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Mondwaage und Löwengewicht
Unter dem Motto „Maß genommen“ präsentiert das Mainfränkische Museum auf der
Festung Marienberg in Würzburg jetzt historische Maße und Gewichte aus den Depotbeständen


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Wir schreiben das Jahr 1757. Der Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim beauftragt den Mathematiker Franz Huberti, nach Paris zu reisen. Sein Auftrag: Er soll sich mit dortigen Astronomen austauschen, aktuelle Kenntnisse aneignen und modernes Instrumentarium mit nach Franken bringen. Als Huberti zurück in die Heimat kehrt, hat er unter anderem einen „Pied du Roy“ im Gepäck. Bei dem „Königlichen Pariser Fuß“ handelte es sich um das Grundmaß, dessen sich die Wissenschaftler jener Zeit bedienten.


Anders als in wissenschaftlichen Kreisen sah es zu jener Zeit allerdings auf Märkten oder in Handwerksstuben aus. Hier herrschte mit Blick auf Maße und Gewichte eine verwirrende Vielfalt. So betrug zum Beispiel die Würzburger Elle 58,4, die Schweinfurter Elle 59,8 und die Wernecker Elle 60,1 Zentimeter. Und es gab ganz spezifische Würzburger Eichmaße für Korn oder Mehl, Wein oder Öl. Wer also durch die Region reiste und einkaufen wollte, war mathematisch gefordert – egal ob beim Stoff- oder beim Weinhändler. Ein einheitliches Maßsystem wurde erst mit der Reichsgründung im Jahr 1871 eingeführt. Unter dem Motto „Maß genommen“ präsentiert das Mainfränkische Museum auf der Festung Marienberg in Würzburg jetzt historische Maßplatten, Maßstäbe, Kalibermaßstäbe, Zirkel, Flächenmaße, Längen- und Raummaße, Waagen und Gewichte, Münz- und Feinwaagen aus den Depotbeständen.

Viele der Objekte stammen  aus Würzburg und Unterfranken aus der Zeit von 1475 bis 1902. Dass das Museum mit immerhin 162 Objekten doch über eine recht umfassende Spezialsammlung verfügt, ist übrigens einfach zu erklären: Der Magistrat der Stadt Würzburg hatte seinerzeit die Hoheit über das Eichwesen, viele Objekte wurden früher praktisch genutzt und landeten später in der Städtischen Sammlung. Hinzu kommt so manches Stück von überregionaler Bedeutung wie etwa ein Transversalmaßstab des Augsburger Instrumentenherstellers Georg Friedrich Brandner oder ein Kaliberzirkel von Nicolas Bion.

Anlass für die Ausstellung: Der inzwischen 91-jährige Gerhard G. Wagner beschäftigt sich seit zwei Jahrzehnten mit der Inventur der insgesamt 162 Maße und Gewichte in den Museumsbeständen.  Das Museum hatte den Ingenieur mit der Arbeit beauftragt, weil es immenses Spezialwissen braucht, um die komplexen historischen Maßeinheiten, Zahlen und Skalen zu durchschauen. Wagner hat dabei nicht nur dokumentiert, sondern auch aus- und nachgeeicht. Gleichzeitig verfasste er unter Mitarbeit des Würzburger Mathematikprofessors Hans-Joachim Vollrath sowie der Kunsthistorikerin Frauke van der Wall einen Bestandskatalog sämtlicher Maße und Gewichte des Mainfränkischen Museums. Neben den ausführlichen Objektbeschreibungen geht es darin etwa auch um Würzburger Metrologen wie den erwähnten Franz Huberti. Der 175-seitige Katalog wurde jetzt parallel zur Ausstellungseröffnung vorgestellt.


Bei der Depotarbeit stieß das dreiköpfige Team auf so manche Überraschung. „Wir haben auch jene Magazinschränke durchgeschaut, in denen eigentlich nichts hätte sein dürfen. Dabei stießen wir auf zwei Gegenstände, die uns mysteriös vorkommen“, erzählt Vollrath. Die Recherche begann – bald schon war klar, dass es sich bei den zwei Objekten um eine Sackwaage und eine Mondwaage handelte. Beide wurden seinerzeit vor allem in der Landwirtschaft verwendet, um Säcke zu wiegen. Von Mondwaage ist die Rede wegen einer mondsichelförmigen Ableseskala.


Und auch aus kunsthistorischer Sicht hält die kleine Sonderausstellung Leckereien bereit – etwa eine edle Löwenwaage aus Nürnberg aus dem 19. Jahrhundert. Als Gewichte dienen kleine Löwenfiguren. Ein gekrönter Drache hält in seinem Maul einen Ring, in dem der Waagbalken oder das Wiegegut eingehängt werden.


Die Sonderpräsentation „Maß genommen“ ist bis einschließlich 16. August im Mainfränkischen Museum in Würzburg zu sehen.  Das Museum ist im Sommer Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Halbkreisgerät aus Süddeutschland aus dem 17. Jahrhundert. Mit diesen Geräten lassen sich Horizontal- oder Vertikalwinkel und Flächen berechnen.

Fotos: Michaela Schneider



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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Infokasten: „Blicke hinter die Kulissen“ im Mainfränkischen Museum


Im Zuge der 100-Jahr-Feier des Museums hatte der Freistaat Bayern 2013 seine Unterstützung für eine Sanierung mit neuer Ausstellung zugesagt. Fürs Museumsteam bedeutet dies nun eine Zeit des Umbruchs - angefangen bei Sanierungsarbeiten auf der Burg bis hin zur Neukonzeption der Dauerausstellung in neuen Räumlichkeiten. Deshalb werden intensiviert und jenseits des Ausstellungsbetriebs die Sammlungsbestände gesichtet und bearbeitet, denn ein Problem auf der Festung ist: Ein großer Teil der Inventarlisten des Museums ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Ab Juni nehmen vier neue Museologen für zwei Jahre die Arbeit im Museum auf, die Fördermittel entstammen dem Programm „Kulturoffensive Bayern“. Zielsetzung: Sämtliche Bestände des Museums sollen in den nächsten zwei Jahren inventarisiert werden. Mit der Reihe „Blicke hinter die Kulissen“ will das Mainfränkische Museum die Besucher teilhaben lassen an Depotarbeiten, Entdeckungen und Überlegungen zu einer zeitgemäßen Präsentation der Sammlungen. Nach der Sonderausstellung "Krieg. Zerstörung. Erinnerung. – Das Mainfränkische Museum und der 16. März 1945" im Frühjahr folgt bis in den August nun die Präsentation „Maß genommen“.