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22000 Teebeutelpackungen, Honigbusch und eine Vogelspinne
Auf 1200 Quadratmetern erstreckt sich im unterfränkischen
Abtswind über vier Stockwerke das größte private Gewürzmuseum der Welt


Von Michaela Schneider

Abtswind Heute nippt Norbert Kaulfuss an einer Tasse Kaffee. Eigentlich liebt er aber vor allem einen guten Tee, am besten Earl Grey. Denn: Mehr Teekenner als der 51-jährige Abtswinder kann ein einzelner Mensch kaum sein. Sage und schreibe 22000 Teebeutelverpackungen hat er über die Jahre angehäuft – und natürlich Sorte für Sorte selbst getestet. Zu sehen ist die Sammlung im Kräuter-, Tee- und Gewürzmuseum in Abtswind. Auf 1200 Quadratmetern erstreckt sich hier über vier Stockwerke nach Museumsangaben das größte private Gewürzmuseum der Welt. In mittlerweile 20 Räumen tauchen Besucher ein in die Welt von A wie Anis bis Zimt wie Z. Doch ist es nicht nur das Museum, das den Sommer über etliche Besucher in den unterfränkischen Landkreis Kitzingen lockt. Vor allem ist es Norbert Kaulfuss selbst, der mit seinem ureigenen, manchmal fast kindlichen Humor die Besucher bei Führungen begeistert.


Bis zu 200 Busgruppen reisen zwischen April und Oktober nach Abtswind, um in die Welt der Düfte und Geschmäcker abzutauchen. Werbung macht Norbert Kaulfuss für sein Museum in einer 450 Jahre alten Scheune nicht, die Mund-zu-Mund-Propaganda genügt. Und mit Sicherheit gibt es Besucher, die alle paar Jahre aufs Neue nach Abtswind reisen, denn: Als der Unterfranke das Museum vor zehn Jahren begründete, bestand es aus gerade einmal zwei Räumen. Seither erweitert er es Jahr für Jahr um mindestens einen neuen Raum.


Wie aber kommt ein Familienvater darauf, in einer 800 Seelengemeinde wie Abtswind ohne nennenswerten Tourismus ein privates Museum zu eröffnen? Dazu braucht es den Rückblick ins Jahr 1951. Damals begründete Norberts Vater Horst Kaulfuss in dem unterfränkischen Dörfchen einen Kräuter- und Gewürzhandel, zu Hochzeiten beschäftigte er bis zu 120 Mitarbeiter. Nach dem Firmenverkauf in den 80er Jahren standen die Fabrikgebäude zum Teil leer oder wurden untervermietet. „Das Wissen um Kräuter, Tee und Gewürze war aber weiterhin da“, sagt Norbert Kaulfuss. Selbst gelernter Maschinenbauingenieur kaufte er gut zehn Jahre lang Gebrauchtmaschinen aus der Branche, bereitete sie wieder auf und verkaufte sie in alle Welt. Teeaufgussbeutelmaschinen zum Beispiel.


Die Kräuter, Tees und Gewürze, denen Norbert Kaulfuss während seiner Reisen begegnete, kannte er zwar. „Aber ich konnte für mich neues Wissen um die Wirkungsweise von Kräutern mitnehmen“, erzählt er. Grüntee zum Beispiel sei für viele Europäer nur Erfrischungsgetränk, für den Asiaten indes Heilmittel mit cholesterinsenkender Wirkung  und Killer freier Radikaler. „Pflanzen werden in Asien extrem wertgeschätzt, hinter dem Teegenuss steht eine ganze Philosophie“, fügt Kaulfuss an. Und so ist es eines seiner erklärten Ziele bei den Führungen im Gewürzmuseum, den Wert guter Lebensmittel wieder ins Bewusstsein zu rücken.


Auf einer seiner Reisen als selbstständiger Maschinenbauingenieur wurde übrigens auch die Grundlage zum Gewürzmuseum gelegt. Damals verbrachte Kaulfuss etwa ein halbes Jahr in der Türkei. Wie es der Zufall wollte, ging im Hotel ein Aufzug kaputt und der Hotelgast aus Deutschland bot an, diesen zu reparieren. Im Gegenzug wollte der Hotelchef Norbert Kaulfuss etwas Gutes tun. „Im Hotel gab es zum Frühstück Salbeitee. Ich mag alles, aber keinen Salbeitee“, erinnert sich der 51-Jährige – und bat kurzerhand um einen anderen Morgentee. Und so stand in Folge ein halbes Jahr lang Tag für Tag eine andere, neue Teepackung auf dem Frühstückstisch. Die Sammlung sollte den Grundstock bilden für eine Sammlung, die heute 22000 verschiedene Teebeutelverpackungen umfasst.


Zu sehen gibt es im Gewürzmuseum jedoch viel, viel mehr, denn als Norbert Kaulfuss das Museum vor zehn Jahren aus der Taufe hob, wollte er damit vor allem auch das Lebenswerk seines Vaters ehren. Und so geht es in den 20 Räumen natürlich um gut 250 verschiedene Kräuter und Gewürze, ihre Herkunft und Verwendung, ihre  Wirkungsweise und ihre Heilkräfte. Es geht aber auch um das einstige Unternehmen Horst Kaulfluss sowie vor allem um Eindrücke und Empfindungen, die dessen Sohn Norbert in aller Welt sammeln konnte.

Man könnte Stunden in den Räumen verweilen und würde doch nur einen Bruchteil der unzähligen, liebenswert aufbereiteten Details sehen. Da begegnet man etwa hinter Glas Getier wie Käfern und einer Vogelspinne, die in Gewürztransportkisten den Weg nach Europa zurücklegten. Man schlendert an einer alten Apotheke vorbei und kann eintauchen in die Welt der Pharmazie. Jede Menge Kräuter liegen zum Anfassen und Hinschnuppern bereit. Wie im Labyrinth bewegt man sich an riesigen Vorhängen aus Teebeuteln vorbei. In Vitrinen entdeckt man Exoten wie Herbstzeitlosensamen aus Bulgarien, Honigbusch aus Südafrika oder Guaranasamen aus Brasilien.


Seinen Lebensunterhalt bestreitet Norbert Kaulfluss übrigens nur indirekt über das Museum: Weiterhin betreibt er Maschinenprojektierung, vor allem aber befindet sich auf dem alten Kaulfuss-Firmengelände neben dem Museum seit Mitte der 90er Jahre zudem ein Kräuter- und Gewürz-Teeladen. Verschiedene Teemischungen produziert die Familie Kaulfuss sogar selbst, abgefüllt werden sie mit eigener Teeaufgussbeutelmaschine. Auch wenn das Museum selbst laut dessen Begründer vor allem Hobby ist, dürfte es sich inzwischen für den Familienbetrieb als das Marketinginstrument schlechthin entwickelt haben - mit dem kernigen Unterfranken Norbert Kaulfuss als echter Marke.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Norbert Kaulfuss, „Vater“ des Kräuter- und Gewürzmuseums in Abtswind.


Fotos: Michaela Schneider

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Infokasten: Über das Kräuter- und Gewürzmuseum Abtswind


Das Kräuter- und Gewürzmuseum in Abtswind im unterfränkischen Landkreis Kitzingen ist von April bis Oktober montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Führungen nach Vereinbarung unter Telefon 09383/99797 oder per Email: teeladen@t-online.de