Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Fotos: Michaela Schneider

170 Baudenkmale, 400 Besen und 55 Millionen Legosteine

Günzburg setzt auf sein touristisches Potenzial


Von Michaela Schneider


Fast schon mediterranen Charme hat der Günzburger Marktplatz heute mit Cafés und alten Gasthäusern, mehr als 40 malerischen Hausfassaden, Marktbrunnen und dem Blick auf den markanten Torturm als Günzburgs Wahrzeichen. Seit der Eröffnung des Legoland-Freizeitparks im Jahr 2002 hat sich die Zahl der Übernachtungsgäste in der schwäbischen Kreisstadt auf 180000 verdreifacht. Das seit dem Jahr 1806 bayerische Städtchen gilt heute mit knapp 20000 Einwohnern als attraktive Wohn- und Schlafkommune wie auch als Freizeitmetropole.


Seinen Namen verdankt Günzburg seiner Lage, denn die Stadt liegt an der Mündung der Günz in die Donau. Naturräumlich zählen Stadt und Landkreis zum Alpenvorland wie auch zur Donau-Iller-Lechplatte. Die Fahrt nach Ulm dauert eine halbe Stunde, Augsburg ist über die A8 in einer Dreiviertelstunde erreicht. Nicht weit entfernt von den städtischen Zentren liegt Günzburg dennoch mitten im Grünen: Das Landschaftsschutzgebiet Donau-Auen erstreckt sich vom westlichen Ortsrand über gut 450 Hektar bis nach Gundelfingen. Feuchtwiesen, Auwälder und Altwässer bestimmen das Bild der Auenlandschaft. Heute ist Günzburg Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises mit insgesamt 34 Gemeinden – gebildet wurde dieser 1972 aus der kreisfreien Stadt Günzburg und den beiden Landkreisen Günzburg und Krumbach. Bekannte Rad- und Wanderwege verlaufen durch die Region, unter anderem der Donauradweg, die Via Julia, der Mindeltal-Radweg, der Günztalradweg, die Sieben-Schwaben-Tour, die Schwäbische Kartoffeltour oder auch der Schwäbische-Allgäuer Wanderweg. Zahlreiche Badeseen, aber auch hübsche Kirchen und Klöster prägen das Landschaftsbild – nicht umsonst ist die Region Teil des so genannten Schwäbischen Barockwinkels.


Doch vor allem atmet Günzburg selbst Geschichte – das erfährt schon, wer einen Blick ins Faltblatt „Führungen in Günzburg“ wirft. Da können Besucher auf den Spuren der Habsburger wandeln, ein Rokokojuwel entdecken oder sich auf eine anschauliche Reise ins napoleonische Zeitalter begeben, als vor den Toren der Stadt 1805 ein blutiges Gefecht zwischen napoleonischen und österreichischen Truppen tobte. Ein archäologischer Schaupfad erzählt von „Guntias“ römischen Ursprüngen. Und mehr als 170 Baudenkmale, etliche von ihnen wunderbar restauriert, geben dem historischen Kern bis heute ein unverwechselbares Flair. „Günzburgs Schicksal und seine Geschichte liegen am Wege“, schrieb einst der Schriftsteller Alexander Heimeyer über seine Heimatstadt. Denn tatsächlich verschafften in 2000 Jahren Geschichte vor allem die Verkehrswege dem Städtchen an der Günz seine Bedeutung – vom römischen Stützpunkt über die Poststraße Wien – Paris bis hin zur A8 heute.  


Aber zunächst ein Blick ins antike Zeitalter. In den Jahren 77 und 78 nach Christen errichteten die Römer hier ein Kastell für rund 1000 Reiter, um den Donauübergang und einen wichtigen Straßenkreuzungspunkt zu sichern. Daraus entwickelte sich eine blühende Handelsstadt, die bis ins 500. Jahrhundert nach Christus existierte. Wie wohlhabend „Guntia“ einst gewesen sein muss, kann nachempfinden, wer durchs Günzburger Heimatmuseum streift: Hier sind unter anderem die schönsten Stücke aus mehr als 1900 römischen Gräbern ausgestellt, denn Archäologen legten bei Günzburg das bis dato größte römische Gräberfeld nördlich der Alpen frei. Zumindest namentlich erinnert übrigens eines der wichtigsten Feste im Günzburger Jahresverlauf an die römische Stadtvergangenheit: Die Rede ist vom so genannten Guntiafest immer am letzten Wochenende des Monats Juni – ein Stadtfest, das sich seit dem Stadtjubiläum von 1977 im Festjahreskalender verankern konnte.


Die Belege aus den folgenden Jahrhunderten gestalten sich spärlich, im Jahr 1065 besiegelt König Heinrich eine Urkunde „ze Gunceburch“. Als prägend erweist sich das Jahr 1301: Die Grafen von Berg sterben aus, nun gelangt die Stadt als „erledigtes Reichslehen“ für die nächsten 500 Jahre in die Hand des Hauses Habsburg. Die neuen Herren erkennen die verkehrstechnisch günstige  Lage und bauen Günzburg zum Hauptort der Markgrafschaft Burgau aus. Die Österreicher erweitern die einst römische Unterstadt um eine planmäßig konstruierte „Oberstadt“, mit der Verlegung des Marktplatzes dorthin verlagert sich das auch Ortszentrum. Oberstädter und Unterstädter konnten sich übrigens der Sage nach einst nicht so recht leiden. Der Beleg dafür findet sich bis heute auf dem Boden des Marktplatzes: Zwischen den Pflastersteinen dort ist in den Boden ein steinerner Po geformt. Die Rede ist vom „Fidla“. Angeblich wollte mit diesem deftigen Gruß ein Steinmetz aus der Unterstadt den Oberstädtern zeigen, was er von ihnen hielt…


Auch lohnt der Blick auf die Günzburgische Wirtshauskultur. Seit 1760 führt die Postroute Wien-Paris direkt über den Marktplatz, damit steigt die Nachfrage nach Einkehrmöglichkeiten immens. So gibt es 1796 allein am Marktplatz 19 Wirtshäuser, 14 von ihnen mit Brauerei. Seit dem Jahr 2008 zieren die Gebäude farbenfrohe Wappenschilder, um auf die Historie aufmerksam zu machen. Unbedingt sollten Besuchern den Blick zudem aufs ehemalige „Gasthaus zur Krone“ (Nr. 24) richten. Hier nächtigte einst Kaiser Joseph II. Der geschäftstüchtige Hotelier ließ anschließend ein Medaillon mit dem Kaiserporträt und eine Inschrift an der Hausfront anbringen. Die Inschrift allerdings ist so etwas wie ein „Sudoku des 18. Jahrhunderts“: In welchem Jahr der Kaiser in Günzburg schlief, ist in ein Rätsel, nämlich in ein so genanntes Chronostichon, verpackt.


Im Oktober 1805 steht dann Napoleon vor Günzburgs Toren, am Neujahrstag 1806 predigt der Stadtpfarrer: „Jetzt sind wir also bayerisch geworden – wahrscheinlich haben wir es wegen unserer Sünden auch nicht besser verdient!“ Trotzdem sind es vor allem die Geschichtsspuren aus 500 Jahren habsburgischer Zeit, die dem „Klein-Wien“ bis heute seinen unverwechselbaren Charme geben: neben dem Marktplatz auch das Markgrafenschloss mit Hofkirche, die einstige vorderösterreichische Münzprägestätte (heute das Rathaus), die Günzburger Türme, die ehemalige österreichische Kaserne oder die Rokoko-Frauenkirche. Vor allem aber verschaffen die liebevoll sanierten Wohnhäuser und Hausfassaden, zum Beispiel in der Frauenstraße, der Altstadt Charakter. Dabei fördert die Kommune den Erhalt der historischen Substanz seit einigen Jahren gezielt, unter anderem mit der inzwischen zweimaligen Vergabe des „Denkmalpreises der Großen Kreisstadt“ in den Jahren 2007 und 2013.


Und auch die Bürger selbst sind sich des Wertes der historisch-städtischen Substanz bewusst – seit 1984 setzt sich der „Verein der Altstadtfreunde“ für deren Erhalt ein. Größter Erfolg der engagierten Günzburger: die Renovierung des Stadtturms. Seit 1992 ist das örtliche Wahrzeichen nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich, kann besichtigt und auch für Feiern und Tagungen gemietet werden. Instandgesetzt wurde zudem die so genannte Mondphasenkugel an der Turmfront. Und: Seit diesem Jahr gibt es im vierten Stock des Stadtturms den „Raum der Zeit“ – eine Dauerausstellung mit mechanischen Großuhren und Standuhren aus Günzburg.


Spätestens seit der Eröffnung des Freizeitparks Legoland auf dem ehemaligen Munitionsdepot Muna setzt Günzburg noch intensiver auf sein touristisches Potenzial, die Zahl der Übernachtungsgäste hat sich seitdem bis heute auf 180000 verdreifacht. Mit mehr als 50 Fahrattraktionen, Shows und Modellen aus 55 Millionen Legosteinen spricht das Legoland vor allem Familien mit Kindern zwischen drei und zwölf Jahren an und lockt pro Jahr 1,3 Millionen Besucher aus In- und Ausland. Kleinstes Modell ist eine Taube aus nur sechs Legoelementen, größtes eine 7,5 Meter hohe Giraffe. Heute ist der Park für die Region Tourismusmagnet und bedeutendes Wirtschaftsunternehmen mit 180 festangestellten Mitarbeitern sowie bis zu 800 Saisonkräfte in Park und Feriendorf.


Und noch weit mehr Arbeitsplätze sollen in Zukunft in Günzburg im Unterhaltungssektor entstehen: 2005 hatte die Firma TPP Projektentwicklung GmbH das rund 27 Hektar große Gelände der einstigen Prinz-Eugen-Kaserne erworben. Entstehen soll ein Eventareal mit Badesee, Gastronomie, Sport- und Wellnesseinrichtungen, Übernachtungsmöglichkeiten und Freizeitangeboten.


Wirtschaftlich profitiert Günzburg auch heute noch von seiner zentralen Lage an wichtigen Knotenpunkten, es liege geografisch nah an der A8 und der A7 und damit verkehrsgünstig am „Tor zur Welt“ sagen ortsansässige Unternehmer. Tatsächlich prägen zwar vor allem mittelständische Firmen den hiesigen Markt, doch betreibt zudem McDonald’s ein großes Logistikzentrum, auch Siemens Water Technologies beschäftigt mehr als 220 Personen. Weitere größere Arbeitgeber: der Lebensmittellieferant W.u.H. Küchle sowie der Leiterfabrikant „Günzburger Steigtechnik“. Seine einstmals historische Bedeutung als Handelsstadt und später als Industriezentrum hat Günzburg allerdings längst aufgegeben.


Die Kommune hat sich nach der Altstadtsanierung und dem Ausbau der Fußgängerzonen zum Touristenmagneten, aber auch zum beliebten Wohnort entwickelt - nicht zuletzt durch den gezielten Aufbau eines umfassenden Kulturangebots seit Beginn der 90er Jahre. Durch die neue Stadthalle, das Forum am Hofgarten, wurde der Rahmen geschaffen für Konzerte, Theater und Tagungen.  Jeweils von April bis Ende September bietet die Kommune mit dem Kultursommer ein kulturelles Rundumangebot. Und beim Spaziergang durch die Innenstadt begegnet man moderner Kunst in alten Mauern: 29 Künstler haben Skulpturen und Installationen fürs Freigelände geschaffen. Nach 2007 ist dies 2013 der inzwischen zweite Skulpturenpark in Günzburg. Die Objekte bleiben bis in den Mai 2014 stehen.


Abschließend zudem noch ein Blick auf eine weitere städtische Kuriosität: Die Günzburgerin Christl Hirner betreibt „Am Hang 11“ privat ein Besenmuseum zum Anfassen. Weltweit war sie dafür viele Jahre lang auf „Besenjagd“ und kann heute mehr als 400 Objekte von allen Kontinenten präsentieren: Voodoo-Besen aus  Afrika, Geisterfallen aus Asien, ein Handbesen aus dem Haushalt des Dalai Lama, ein japanischer Teebesen. Fast jedes Ausstellungsstück hat dabei seine ganz eigene Geschichte, denn die Feger aus Borsten, Federn oder Tierhaar dienen nicht nur als Putzwerkzeug, vielerorts wird ihnen auch magische Wirkung zugeschrieben, selbst bei uns in Deutschland: Im Allgäu werden dem Besenheiligen St. Rochus heute noch Besen als Opfergabe gebracht – der nämlich kann nach altem Glauben Hautkrankheiten heilen.

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Der Artikel ist in „Schönes Schwaben“ erschienen.

Flattr this