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Die schönen Momente in einer Box
Glück lässt sich messen, ist ein eigenes Forschungsgebiet und lässt sich schon mit kleinen

Alltagstricks beeinflussen, sagt Expertin Janine Möbius – Ein Interview zum Internationalen Tag des Glücks


Von Michaela Schneider
Sommerhausen  
Das Lachen eines Kindes, ein Spaziergang in der Natur, ein gutes Gespräch, das Lieblingsgedicht: Oft sind es Kleinigkeiten, die ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Diese Momente sind etwas Individuelles – und doch sagt die Wissenschaft inzwischen: Glück lässt sich messen. Jedes Jahr am 20. März rufen die Vereinten Nationen weltweit den Internationalen Tag des Glücks aus, um auf die Bedeutung des Strebens nach Glück und Wohlbefinden aufmerksam machen. Die 40-jährige Janine Möbius aus dem unterfränkischen Sommerhausen hat eine Ausbildung zur Durchführung des „Schulfachs Glück“ absolviert. Sie blickt im Interview auf die Glücksforschung und gibt Alltagstipps.


Warum interessieren Sie sich eigentlich so intensiv fürs Thema Glück?

Janine Möbius: Ich bin über die Neurowissenschaft aufs Glück gekommen. Mich hat immer schon interessiert: Wie entstehen Gedanken im Gehirn? Was passiert unterbewusst mit uns? Ich habe zunächst privat viel gelesen, in Frankfurt am Main bekam ich dann die Chance, zusammen mit einem Psychologen eine kleine Testreihe zu starten mit der Fragestellung: Inwieweit hat das Unterbewusste Einfluss aufs Glück? Wir arbeiteten unter anderem mit Hypnose-Sitzungen, kamen aber zu keinem echten Ergebnis. Ich wollte mehr wissen und absolvierte 2012 am Fritz-Schubert Institut Heidelberg die Ausbildung zur Durchführung des Schulfachs Glück.


Glück wird in der Schule unterrichtet?

Möbius: Ja, die erste Schule war in Heidelberg, konzipiert ist das Programm für 9. Klassen. Vor allem in Baden-Württemberg hat sich das Fach inzwischen an einigen Schulen durchgesetzt. Die Ergebnisse sind spannend: Das Verhältnis zu den Eltern hat sich teilweise verbessert, die Schüler rauchen weniger und trinken weniger Alkohol. In Bayern gibt es, soweit ich weiß, nur eine Schule in München, an der sich das Fach etabliert hat. Ich biete aber mit einer Freundin Einzelimpulse an Grundschulen an. Außerdem arbeite ich in Workshops mit Erwachsenen und halte Vorträge zum Thema Glück.


Kann man Glück tatsächlich messen?

Möbius: Die Glücksforschung ist eine junge Wissenschaft und entstand in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Bis dahin war man sich nicht einig, ob Menschen Glück gleich empfinden. Das änderte sich mit einer groß angelegten Studie, in der Menschen auf der ganzen Welt fotografiert wurden. Man kam zum Ergebnis, dass sich Glück und Trauer immer gleich äußern. Schon 1954 hatte man zudem bei Versuchen mit Mäusen im Gehirn das Dopaminzentrum entdeckt und beobachtet, dass die Tiere gelernt hatten, ihr Belohnungszentrum zu aktivieren – und dies eifrig taten.


Und womit genau beschäftigt sich die Glücksforschung?

Möbius: Die Glücksforschung erstreckt sich über verschiedene Teildisziplinen. Philosophen beschäftigen sich seit Jahrtausenden mit der Frage: Was ist Glück? Physiologisch ist Glück inzwischen tatsächlich übers Blut messbar, hier spielen das Blutprotein Fibrinogen eine Rolle und auch der Cortisolspiegel.  Forscher fanden zudem heraus, dass der Blutzuckerspiegel um bis zur Hälfte reduziert sein kann, wenn Menschen glücklich sind. Und wir wissen mittlerweile, dass bis zu 24 Gene aktiviert sind, wenn wir richtig glücklich sind. Die Glücksforschung spielt zudem für Ökonomen eine Rolle, Stichwort Work-Life-Balance, denn wir wissen längst, dass glücklich Menschen mehr leisten können. Und schließlich gibt es noch die Teilbereiche experimentelle sowie angewandte Glücksforschung. In letzterem werden Glückstechniken entwickelt.


Wie kann ich mein Glück denn nun beeinflussen?

Möbius: Auf der einen Seite gibt es äußere Faktoren, die mein persönliches Glück mitbestimmen: persönliche Charaktereigenschaften, genetische Faktoren, die Gesellschaft, Lebensumstände wie das Wohnumfeld, zwischenmenschliche Beziehungen. Auf andere Faktoren dagegen habe ich selbst direkten Einfluss: Zunächst ist Authentizität wichtig, dafür muss ich mein Potential und meine Neigungen richtig erkennen und mein Leben darauf ausrichten. Als nächstes spielt das aktive Tun eine Rolle – ob es um Sport, den Job, Hobbys oder Helfen geht. Nachgewiesen werden konnte etwa, dass Fernsehen und ein Couchpotato-Dasein unglücklich machen. Wichtig beim aktiven Tun ist: Es darf weder unter- noch überfordern. Als nächstes kommt der innere Dialog dazu. Wer viel grübelt, ist meist weniger glücklich. Eine Rolle spielt dabei die Denkart. Wer gedanklich zu viel in der Vergangenheit oder Zukunft weilt, kann keine echten Glücksmomente erleben, diese gibt es nur im Hier und Jetzt. Und auch meine Glaubenssätze im Unterbewusstsein – etwa Perfektionismus – nehmen Einfluss aufs Glück.


Und nun ganz praktisch: Gibt es  Tricks, um dem Glück auf die Sprünge zu helfen?

Möbius: Am wichtigsten ist es vielleicht, Glücksmomente im Alltag bewusster zu erleben. Eine wunderbare Sache für Familien ist eine Glücksbox, sie funktioniert ganze einfach: Erlebt ein Familienmitglied einen schönen Moment, wird dieser aufgeschrieben und der Zettel in die Box gesteckt. Alle paar Wochen oder Monate kann die Familie diese leeren, die Zettel anschauen und die Momente noch einmal gemeinsam durchleben. In weniger glückliche Stunden kann eine Glücksliste helfen. Denn geht es uns schlecht, fällt uns meist absolut nichts zur Aufmunterung ein – und dann leistet die Liste gute Dienste. Auf dieser Liste können ganz einfache Dinge stehen wie das Lieblingslied hören, einen Spaziergang machen, ein Schaumbad nehmen, einen lieben Menschen anrufen. Und mein abschließender Tipp: Notieren Sie jeden Abend vor dem Einschlafen drei positive Dinge, die Sie erlebt haben. Das Gehirn fokussiert sich durch die Regelmäßigkeit nach einer gewissen Zeit automatisch auch tagsüber auf das Positive.  


Mehr Informationen zu Janine Möbius und ihren Glücksangeboten unter www.gluecksuni.de.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Glücksexpertin Janine Möbius.

Foto: Michaela Schneider