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Galanter Wüstling darf noch in der Hölle lachen
Oper
Mainfrankentheater in Würzburg präsentiert interessante, vielschichtige Inszenierung von Mozarts Don Giovanni

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Viele Frauen fallen nun mal gern auf ihn herein: auf den galanten Draufgänger, den coolen Verführer, den charmanten Macho. Don Giovannis Liste der Liebesabenteuer umfasst satte 2065 Posten. Und ihm graut vor nichts – nicht vor zehn kreischenden Bräuten und nicht vor dem Abendessen mit einem Toten. Dass der Schuss irgendwann nach hinten losgeht, Verflossene und Bräutigame Rache schwören und noch dazu der Himmel zürnt, ist mehr als vorprogrammiert. Über Mozarts Oper „Der bestrafte Wüstling“, besser bekannt als „Don Giovanni“, wurde schon unsagbar viel diskutiert. Schön, dass das Würzburger Mainfrankentheater in der Inszenierung von Francois De Carpentries den Charakter des Protagonisten nicht auf die sexuelle Ebene reduziert. Vielmehr wird das Bild eines Freigeists gezeichnet, der über gängige Moral und religiöse Werte lacht sowie die Lust am Jetzt über die Frage nach der Zukunft stellt.

 

Zunächst ein Blick auf die Handlung: Don Giovanni (Daniel Fiolka) verführt Donna Anna (Silke Evers). Dabei platzt deren Vater, der Komtur (Marek M. Gasztecki), herein, Don Giovanni tötet ihn im Zweikampf. Als nächstes ist da die verlassene Donna Elvira (Barbara Schöller), die den Frauenheld als Monster beschimpft und im nächsten Moment seinem Charme unterliegt. Dritte Frau in der Runde ist das naiv-putzige Bauernmädchen Zerlina (Anja Gutgesell), das bei der eigenen Hochzeitsfeier dem Verführer beinahe erliegt. Um besser an die Begehrte ranzukommen, lädt Don Giovanni zum Fest.

 

Donna Anna, ihr Verlobter Don Ottavio (Joshua Whitener) und Donna Elvira erscheinen maskiert, um an Don Giovanni Rache zu nehmen. Der aber kann fliehen und tauscht mit seinem Diener Leporello (Norman D. Patzke) die Kleider. Der Diener wird erwischt, Don Giovanni entkommt, läuft aber Zerlinas Bräutigam Masetto (Taiyu Uchiyama) in die Arme und führt ihn und seine Freunde an der Nase herum – schön witzig am Mainfrankentheater inszeniert. Unter der Staue des Komturs treffen sich Herr und Diener wieder, der Mann aus Stein  beginnt zu sprechen und fordert Reue. Doch Don Giovanni lacht nur und lädt die Statue zum Mahl. Die Tore zur Hölle öffnen sich, dramatische Paukenschläge, dann verschlucken sie den Wüstling.

 

Am Ende in der Urfassung noch ein Happy End, fast schon kitschig-amerikanisch.  Später strich Mozart dieses wieder. Die Würzburger haben sich trotzdem für die Urfassung entschieden. Gute Idee dabei: Don Giovanni mag von der Hölle verschluckt sein, auf den ersten Blick hat die Moral gesiegt. Doch im Mainfrankentheater, kehrt der Tote noch einmal auf die Bühne zurück, sein Freigeist hinterlässt Spuren – und so kann er selbst weiterlachen.

 

Gleich mehrere Höhepunkte während des Opernabends auf Italienisch mit deutschen Übertiteln setzte Silke Evers als Donna Anna. Mit unglaublichem Gefühl und klarstem Sopran, schafft sie Gänsehautstimmung, als sie in der Arie „Non mi dir“ ihrem Bräutigam Don Ottavio gesteht, dass sie  für eine Hochzeit noch nicht bereit ist. Daniel Fiolka in der Rolle des Don Giovanni überzeugt vor allem auch durchs glaubhafte Schauspiel. Ja, man versteht, dass die Frauen aus ihrer einengenden Moral fliehen und auf ihn hereinfallen, Macho mit Charme eben. Gesanglich stark und immer wieder schön witzig präsentiert sich Norman D. Patzke als der Diener Leporello. Einen putzig-liebenswerten Akzent setzt Anja Gutgesell als Zerlina, auch macht’s viel Spaß, ihr zuzuhören.

 

Das Orchester indes rückt eher in den Hintergrund – hier hätte man sich an einzelnen Stellen vielleicht mehr Wucht, mehr Emotion im Orchestergraben gewünscht. Dirigent Andrea Sanguinetti hat sich diesmal für die dezente Begleitung in möglichst originaler Aufführungspraxis entschieden. So bleibt die Konzentration auf die Bühne gerichtet, auch das hat Vorzüge.

 

Da indes ballt sich im Blickfang-Bühnenbild von Karine Van Hercke die Symbolik. Unter einem riesigen Kreuz geht es um strikte Moral und strenge Werte, doch sobald Don Giovanni seine Verführungskünste spielen lässt, öffnet sich ein Baum als Sinnbild von Natur, Lust und Freiheit. Die Wände sind tapeziert mit Zeitungsblättern, gezeichnete Köpfe starren herab, die öffentlichen Meinung engt ein.  Don Giovanni ist’s egal. Er reißt auch einmal einer Maskierten das Kreuz vom Hals und zerbricht es. Natur erobert hier und da die Zeitungswände.

 

Kurzum eine interessante Inszenierung eines viel gespielten Stoffes, mitreißend, modern und inhaltlich vielschichtig. Immer wieder folgt Szenenapplaus auf solistische Höhepunkte. Zum Schluss ertönen mehrfach Bravorufe, auch für eine gelungene Ensemble-Leistung.

 

Dauer:  200 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen: 10., 13. und 16. Juli, jeweils um 19.30 Uhr.

Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.