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Bitterböse Trüffelschweine
Kabarett Martin Großmann stößt sein Publikum im Convenartis-Keller auf den
alltäglichen Irrsinn auf der großen Finanzbühne ebenso wie in der niederbayerischen Provinz

 

Von Michaela Schneider

Wertheim Conny Kramer ist Anlegerprofi. Meint er. Von 50 Jahren Arbeit und danach nichts als Fußpilz hält er indes wenig. Also investiert er sein letztes Geld - zum Beispiel in griechische Schweinehälften. Und er wettet: Auf Tote in Afghanistan oder darauf, wie viele Kinder in Japan Leukämie bekommen. Sein Motto: Mitverdienen an der Katastrophe. Martin Großmanns Kabarettprogramm ist grotesk, ziemlich sarkastisch und bitterböse. Und das ist gut so. Denn mit seinen drastischen Figuren auf der Bühne stößt der bayerische Kabarettist das Publikum in seinem fünften Programm auf den alltäglichen Irrsinn, der sich auf der großen Finanzbühne ebenso abspielt wie in der niederbayerischen Provinz.

 

Bei dem Kabarettisten sehr erfrischend: Da reihen sich nicht einzelne Nummern mehr oder minder zusammenhanglos aneinander. Stattdessen liefert Großmann  ein kabarettistisches Theaterstück voller Sprachwitz mit 1a-Konzept. Es entwickelt sich rundum stimmig, deutet Handlungen an, lässt doch offen und steuert spannungsgeladen aufs Finale an Conny Kramers Grab hin. Dadurch ist das Publikum gefordert. In Wertheim sogar inklusive Pause fast drei Stunden lang. Ein Grund: Lange Lacher und immer wieder Zwischenapplaus. Grossmann dazu: „Wenn’s jeden Gag kapieren, sind’s selber schuld!“ Das Publikum kann nicht anders als lachen, obwohl die Handlung  eigentlich tragisch-dramatisch ist: Überspitzt, aber doch mit erschreckend vielen Funken Wahrheit.

 

Worum aber geht’s bei den Trüffelschweinen? Conny Kramer – ständig red-bull-aufgeputscht - ist zurückgekehrt in seine Heimatgemeinde und gräbt. Gräbt in alten Erinnerungen an sein Baumhaus. Gräbt in den Untiefen der Gesellschaft. Und gräbt nach seiner verstorbenen Tante und ihrem plutoniumangetrieben Herzschrittmacher. Großartig ist, wie Großmann dabei zwischen Figuren und Dialekten springt: Zwischen dem niederbayerischen Grantler Hartlbauer, dem Wiener Gangster oder dem Nazi-Onkel im Ruhrpott.  Vor allem letzterer ist mehr als drastisch, Großmann bewegt sich dabei an der Grenze zur erträglichen Provokation. Doch auch das muss erlaubt sein auf einer Kabarettbühne.

Schließlich lebt „Trüffelschweine“ von schauspielerischer Qualität.  Da steht nicht – wie leider zu oft – ein Kabarettist auf der Bühne und plaudert. Nein, Großmann spielt, was das Zeug hält, leistet echte Körperarbeit. Gesichtszüge verzerren sich, entgleisen, von irrsinniger Euphorie bis zu blankem Entsetzen. Er gestikuliert, tobt, fällt in sich zusammen. Sensationell: Großmanns Zeitlupensprung, um Sepp Maiers Torwarthandschuhe zu fangen.     

 

Kurz vor 23 Uhr darf das Publikum im Convenartis-Keller schließlich aufatmen. Wer abgeflachte Fernsehcomedy bevorzugt, war hier möglicherweise verkehrt. Wer auf ein ausgereiftes Programm mit vielen fiesen Spitzen und Denkanstößen gehofft hatte, war genau richtig. Schade war die Terminwahl: Parallel zum Kabarettabend fand in der Wertheimer Innenstadt der Kneipenwandertag „Nightgroove“ statt. So blieb etwa ein Drittel der Stühle leer – Großmann hätte einen voll besetzten Saal verdient gehabt.  Das begeisterte Publikum machte dies jedoch den Abend über allemal wett.

Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.

Schlauer Humor: Martin Großmann mit seinem Kabarettprogramm „Trüffelschweine“.

Foto: Michaela Schneider

 

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