Bad und einem winzigen Schlafzimmerchen. Anschließend zog Lena Monika in die Küche. Dort wartete ein Tisch, der sich unter Schalen mit eingelegten Champignons, Tomaten, roten Beeten, Fleischbällchen, Käsestücken, Kaviarschnitten, saurer Sahne und anderen Leckereien schier bog.

 

„Deine Mama wohnt gar nicht hier?“, fragte Monika mit Blick auf die putzige Eineinhalb-Zimmer-Wohnung. „Niet, nein, sie lebt in einem Dorf, weit draußen in Sibirien, gut 600 Kilometer entfernt von Novosibirsk.“ – „Und jetzt macht sie Urlaub bei Dir?“ – „Nein, sie ist heute mit der Bahn angereist, um Dich kennenzulernen. Heute Nacht muss sie wieder heimfahren. Morgen geht sie wieder zur Arbeit.“  

 

Das wahre Ausmaß russischer Gastfreundschaft begriff Monika, als sie erfuhr, dass Mama Oxana die vielen selbst gemachten Leckereien auf dem Küchentisch in einer Reisetasche mitgeschleppt hatte, um die  fremde Deutsche einen Abend lang zu verwöhnen. Und so kam der Satz „Das sind die besten Gurken der Welt“ heute tatsächlich ganz, ganz tief heraus aus ihrem Herzen.

Die Kurzgeschichte ist im Liboriusblatt erschienen.